Review Nephila – Huldra

  • Label: Majestic Mountain
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Hard Rock

Wenn es um satten Rock ’n‘ Roll mit Schlagseite nach den siebziger Jahren geht, hat man heute wahrlich genügend verlässliche Anlaufstellen. SPIRITUAL BEGGARS, YEAR OF THE GOAT, DEEP PURPLE, gar seit derweil anderthalb Jahrzehnten OPETH – das sind nur einige Namen. Eigentlich könnte man damit doch glücklich sein, oder? Im Grunde schon, ja. Aber dann verpasst man halt NEPHILA und damit eine echte Perle des Genres. Seit 2017 aktiv, legt das schwedische Kollektiv um die Sängerinnen Josephine Asker und Linn Edlund mit „Huldra“ den Nachfolger zum nach der Band benannten Debüt vor.

Was NEPHILA auf ihrem neuen Album präsentieren, ist eigentlich nur mit einem Wort zu beschreiben: großartig. „Huldra“ ist fantastisch durchkomponiert. Gleich zu Beginn erwarten einen mit „Mother Of The Woods“, „In Her Hands“ und „The Hidden Folk“ drei echte Knaller. Der Opener hält sich anfangs noch zurück. Über fragilen und dennoch erhabenen Gesang, kombiniert mit den warmen Retro-Keyboard-Klängen von Johan Larsson, gleiten NEPHILA in eine getragene Rock-Nummer. Und obwohl sich die Stimmen von Josephine und Linn im Grunde ziemlich ähneln, wirken sie einzeln unterschiedlich genug und im Verbund einfach mächtig. Das Schlagzeug und die Gitarren legen sich sanft, aber stets präsent um die beiden Stimmen, und kurz vor Schluss gibt es dann gar ein erstes wunderbares Saiten-Solo.

„In Her Hands“ begibt sich schließlich komplett aus der Defensive und offenbart sich als unglaublich schmissiges Stück, das vor Lässigkeit nur so strotzt. Bass und Schlagzeug bilden ein tightes Fundament, auf dem die durchweg starken Gitarrenarrangements von Jacob Hellenrud und Anton Athley sich vollends entfalten. Zusammen mit dem starken mehrstimmigen Gesang entsteht hier eine Sogkraft, gegen die man sich kaum wehren kann. Wer sich hier nicht bewegt, ist selbst schuld. In gleicher Weise, nur um eine kleine Nuance zurückhaltender, gibt sich „Hidden Folk“, dessen – man kann es nicht anders sagen – saucoole Attitude durch einen unglaublich mitreißenden Refrain vervollständigt wird. Die zweitstimmigen Gitarrenmelodien reichen sich überdies mit der Hammond-Orgel die Hand, das ein verzücktes Grinsen nicht unterdrückt werden kann.

NEPHILA machen einfach unglaublich Spaß. Und zwar unabhängig davon, von welcher Art Vibe man spricht. Ob es nun die erhellenden Melodien eines „Ash Their Bones“, stilvolle GHOST-Remineszenzen wie auf dem Titeltrack „Huldra“ zu vernehmen oder die leichte Melancholie eines „Solar Eclipse“ ist, die NEPHILA auf ihrem neuen Album in den Fokus stellen, sie überzeugen dabei auf ganzer Linie.

Wenn dann mit „The Living Grave“ und „F.I.N.N“ noch einmal behände der schmale Grat zwischen unverschämtem Drive und absoluter Schönheit genommen wird, ist es fast ein wenig traurig, wie schnell 38 Minuten vergehen können. Aber ganz ehrlich, das zeigt doch nur eines. Nämlich wie kurzweilig, kohärent und durchweg rund NEPHILA ihren Stiefel durchziehen. Dass die Band beim Ausleben ihres Genres kaum einen Sprung in andere Gefilde unternimmt, ist dabei nur konsequent. Getreu dem Motto „Never Change A Running System“ haben die Schweden mit „Huldra“ nämlich einen verdammt guten Lauf. Dieser Truppe wünscht man eine große Zukunft. Gerade nach einem so herausragenden zweiten Album.

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Wertung: 10 / 10

Philipp Sorger

Publiziert am von

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