CD-Review: Mephorash - Shem Ha Mephorash

Besetzung

N. Tengner – Gesang
Mashkelah M’Ralaa – Gesang
Mishbar Bovmeph – Gesang, Gitarre, Bass
Tephra Brabeion – Schlagzeug, Perkussion

Tracklist

01. King Of Kings, Lord Of Lords
02. Chant Of Gologtha
03. Epitome I: Bottomless Infinite
04. Sanguinem
05. Epitome II: The Amrita Of Vile Shapes
06. Relics Of Elohim
07. 777: Third Woe
08. Shem Ha Mephorash


Bei einem verhältnismäßig exklusiven Genre wie Underground-Black-Metal von Trends zu sprechen, würde manch einer wohl verwegen nennen, doch die jüngsten Erfolge einschlägiger Bands legen nahe, dass die zeremonielle Spielart der Musikrichtung momentan besonders angesagt ist. Batushka haben mit ihrem von orthodoxer Liturgie inspirierten Debüt beispielsweise einen regelrechten Hype ausgelöst und auch die rituell inszenierten Konzerte ihrer Schweizer Kollegen Schammasch erfreuen sich großer Beliebtheit. Eine weitere Band, die sich ästhetisch und lyrisch an religiöser Symbolik bedient, läuft unter dem Namen MEPHORASH – ein äußerst bedeutsamer Name, wenn man bedenkt, dass sich die Schweden damit auf die 72 Namen Gottes im jüdischen Glauben beziehen. Mit „Shem Ha Mephorash“ widmet das Quartett dieser Thematik nunmehr ein komplettes Album.

Wie es das spirituelle Konzept der Band bereits vorab vermuten lässt, geben sich MEPHORASH beim Musizieren keineswegs mit herkömmlichen Stilmitteln wie Schreigesang, Gitarrenriffs im Tremolo-Stil und Blast-Beats zufrieden. Aus musikalischer Sicht ist „Shem Ha Mephorash“ definitiv nicht minder ambitioniert als bezüglich der Texte. In ihren opulent komponierten Stücken – der abschließende Titeltrack bringt es etwa auf eine stattliche Länge von 15 Minuten – bedienen sich die Black-Metaller einer Vielzahl außergewöhnlicher Elemente, die in ihrem Zusammenspiel eine geradezu hoheitliche, Ehrfurcht gebietende Finsternis ausstrahlen.

Wie die Vorboten eines unaussprechlichen Grauens schweben hypnotisierende Frauenchöre über den zumeist in feierlichem Tempo voranschreitenden Black-Metal-Nummern, die außerdem nicht selten von elegant-geheimnisvollem Piano, ominösem Orgelspiel und mystischen Keyboards begleitet werden. Bilder einer auf düstere Weise prunkvollen Prozession erscheinen wie von selbst vor dem inneren Auge. Dabei gelingt es MEPHORASH stets, die rohen, eher gebräuchlichen Schwarzmetall-Charakteristika ihrer Musik stimmig in ihre klangliche Zeremonie einzubinden. Langgezogene Leadgitarren („Sanguinem“) und epische Riffs („777: Third Woe“) scheinen immerzu von einem unaufhaltbaren Verhängnis zu künden, das in Form der diabolischen, manchmal geradezu schmerzhaft hervorgewürgt klingenden Screams grässliche Gestalt annimmt („King Of Kings, Lord Of Lords“).

Viele der Tracks gehen fließend ineinander über und beinhalten interessante Details wie etwa verheißungsvolle Glocken, martialische Perkussionen und allerlei obskure Sound-Samples, wodurch MEPHORASH den Hörer noch tiefer in ihren ohnehin schon mächtigen Bann ziehen. Produktionstechnisch hätte „Shem Ha Mephorash“ sogar noch eine Spur mehr Druck vertragen, der eindrucksvollen Atmosphäre kommt der an sich durchaus kraftvolle, angemessen raue Sound jedoch glücklicherweise keineswegs in die Quere.

„Shem Ha Mephorash“ ist definitiv keine leicht verdauliche Platte, die man mit einem halben Ohr nebenbei anhören und trotzdem vollständig in sich aufnehmen kann – und das nicht bloß wegen seiner beinahe schon absurd langen Gesamtlaufzeit von 74 Minuten. Wer sich jedoch der Herausforderung stellt, MEPHORASH auf voller Länge aufmerksam zuzuhören, wird in der Platte ein beeindruckendes Werk erkennen, das in so mancher Hinsicht allein auf weiter Flur steht. Batushkas bahnbrechenden ersten Release „Litourgiya“ haben MEPHORASH hiermit zwar nicht unbedingt übertroffen, dennoch bekommt man auf dem vierten Album der Schweden ein eindringliches, vielschichtiges Hörerlebnis geboten, das weit mehr ist als bloß eines von vielen austauschbaren Produkten einer vorübergehenden Modeerscheinung.

Bewertung: 8 / 10

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