CD-Review: Nightbringer - Terra Damnata

Besetzung

Ar-Ra'd al-Iblis - Gesang
Naas Alcameth - Gitarre, Bass, Gesang
Ophis - Gitarre, Bass Gesang
VJS - Gitarre, Keyboard
Norgaath - Bass
Menthor - Schlagzeug

Tracklist

01. As Wolves Amongst Ruins
02. Misrule
03. Midnight's Crown
04. Of The Key And Crossed Bones
05. Let Silence Be His Sacred Name
06. Inheritor Of A Dying World
07. The Lamp Of Inverse Light
08. Serpent Sun


Auch viele Jahre nach seiner Entstehung kann man im Black Metal aus seinen ursprünglichen,  charakteristischen Elementen noch etwas Einzigartiges basteln. Ein solches Kunststück ist nun auch NIGHTBRINGER gelungen, die mit „Terra Damnata“ ihr fünftes Studioalbum veröffentlichen. Nicht umsonst nahm sich das für qualitativ hochwertigen und außergewöhnlichen Black Metal stehende Label Season Of Mist der US-Amerikaner an. Eine Entscheidung, die schon beim ersten Durchlauf mehr als nachvollziehbar erscheint.

Bereits der Opener „As Wolves Amongst Ruins“ legt ein Wahnsinnstempo vor. Nach einem gewagten Einstieg, der sicherlich selbst langjährigen Black-Metal-Hörern mit seiner fies-atonalen Melodie Unbehagen bereitet, läuft das phänomenale Stück klassische Skalen auf und ab, die recht treffsicher wiedergeben, wie Bach geklungen hätte, wenn er Black Metal gespielt hätte. Es wird nicht die einzige derartige Stelle auf dem Album bleiben. Denn was „Terra Damnata“ so verdammt brillant macht, ist die auf den ersten Blick wilde und dennoch zu jeder Sekunde absolut kohärente Mischung aus meisterlich ausgeführten Elementen. Songs wie „Misrule“ oder „Of The Key And Crossed Bones“, bei denen die Band zur Höchstform aufläuft, begeistern mit gnadenlosem Hochgeschwindigkeits-Geballere in Dark-Funeral-Manier. Dazwischen tummeln sich vollkommen jeglichen Tonarten entziehende, an Zwölftonmusik erinnernde und damit quasi ein Eigenleben führende Melodien, die aber stets im richtigen Moment durch die bereits erwähnten, von klassischer Musik inspirierten Gitarrenläufen abgelöst werden. Damit das Ganze nicht zur anstrengend chaotischen Prügelposse verkommt, breiten NIGHTBRINGER zwischen all den bitterbösen Rasereien immer wieder mächtige, trostlose Doom-Passagen aus.

Nicht zuletzt die eiskalte Produktion und die technisch perfekt eingespielte Musik verhelfen der Scheibe neben dem fantastischen Songwriting dazu, ihre tiefschwarze Atmosphäre zu entfalten. Gerade in den extrem schnellen Blastbeat-Passagen droht alles in einem einzigen dissonanten Mischmasch zu verschwimmen, ehe sich dieses Wirrwarr Sekunden später lichtet und die einzelnen Elemente ein klares und differenziertes Bild des Unheils formen.
Obgleich „Terra Damnata“ ein absolutes Ausnahmewerk darstellt und schon jetzt ganz klar zu den besten Black-Metal-Releases des Jahres gezählt werden muss, verbauen sich NIGHTBRINGER im letzten Drittel ihre Chance auf Perfektion. Es ist nicht so, dass Songs wie „Inheritor Of A Dying World“ oder „Serpent Sun” schlecht wären, sie erreichen in dem, was sie tun nur nicht ganz die Brillanz der restlichen Songs auf der Platte. Das vorletzte, mit dem wundervollen Titel „The Lamp Of Inverse Light“ ausgestattete Stück hätte hingegen wohl als halb so langes Interludium besser funktioniert, wenn die Band hier ein dramatisches Sprachsample über trotz ihrer verzweifelten Stimmung doch schon wieder fast etwas Hoffnungsvolles innehabenden Doom-Flächen legt. Das sind aber tatsächlich die einzigen Schwachstellen, die das ansonsten durch und durch sprachlos machende Werk überhaupt aufweist.

Mit „Terra Damnata“ ist NIGHTBRINGER ein grandioses Black-Metal-Album gelungen, das mit einer gleichermaßen kontrolliert chaotischen, atonalen, dissonanten und aber ebenso melodischen, sphärisch dichten und erbarmungslosen Atmosphäre begeistert. Kein einfach zu hörendes Werk, aber wer sich auf die garstige Atmosphäre einlassen kann, wird mit einem enorm starken Album und einem unvergleichlichen Hörerlebnis belohnt.

Bewertung: 8.5 / 10

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