Review Mora Prokaza – By Chance

Black Metal ist eine sehr heterogene Spielart: Während ein Teil der Bands in dieser Szene die „Alte Schule“ pflegt und alten Idealen nacheifert, gibt es auf der anderen Seite einen progressiven, avantgardistischen Ansatz, den neben etablierten „Querschlägern“ vor allem junge Combos verfolgen. MORA PROKAZA aus Weißrussland ist eine davon.

Ihr nunmehr drittes Album „By Chance“, das die Band dank dem Vertrauen des experimentierfreudigen Labels Season Of Mist nun auch europaweit bekanntmachen dürfte, lebt von ebendiesem avantgardistischen Ansatz. Während die Gitarren moderne, aber schwarzmetallen geprägte Riffs vorlegen, ist es vor allem der Gesang, der aufhorchen lässt: Abgehackt herausgespien lässt er deutliche Trap-/Hip-Hop-Einflüsse erkennen. Am ehesten lassen sich MORA PROKAZA deswegen nicht mit Black-Metal-Bands, sondern Trap-Metal-Acts wie Ghostemane vergleichen.

Zumal die Band aus Minsk in ihrer Muttersprache textet, wirkt „By Chance“ fremdartiger als das meiste, was selbst aufgeschlossenen Black-Metal-Hörern in den letzten Jahren aus Osteuropa vorgesetzt wurde. Warum den Songs wie auch dem Album dann jedoch eher lieblos wirkende, englischsprachige Titel zugedacht wurden, lässt sich nur mutmaßen – vermutlich dürfte aber die Angst, „unlesbare“ Titel ließen sich in Europa schlechter vermarkten, eine Rolle gespielt haben.

Obwohl sich der Gesang stark in den Vordergrund drängt, sollte man auch der detailreich arrangierten Musik Beachtung schenken: Ob mit kreativen Sounds oder lieblichem, aber doch zugleich sinistrem Klavier (beides etwa vereint in „I See It This Way“) oder auch immer wieder wilden Gitarrenriffs: MORA PROKAZA haben auf „By Chance“ wahrlich ein musikalisches Potpourri zu bieten. „Check It“ vereint als Song alle zentralen Merkmale der Band: Vor einer musikalischen Kulisse, die mit Schellen, Oboe und Akkordeon (?) an Theater- oder Filmmusik erinnert, kehrt Sänger Farmakon einen herrlich asozial-aggressiven Charakter heraus, der die Musik – so lieblich sie auch sein mag – hässlich und bedrohlich wirken lässt. An anderer Stelle funktioniert das leider nicht ganz so gut: So klingt das „Gebelle“ bisweilen auch ziemlich affektiert und bewegt sich hart an der Grenze zum Lächerlichen („Sorry Man“), und auch nicht jeder der neun Songs auf „By Chance“ hat die musikalische Tiefe dieser Nummer.

MORA PROKAZA sind definitiv nicht jedermanns Sache: Musik wie Gesang sind nicht eben leicht zu konsumieren: Selbst wenn man das schräge Konzept der Band generell interessant findet, besteht noch die Möglichkeit, dass man das hier Gebotene als überzogen und auf seine Art wieder stumpf empfindet. Auch ist das Album (obwohl es nur knapp die halbe Stunde Spielzeit knackt) ein anstrengendes Erlebnis; nicht zuletzt weil der Sound zwar professionell, im Ganzen aber doch etwas unausgegoren klingt. Eine vorbehaltlose Empfehlung ist deswegen kaum auszusprechen. Wer jedoch offen für Neues und extremem Metal zugetan ist, sollte sich zumindest eine Meinung bilden.

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Wertung: 7.5 / 10

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