CD-Review: Nucleus Torn - Knell

Besetzung

Maria D`Allessandro - Gesang
Patrick Schaad - Gesang
Fredy Schnyder - Flügel, Gitarren, Kirchenorgel, Bass, Hammered Dulcimer, Blockflöte, Irische Bouzouki, Oud, Perkussion
Christoph Steiner - Schlagzeug und Perkussion
Anouk Hiedl - Querflöte
Rebecca Hagmann - Cello
Christine Schüpbach-Käser - Violine

Tracklist

01. I
02. II
03. III
04. IV


Aufgepasst alle Tellerrand-Stalker, denn NUCLEUS TORN sind zurück, nach dem 2006er „Nihil“ diesmal mit einem Kleinod namens „Knell“. Besonders leicht verdaulich war die Musik ja noch nie, und Bands, die solche Musik machen, weichen irgendwie meist nur ungern von diesem Prinzip ab. So auch hier, denn bei allen Elementen, die „Knell“ in sich vereint, gehört atmosphärisch seichtes Gewässer doch beim besten Willen nicht dazu.

Einsamkeit, Leere, Dunkelheit. Maria D’Alessandro, die das Album gesanglich eröffnet, macht im Wechselspiel mit Fredy Schnyders akustischem Gitarrenspiel ohne Umschweife klar: Zu „Knell“ wird man nie einen draufmachen können. Die Trostlosigkeit, das absolut niederschmetternde Element in der Musik wird von Anfang an absolut glaubhaft vermittelt. Dementsprechend folgt auch nicht nur der erste Track dieser Schiene, nein, das gesamte Album zeigt musikalisch in meist minimalistischer Form alle Facetten von Kälte, Trauer und Depression auf (jeder Interessierte darf gerne im Duden nachschlagen, welche Nomen es für derlei Emotionen sonst noch so gibt.) – und der Hörer wird mitgezogen. Immer wieder bringen überraschend einsetzende verzerrte Passagen Bewegung in die Szenerie, um dann wieder von den dominierenden akustischen Gitarrenthemen abgelöst zu werden, die ob hektisch oder ob quälend langsam gleichermaßen Wirkung zeigen. Doch auch Cello, Violine und Querflöte haben ihre Momente, so manches Thema wird durch sie sehr treffend intensiviert, was den Einsatz dieser klassischen Instrumente mehr als rechtfertigt. Gesanglich verlässt man sich neben Maria D’Alessandro auf Patrick Schaad, der einen nicht zu überhörenden Gegensatz zu seinem weiblichen Gegenstück bildet. So wirken seine Passagen im Vergleich zu ihren oftmals disharmonisch, was jedoch nicht unpassend im Kontext der Musik wirkt, zumal er meist in den verzerrten, heftigeren Passagen zum Zuge kommt und man sich hier ohnehin abmüht, noch ein wirklich einheitliches Tongefüge zu erkennen. Diese stellen im Endeffekt den einzigen echten Kritikpunkt des Albums dar: Im Prinzip sind auch sie in sich stimmig umgesetzt, da aber selten wirklich darauf vorbereitet wird, tut es im Vergleich zu den vorhergehenden ruhigen Passagen, welchen sehr intensiv gelauscht werden muss, oft regelrecht in den Ohren weh, wenn plötzlich die Gitarren zu sägen beginnen und sich die Lautstärke der Soundkulisse gefühlt verzehnfacht. Bis auf diesen kleinen Makel, der im Prinzip tatsächlich nur in jenen Übergängen zu finden ist, lässt sich „Knell“ aber erfreulicherweise völlig ohne Probleme hören, wer konzentriert zuhört darf sich direkt nach den ersten paar Durchgängen über eine offen stehende Klangwelt freuen, die über die komplette Spielzeit Spannung garantiert. Hierbei spielen Metal-Elemente nur die kleinste Rolle, teilweise schimmern eher klassisch anmutende Stellen durch, insgesamt zeigt man sich aber sowieso individuell und schlecht zuzuordnen, mir zumindest fällt es schwer, Vergleiche aufzustellen.

Allgemein lässt sich festhalten, dass NUCLEUS TORN mit wunderschönen Harmonien arbeiten, die speziell im halbstündigen „III“ für Gänsehautmomente sorgen, hier vergisst man dann auch mal die negative Stimmung des Albums, sondern lauscht nur gebannt den sich offenbarenden Klang-Perlen. Doch soll dies beileibe nicht bedeuten, dass bis auf die mir zu krass ausgefallenen verzerrt-akustisch-Kontraste auch nur eine Stelle des Albums qualitativ abfallen würde, man sitzt die knappe Stunde durchweg vollkommen gebannt von der Tiefe der Atmosphäre vor den Boxen, oder, vorteilhafter, zwischen den Kopfhörern.NUCLEUS TORN erschaffen mit „Knell“ ihren ganz eigenen kleinen, fremdartigen Klang-Kosmos, der zwar teils wirklich schwer im Magen liegt, aber meistens absolut fesselt und brilliert. Eine Kaufempfehlung kann ich uneingeschränkt aussprechen, abraten dagegen davon, nur in einzelne Songs kurz reinzuhören – dieses Album funktioniert wie kein anderes nur als Ganzes.

Bewertung: 8 / 10

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