CD-Review: Nachtmystium - Addicts: Black Meddle Pt. II

Besetzung

Blake "Azentrius" Judd - Gesang, Gitarre
Pat Clancy - Gitarre

Gastmusiker:
Bruce Lamont - Gesang
Russ Strahan - Gitarre
Matt Johnson - Gitarre
Will Lindsay - Bass
Jeff "Wrest" Whitehead - Schlagzeug

Tracklist

01. Cry For Help
02. High On Hate
03. Nightfall
04. No Funeral
05. Then Fires
06. Addicts
07. The End Is Eternal
08. Blood Trance Fusion
09. Ruined Life Continuum
10. Every Last Drop


Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach der Veröffentlichung ihres vierten Full-Length Albums „Assassins: Black Meddle Part I“ sind die US-Amerikaner von NACHTMYSTIUM zurück, um das, was sie mit ihrem vorigen Album begonnen haben, fortzusetzen. „Addicts: Black Meddle Pt. II“ heißt der neuste Streich der inzwischen zu einem Duo zusammengeschrumpften Band um Blake „Azentrius“ Judd, der dieser Tage in die Läden kommt. Der Vorab-Song „No Funeral“ wirkte dabei schon etwas befremdlich auf den einen oder anderen Hörer, denn der Song setzt zwar das psychedelische Konzept der vorigen beiden Alben konsequent fort, wirkt mit seinen übersteigerten elektronischen Elementen und den beinahe tanzbaren Rhythmen aber doch irgendwie anders. Und da der Mensch halt ein Gewohnheitstier ist heißt das nicht zwingend „gut“. Also werfen wir doch einen Blick darauf, ob NACHTMYSTIUM die Faszination, die „Assassins“ (zumindest auf mich) ausgewirkt hat, wiederholen können…

Und wieder fangen die Herren aus Illinois ihr Album eher klassisch an. Der erste reguläre Track „High On Hate“ bollert sehr schwarzmetallisch daher. Blastbeats und Tremolo-Riffing gibt’s auf die Ohren, dazu ein paar recht epische Leads und das recht individuelle, glücklicherweise aber nicht mehr ganz so angestrengt-gepresste Gekeife von Blake Judd. Die Produktion klingt etwas kantig und eigentlich erinnert mich der Track mehr an so etwas wie die Briten von Blutvial als an das NACHTMYSTIUM’sche Schaffen auf dem vorigen Album, aber gut, „Assassins“ fing mit dem Titeltrack auch eher wenig repräsentativ an.
Und tatsächlich, schon „Nightfall“ zeigt die Band von einer ganz anderen Seite. Schwarzmetallische Raserei wird abgelöst von leicht psychedelischen Keyboards, einer eigentlich recht entspannten, fast poppigen Attitüde und einem Schlagzeug, das zwar einerseits recht einfallslos wirkt (spielt es doch die meiste Zeit ein und denselben Rhythmus durch), gerade dadurch aber einen absolut überirdischen und total eingängigen Groove entwickelt. Da ist Kopfnicken und Fußwippen vorprogrammiert und… ja, man möchte sogar beinahe das Tanzbein dazu schwingen. „No Funeral“ setzt diesen Kurs dann konsequent fort mit seiner heftig schallenden Snare und den beinahe ELP-artigen Keyboards, wie sich das Ding als Einzeltrack macht weiß ich nicht, ich hörte es zum ersten Mal in Verbindung mit dem kompletten Album und da passt „No Funeral“ doch vorzüglich rein.
Ansonsten gibt’s auf „Addicts“ keine großartigen Überraschungen zu verzeichnen, was jetzt aber definitiv nicht so negativ gemeint ist, wie es vielleicht klingt. „Assassins“ war ein ziemlich unberechenbares Album, das jedes Mal, wenn man sich gerade in Sicherheit wiegte, ganz neue Töne angeschlagen hat, die erst mal wieder verarbeitet werden wollten. Cool, aber auch ziemlich anstrengend. „Addicts“ wirkt durchdachter, fokussierter, auf dem Papier dadurch vielleicht etwas langweiliger, in der Praxis aber absolut nicht. Zwischen groovigen Drums, mitreißenden Keyboardparts, epischen Soli und Gitarrenleads und hier und da auch mal wieder ein bißchen melancholischem Black Metal dürfte eigentlich jeder auf irgend etwas stoßen, was ihm gefällt. Und die Verteilung der einzelnen Parts ist auch so durchdacht gewählt, dass nichts wirklich aus dem Rahmen fällt, sondern „Addicts“ wie eine echte Einheit wirkt, egal ob es jetzt um das stampfende „No Funeral“, das melancholische „Then Fires“ oder den epischen Rausschmeißer „Every Last Drop“ mit dem genialen Solo geht, hier passt alles zusammen, hier gefällt alles (vielleicht mit Ausnahme von „Blood Trance Fusion“, das ein bißchen zu solitär industriell angehaucht wirkt).

„Addicts: Black Meddle Pt. II“ zeigt NACHTMYSTIUM also eindrucksvoll von einer vielleicht etwas berechenbareren, aber nichts desto trotz absolut mitreißenden Seite. 10 Tracks voll mit beinahe 50 Minuten starker Musik (okay, abzüglich des Intros „Cry For Help“) finden sich auf dem fünften Album der Amerikaner, das jeder Fan des Vorgängers sowieso schon auf dem Einkaufszettel stehen haben dürfte. Aber auch ansonsten sei das Ding jedem Freund von groovigem, leicht elektronisch angehauchtem, psychedelischen Black Metal mit epischen Melodiebögen und musikalischer Perfektion ans Herz gelegt. Zwar ist das Jahr erst halb rum, aber „Addicts: Black Meddle Pt. II“ könnte sich wohl als eines der stärksten Alben 2010 entpuppen. Weiter so, NACHTMYSTIUM, der dritte Teil – oder was auch immer ihr jetzt geplant habt – kann kommen.

Bewertung: 9 / 10

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