CD-Review: Novembers Doom - Hamartia

Besetzung

Paul Kuhr – Gesang
Larry Roberts – Gitarre
Vito Marchese – Gitarre
Mike Feldman – Bass
Garry Naples – Schlagzeug

Tracklist

01. Devils Light
02. Plague Bird
03. Ghost
04. Ever After
05. Hamartia
06. Apostasy
07. Miasma
08. Zephyr
09. Waves In The Red Cloth
10. Borderline


„Hamartia“ – ein kurzer, findiger Blick in die Suchmaschine verrät, dass es sich bei diesem Wort um einen griechischen Begriff handelt, der sich in etwa mit „Verfehlung“ ins Deutsche übersetzen lässt. Ein böses Omen für das so selbstkritisch betitelte, neue Album der Death/Doomer NOVEMBERS DOOM? Keineswegs, gehörte das Scheitern in den verschiedensten Teilbereichen des Lebens doch seit jeher zu den meistbesungenen Themenkreisen im Doom Metal. Fans des amerikanischen Quintetts, dessen Besetzung nun zum ersten Mal zwischen zwei Alben dieselbe geblieben ist, können also beruhigt aufatmen, NOVEMBERS DOOM haben die Reaktionen der Kritiker nicht schon mit dem Titel vorweggenommen.

Ganz im Gegenteil, auch ihr zehntes Studioalbum, das von Szeneikone Dan Swanö gemixt wurde und für das NOVEMBERS DOOM einige Gastmusiker zur Verstärkung am Mikro, an den Gitarren und am Keyboard angeheuert haben, atmet pure Doom-Tristesse und sollte somit für alle ein gefundenes Fressen sein, die ihre Musik langsam und schwermütig mögen. Danach sieht es zuerst nicht aus, denn mit „Devils Light“ haben die Amerikaner ein waschechtes Death-Metal-Brett an den Anfang ihrer Platte gesetzt. Hier werden die Ohrmuscheln noch gehörig mit mächtigen Growls, griffigen Riffs und Double-Bass-Drums durchgerüttelt.
Ab „Plague Bird“ reduzieren sich die Todesmetall-Eskapaden jedoch auf ein Minimum. Bis auf die stürmische Ausbrüche im phasenweise richtiggehend energetischen „Apostasy“ findet sich nur noch vereinzelt gutturaler Gesang, stattdessen konzentrieren sich NOVEMBERS DOOM größtenteils auf melancholische Cleans, die Assoziationen mit Paradise Lost nahelegen. Die kräftigen Rhythmusgitarren werden nun vermehrt von schwermütigen Leadmelodien überlagert oder sogar von atmosphärischen Clean-Gitarren („Ghost“) ersetzt. Obwohl es „Hamartia“ also keinesfalls an trübsinnigen Melodien fehlt, ist die Gitarrenfraktion hier wesentlich wuchtiger als bei vielen Genre-Vettern von NOVEMBERS DOOM, was durch die druckvolle Produktion nochmals forciert wird.
Trotz aller Nachdenklichkeit und Atmosphäre, die in den neuen Songs des Quintetts zum Ausdruck kommen, bleiben sie aufgrund des rifflastigen Sounds stets am Boden. Auch die oft bei allzu sehr um Stimmung bemühten Alben auftretende Gefahr zu zielloser und dadurch ermüdender Strukturen wird dadurch elegant umgangen. Praktisch kein Track auf „Hamartia“ ist als Reinfall anzusehen, die Qualität bleibt konstant hoch und viele Passagen merkt man sich schnell und ohne große Anstrengung.

Streng genommen ist die neue Platte von NOVEMBERS DOOM weder Fisch noch Fleisch – Novembres „URSA“ ist beispielsweise trotz stilistischer Nähe wesentlich atmosphärischer, aber richtig brutal oder rau ist der Mix aus Death und Doom Metal, den ihre amerikanischen Kollegen praktizieren, auch nicht. Doch obgleich der Klargesang auf „Hamartia“ bisweilen etwas zu glatt oder unauffällig wirkt („Zephyr“), kommt es dem Wiedererkennungswert von NOVEMBERS DOOM durchaus zugute, dass sie gewissermaßen zwischen den Stühlen sitzen. Wer nach bodenständigem, aber auch einfühlsamem Death/Doom sucht, kann hiermit also nicht viel falsch machen.

Bewertung: 7.5 / 10

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