CD-Review: Nocternity - En Oria - Crucify Him

Besetzung

Khaal Drogo - Gesang, Gitarre
Merkaal - Gesang, Bass
Cygma - Gitarre (Session)
Lethe - Schlagzeug (Session auf „En Oria“)
Awraun - Schlagzeug (Session auf „Crucify Him“)

Tracklist

En Oria:
01. Night Omen
02. To the Shrine
03. The Drowning
04. Queen of the Deep
05. En Oria
06. Enter the Rif of Chaos
07. Final Redemption
08. Aura
Crucify Him:
09. Stella Tenebrarum
10. Crucify Him
11. Lunar Innuendo
12. Perdo Corporem
13. The Gates
14. Black Holy War


Dass Alben re-released werden, ist alltäglich. Kompilationen kennt man ebenso, doch dass zwei Alben als eines erneut veröffentlicht werden, ist eher rar. NOCTERNITY und ihr Label Omvina unternahmen jedoch diesen Schritt und präsentierten „En Oria – Crucify Him“. Das Booklet bedarf keiner wirklichen Erklärung, es ist so aufgebaut wie bei einem Splitalbum zweier Bands, soll heissen: Cover eins auf dem Frontdruck, Cover Nummero zwei auf dem Bookletrücken. Das Motiv zu „En Oria“ ziert die Frontseite, was nur sinnvoll erscheint, besitzt dieses Album doch das deutlich malerische, famosere Bild. Übrigens enthält „Crucify Him“ noch zwei Bonusstücke, die da „The Gates“ und „Black Holy War“ wären.

„En Oria“ macht den Anfang und man hört ja häufig, dass NOCTERNITY erst ab „Onyx“ wirklich gute bis brillante Musik hervorbrachten und ihre vorherigen Werke eher mittelmäßig waren. Die Richtigkeit lässt sich leicht überprüfen; mit dem Ergebnis, dass diese Behauptung einfach falsch ist. Die erhabenen Melodien und die ausgefeilten Arrangements wurden vielleicht noch nicht erreicht, was sicher auch am generellen Sound liegt, doch das ist ja was komplett anderes. Eingangs erklingt ein melancholisch-triumphales Intro, bevor NOCTERNITY sich dann im Black Metal-Gewand präsentieren. Hierbei agieren sie äußerst geschickt, der Gesang wird besonders bei den wüsten Schreien zu einem Erlebnis. Die Griechen geben sich räudig und doch zugleich feingliedrig, was schon mal Beachtung verdient, da ihnen dieses Unterfangen absolut gelingt. Energisch geht es zur Sache, ein keifender und dämonischer Gesang verleiht der Musik das gewisse Etwas mit dem man Hörer verzücken kann. Die Instrumente sind teils sehr bedacht eingesetzt, sie zeichnen sich durch Variabilität aus. Der Übergang von schnellen, drumlastigen Parts hinein in melodische, in Midtempo gehaltene Stellen ist fließend. Das Schöne an den atmosphärischen Klängen ist, dass man es vermag, das Keyboard stets passend zur Stimmung der Musik zu halten, es also nicht in kitschige Gefilde führt. „Aura“ ist der Beleg schlechthin für die Qualitäten der Griechen in dieser Hinsicht, da es einen gelungenen Abschluss von „En Oria“ darstellt, es ruft Assoziationen an den Niedergang eines Reiches hervor, eine Art das Ende verkündende Melodie. In „The Drowning“ offenbaren sie ihre übrigens ihre Qualität in einem „richtigen“ Stück, so dass man hiermit ohne Frage einen Anspieltipp nennen kann. Es ist letztlich schwer zu umfassen, wie NOCTERNITY brillieren; sie machen einfach das besser, was andere Gruppen schon gut erledigen, ihre Musik ist ausgefeilter.

„Crucify Him“ wird ebenfalls mit einem Intro eingeleitet, welches jedoch im Vergleich zum Einklang von „En Oria“ etwas weniger gefällt. Sicher liegt das auch an der Thematik, welche dahintersteckt. So unterscheiden sich beide Tracks von Grund auf und sind eigentlich kaum vergleichbar. Die Musik ist etwas bodenständiger, ihr wohnt nicht eine solch tragische Atmosphäre inne, vielmehr ist sie aggressiver und direkter. Richtig deutlich wird dies wohl bei „Lunar Innuendo“ und dem nachfolgenden „Perdo Corporem“ samt Schlachtengetümmel. Hier entfacht das verantwortliche Duo eine wahre Brunst von dunkel getriebenen Stücken, welche einen absoluten Kontrast zu „En Oria“ mit seinen fast schon lieblichen Melodien darstellen. Musikalisch agieren sie durchaus besser, da ihre Kompositionen komplexer sind. Doch die schwelgerischen Melodien sind prägnanter, was aber im Umkehrschluss keineswegs heissen soll, „Crucify Him“ wäre weniger gut gelungen. Dann endet diese MCD auch eigentlich schon, wären da nicht die Bonustracks. Bei „The Gates“ handelt es sich lediglich um ein andächtiges Keyboardstück, „Black Holy War“ tönt ehrlich gesagt wie ein Song, der so beschaffen ist, dass er kein Album ziert; ein unwürdiger Ausklang.

„En Oria“ ist summa summarum das gefälligere Werk, „Crucify Him“ bietet allerdings ebenso gute Kost, welche diametral ausfällt. Grundsätzlich kann man diese Zusammenfassung beider Alben zu einer CD nur begrüßen, da man so zwei zweifellos feine Alben erhält, welche einzeln nicht mehr so leicht aufzutreiben sind. Eine Wertung entfällt, denn zwei Alben in eine Bewertung pressen zu wollen, erscheint mir etwas zu gewagt. Doch man kann sagen, dass „En Oria“ durchaus an „Onyx“ und „A Fallen Unicorn“ herankommt, „Crucify Him“ jedoch nicht ganz.

Keine Wertung

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