CD-Review: Mike Patton & Jean-Claude Vannier - Corpse Flower

Besetzung

Mike Patton - Gesang, Chor, Percussion, Sampler, Synthesizer, Keyboards, Noises
Denys Lable - Gitarre, Banjo, Mandoline, Dobro
Smokey Hormel - Gitarre
Justin Meldal-Johnsen - Bass
Bernard Paganotti - Bass
Léonard Le Cloarec - Kontrabass
Didier Malherbe - Duduk
Jean-Claude Vannier - Keyboards
Daniel Ciampolini - Percussion
James Gadson - Schlagzeug
Streicher - Bécon Palace String Ensemble

Tracklist

01. Ballad C.3.3
02. Camion
03. Chansons D'amour
04. Cold Sun Warm Beer
05. Browning
06. Hungry Ghost
07. Corpse Flower
08. Insolubles
09. On The Top Of The World
10. Yard Bull
11. A Schoolgirl's Day
12. Pink And Bleue


[Avantgarde / Pop] Große Worte über MIKE PATTON verlieren ist wie Eulen nach Athen tragen: Den meisten dürfte er als Frontmann der Alternative-Rock-Band Faith No More bekannt sein. Daneben war und ist der umtriebige Wahlitaliener US-amerikanischer Herkunft aber auch in verschiedenen anderen Projekten und Bands wie Tomahawk, Fantomas, Mr. Bungle, Dead Cross und Peeping Tom (um nur die wichtigsten zu nennen) aktiv – eine beachtliche Bandbreite, die von hartem Metal oder Hardcore über Funk bis hin zu schwülstigen Pop reicht. Die Liste an Kooperationspartnern reicht dabei von Dave Lombardo (Slayer), King Buzzo (Melvins), John Zorn, Massive Attack, Norah Jones, Kool Keith, Bohren & Der Club Of Gore, Sepultura, The Dillinger Escape Plan, Björk, Isis bis zu dem französischen Avantgarde-Komponist JEAN-CLAUDE VANNIER.

Dies lässt ohne zu spoilern den Rückschluss zu, dass es sich bei „Corpse Flower“ nicht um eine Metal-Veröffentlichung handelt. Und obwohl E-Gitarren hörbar zum Repertoire von JEAN-CLAUDE VANNIER gehören, dominiert auf dem Album der Pop mit höchstens mal rockigem Einschlag. Neben Einflüssen aus den Bereichen Jazz oder Chanson ist auch VANNIERs jahrzehntelange Erfahrung im Bereich der Filmmusik jederzeit spürbar – so ist trotz der unterschiedlichen Stile, die auf „Corpse Flower“ dargeboten werden, ein roter Faden in Form des skurrilen, soundtrack-esken Charakters spürbar.

Ebenfalls kurios sind die Texte: MIKE PATTON zitiert Oscar Wilde („Ballad C.3.3“), das catchy-ironische „Browning“ könnte sich in ferner Zukunft auch auf einem Tarantino-Sondtrack wiederfinden und der absurde Album-Closer „Pink And Bleue“ zaubert dem Zuhörer gleich mit der ersten Textzeile „when I drink too much I shit my pants“ ein Lächeln aufs Gesicht. Es lohnt sich, zweimal hinzuhören und zwischen den Zeilen zu lesen, um die lyrischen Feinheiten zu erkennen.

Gesanglich wird beinahe das komplette Repertoire (Hardcore oder Metal eben ausgeklammert) sowie ein großer Bereich des sechs Oktaven umfassenden Stimmumfangs von MIKE PATTON abgerufen: Manchmal sogar rockig wie im Chorus von „On The Top Of The World“, dann aber wieder schwülstig-theatralisch mit einem großen Schuss Selbstironie. Schön zu hören beim italienisch anmutenden „Insolubles“, welches sicherlich zu den Highlights auf „Corpse Flower“ gehört.

MIKE PATTON gehört ohne Frage zu den großen Stimmen im Rock- und Metal-Business und ist auch so etwas wie eine musikalische Wundertüte: Jede Ankündigung eines neuen Projekts des 51-jährigen bringt unweigerlich die Frage mit sich, welche Facette des Sängers diesmal im Vordergrund stehen wird. Dass das auch mal richtig schräg, vielleicht eine Spur zu schräg sein kann, haben in der Vergangenheit Releases wie „Adult Themes For Voice“ (eine völlig absurde Kollektion von Stimmgeräuschen bis hin zu imitierten Fürzen) oder „Anonymous“ von Tomahawk (eine Vertonung traditioneller Indianergesänge, die geneigte Fans der Band aus ihrer Komfortzone geholt hat) zeigen. Bei „Corpse Flower“ von JEAN-CLAUDE VANNIER und MIKE PATTON ist dies Gott sei Dank nicht der Fall, die Platte geht gut runter und macht Spaß. Für Fans des Sängers ein Muss, für Metalheads mit einem offenen Ohr für Schräges sicher ein Tipp.

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Bewertung: 8.5 / 10

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