Review Novembre – Words Of Indigo

Im melancholisch-verträumten Metal ist viel passiert: MY DYING BRIDE haben eine Scheidung hinter sich, ANATHEMA spielen derweil (guten) „Dream Rock“ und KATATONIA haben auch schon bessere Tage erlebt. Worauf also stützt man sich, wenn man die richtige Melange aus Träumerei und Trauer sucht? NOVEMBRE könnten die Antwort sein. Deren neues und derweil neuntes Album „Words Of Indigo“ spiegelt nämlich nicht nur auf dem Cover den Titel wider, sondern auch symbolisch den Klang.

„Sun Magenta“ als Opener startet direkt mit einem ätherischen Intro und ist für den Einstieg in das Album ausgesprochen sanft geraten. Die vielschichtige Komposition lässt sich Zeit für Entfaltung und segelt behutsam zwischen Melancholie und Optimismus. Dass es aber auch anders geht, beweist kurz darauf ein Bündel aus zwei Songs. „Neptunian Hearts“ geht nicht nur härter ans Werk, auch in Sachen Schwermut drehen NOVEMBRE dezent an den Stellschrauben. Das ist gekonnt arrangiert, fängt es doch die stimmige Highlight-Nummer „House Of Rain“ bestens auf. Hier liefern sich Sänger Carmelo Orlando und Gastvokalistin Ann-Mari Edvardsen ein würdevolles Duett, getragen von eingängigen Melodien und variablen Rhythmen.

Der vielseitige Charakter der Stücke auf „Words Of Indigo“ wird von einem warmen, leicht verwaschenen Sound untermauert, was die rockige Attitüde eines „Your Holocene“ beispielhaft zugleich erdig und druckvoll transportiert. Sehr positiv fällt auch die großartige Gitarren- und Schlagzeugarbeit auf. Kein Solo, das angestimmt wird, wirkt überladen, kein Taktwechsel willkürlich, und unterdessen hält ein warmer Bass alles zusammen. Sei es auf dem weltvergessenen wie schmissigen „Chiesa Dell’Alba“ oder dem zarten Akustik-Interlude „Intervallo“ – NOVEMBRE sind gänzlich in ihrer Materie.

Von welcher hohen Qualität hier gesprochen wird, beweist nicht zuletzt das fantastische „Ipernotte“, dessen sehnsuchtsvolle Leads auf ein Fundament aus Death Metal gebaut sind und dem Track gleichsam sehr viel Tiefe und Melancholie verleihen. Allgemein ist dies wohl der schwerste, aber ganz ohne Zweifel auch der intensivste Titel auf „Words Of Indigo“. Gitarren-Ästhetiker aufgepasst – NOVEMBRE haben hier einen echten Leckerbissen auf ihrem neuen Album platziert. Ganz nebenbei ist „Ipernotte“ auch noch der härteste Song auf dem aktuellen Rundling der Band.

Fest steht: NOVEMBRE haben mit „Words Of Indigo“ ein kompositorisch vielseitiges, komplexes Werk veröffentlicht, ganz ohne dabei übermäßig verkopft zu agieren. Unmengen an tollen Melodien verbinden sich mit variablem Schlagzeugspiel, tollem Wechselgesang und warmen Bassklängen. Es muss aber auch erwähnt werden, dass die Italiener mit ihrem Neuling einiges an Zeit einfordern. „Words Of Indigo“ erschließt sich nicht auf Anhieb. Es wächst. Aber wenn man gewillt ist, dem Ganzen ein paar mehr Durchläufe zu erlauben, bekommt man dafür eine Veröffentlichung, randvoll mit Emotion, Raffinesse und Energie. Eine Anti-Spotify-Platte im besten Sinne, wenn man so will.

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Wertung: 8 / 10

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