CD-Review: Nochnoy Dozor - Nochnoy Dozor (EP)

Besetzung

Lina – Gesang
Manos G – Gitarre
Nick – Bass
Chris – Schlagzeug
Revekka – Synthesizer, Hintergrundgesang

Tracklist

01. Black Hand
02. Stains
03. Closer
04. Home Sick Home
05. All Mine
06. Ben-Hur


Schon seit einiger Zeit macht sich im Mainstream-Pop eine Entwicklung bemerkbar, die vorsichtig in Richtung Post-Rock deutet. Immer mehr Radio-Singles lassen neuerdings mit luftigen, unverzerrten Gitarren aufhorchen. Interessanter werden die allzu seichten Drei-Minuten-Lieder dadurch freilich nur bedingt. Die griechischen Newcomer NOCHNOY DOZOR scheinen diesen Ansatz hingegen aus der entgegengesetzten Richtung zu verfolgen. Ihre selbstbetitelte Debüt-EP setzt sich grundsätzlich aus atmosphärischen Klanggebilden zusammen, welche die Griechen mit poppigen Vocals und unkomplizierten Strukturen einfacher zugänglich gestalten – eine nicht uninteressante Herangehensweise, die NOCHNOY DOZOR sogar bereits einen Vertrag mit Prophecy Productions beschert hat.

Der Minimalismus, der sowohl im Pop als auch im Post-Rock ein gängiges Stilmittel darstellt, findet sich auch auf „Nochnoy Dozor“. Komplexe, ausgedehnte Melodiebögen sucht man hier vergebens, stattdessen versuchen NOCHNOY DOZOR, mit ein paar wenigen Tönen die größtmögliche Wirkung zu erzielen. Die hallenden Clean-Gitarren und Drums werden meist nur sehr behutsam gespielt, sodass Linas bisweilen fast schon souliger Gesang ganz klar den Ton angibt.

Aus gesangstechnischer Sicht ist „Nochnoy Dozor“ einwandfrei. Zwar merkt man im sechsminütigen Abschlusstrack „Ben-Hur“ recht deutlich, dass Lina in den intensiveren Passagen noch nicht ganz die Töne trifft, die sie wohl gerne treffen würde, eindeutig falsch singt sie jedoch nie. Problematischer sind hingegen die Gesangsarrangements per se, wirken diese doch bisweilen etwas ziellos („Closer“) oder austauschbar („All Mine“). Leider haben es NOCHNOY DOZOR darüber hinaus nicht ganz hingekriegt, die greifbaren, prägnanten Vocals mit dem sonst eher unnahbaren, Ambient-haften Charakter der Songs in Einklang zu bringen. Nur in den wuchtigeren, fast schon an Doom Metal grenzenden Abschnitten stoßen sich Gesang und Instrumente nicht voneinander ab.

Was hingegen sowohl in den bodenständigeren als auch in den leichtfüßigeren Teilen der Tracks hervorragend funktioniert, ist die Produktion. In dem glasklaren und gleichwohl druckvollen Sound geht keine einzige Nuance der überwiegend düster eingefärbten Kompositionen verloren. Zumindest in puncto Tonqualität müssen sich NOCHNOY DOZOR somit nicht weiter um Verbesserung bemühen, was gewiss nicht jede Band schon nach der ersten Veröffentlichung von sich behaupten kann.

In der Theorie hätten NOCHNOY DOZOR möglicherweise sogar das Potential, sonst eher unbedarfte Hörer an etwas anspruchsvollere Musikrichtungen heranzuführen. Die Umsetzung fällt jedoch vermutlich immer noch zu finster aus, um ein Pop-affines Publikum anzusprechen, wohingegen sich Fans von Ambient und Doom Metal wahrscheinlich an dem allzu Mainstream-tauglichen Gesang stören dürften. Zusammenfassend lässt sich zu „Nochnoy Dozor“ somit festhalten, dass das Minialbum technisch gesehen keine Wünsche offen lässt, in Sachen Songwriting allerdings noch Luft nach oben hat. Nichtsdestotrotz wird es wohl spannend sein, zu sehen, wie sich NOCHNOY DOZOR auf ihrer ersten Full-Length-Platte schlagen werden.

Keine Wertung

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