CD-Review: Moonsorrow - Verisäkeet

  • Veröffentlichung: 2005
  • Label: Spinefarm
Besetzung

Ville Seponpoika Sorvali – Gesang, Bass
Henri Urponpoika Sorvali – Gitarre, Keyboard
Mitja Harvilahti – Gitarre
Makrus Eurén – Keyboard
Marko Tarvonen – Schlagzeug

Tracklist

01. Karhunkynsi
02. Haaska
03. Pimeä
04. Jotunheim
05. Kaiku


Bereits im letzten Jahr waren Ensiferum und Finntroll mit neuen Veröffentlichungen am Start, nun zieht auch die dritte Band aus dem mächtigen finnischen Viking-Metal-Dreigestirn nach. Moonsorrow bringen ihr inzwischen schon viertes Album auf den Markt, „Verisäkeet“ nennt es sich und ist wieder komplett in finnischer Sprache gehalten.
Wirklich vergleichen kann man Moonsorrow mit den beiden genannten Genrekollegen natürlich kaum. Das sieht man schon an der Songliste, bei der man nur fünf kurze, finnische Wörtchen vor den Latz geknallt wird. Das ist man von Moonsorrow aber gewohnt, so bringen es diese fünf Stücke zusammen auf mehr als 70 Minuten Spielzeit. Spätestens hier sollte jedem bewusst sein, dass man hier keine „Hits“ oder Häppchen für zwischendurch erwarten darf.

Vielmehr ist „Verisäkeet“ ein ziemlich schwieriges und sperriges Album geworden. Wo der grandiose Vorgänger „Kivenkantaja“ noch mit einer reichlich fröhlichen und optimistisch wirkenden Grundstimmung aufwartete, kommt das neue Werk überaus düster und mit noch größerer melancholischer Note daher. Überrascht hat mich auch, wie rau das gesamte Material klingt, das dürfte doch manch einen abschrecken, wie es das anfangs auch mich tat. Zwar sind auch hier wieder typischerweise Keyboards, Flöten und Akkordeons im Einsatz, doch vor allem durch die Produktion wird eine recht bedrückende Stimmung erzeugt. Dazu kommt stellenweise noch, wie zum Beispiel beim 20-Minüter „Jötunheim“, ein extrem gequälter und leidender Gesang hinzu. Diesen hat Ville Sorvali seit „Kivenkantaja“ wohl recht neu in sein Stimmspektrum aufgenommen. Natürlich setzt er auch die von ihm bekannte „normale“ krächzige Stimme ein, die erhabenen Chöre fehlen selbstverständlich auch auf „Verisäkeet“ nicht, sie klingen nur, wie eben alles hier, rauer als der Vorgänger.

Was Moonsorrow weiterhin nahezu perfekt beherrschen ist es, neben der mal ruhigen, mal fröhlichen und mal bedrückten Atmosphäre eine ungeheuere Dramatik einzubringen, die sich in jedem Lied wieder wie selbst von neu aufbaut und ausdehnt. Besser gesagt verbreitet sich diese Dramatik über die gesamte Spieldauer hinweg, da die Lieder nahezu nahtlos ineinander übergehen und zusammenhängen. Etwas, was man von Moonsorrow wohl nicht erwarten musste, sind stellenweise recht heftige Blast-Attacken und schnelle Stellen, die sich aber nahtlos in das ansonsten im Midtempo angesiedelte Material einfügen.
Nach den vier meisterhaften Epen steht am Ende mit „Kaiku“ mehr oder weniger ein Outro, dass sehr ruhig und ohne Gitarren daherkommt. Nach der Hälfte ist das Lied aber eigentlich auch schon aus, da die letzten vier Minuten nichts weiter als das Knistern eines Lagerfeuers ist, das wohl so langsam immer kleiner und kälter wird.

Ein Album wie „Verisäkeet“ (inzwischen kann ich’s fast schreiben, ohne nachzuschauen…) wird einem auch nicht alle Tage vorgesetzt. Sperrig ist es nicht zu knapp, es fordert die gesamte Aufmerksamkeit des Hörers, um sich voll und ganz zu öffnen und sich zu entfalten. Das wird wohl nicht bei allen gelingen, aber wer schon Moonsorrow-Erfahrung hat und bereit ist, sich einem Album mal mehr als eine Stunde lang voll und ganz hinzugeben, wird die prächtige Schönheit dieses kleinen Meisterwerks erfahren und sich davon nur schwerlich losreißen können.
Mit Bathory werden Moonsorrow desöfteren verglichen, und das wird den Jungs auch kaum zuwider sein. Diese Vergleiche und teilweise schon Gleichsetzungen sind auch kaum zu Unrecht aufgestellt worden. Diese Truppe kann sich noch auf eine große Zukunft und wir hoffentlich auf weitere Überalben wie die bisher von den Finnen geschriebenen freuen.

Bewertung: 9 / 10

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