Das Jahr 2026 beginnt für OBSCURITY mit einem Meilenstein ihrer Bandhistorie, der Veröffentlichung ihres zehnten Studioalbums „Ascheregen“. Seit fast 30 Jahren ist die Truppe aus Velpert schon mit ihrer Mischung aus Melodic Death Metal und Black Metal zu Gange. Mit zwölf neuen Tracks bleiben sie auch inhaltlich im gewohnten Terrain der Wikingermythen und wollen damit überzeugen.
Nichts weniger als ein Konzeptalbum über den Kampf zwischen Christentum und nordischem Glauben präsentieren OBSCURITY mit „Ascheregen“. Das düstere Coverartwork von Jan Yrlund rundet die Thematik des Albums gelungen ab. Die unheilvolle Reise durch vergangene Tage führt aber auch in die Gegenwart. Dabei ziehen OBSCURITY punktiert Parallelen zur heutigen Zeit.
Das atmosphärisch und emotional anmutende Intro des Openers „Initium Dekadentiae“ zieht die Hörer direkt in seinen Bann, ehe der Track das Album mit ungeschliffenen Growls und gekonnten Screams eröffnet. Die raue Grundstimmung bestimmt den Ton aller Songs. Dabei schafft es Sänger Agalaz im Verlauf, die Growls immer geschickter einfließen zu lassen. Die stärkeren Black-Metal-Einflüsse von OBSCURITY im Vergleich zu den Vorgängeralben sind merklich zu spüren und bringen eine angenehme Dynamik mit sich. Dies weckt stellenweise Erinnerungen an KANONENFIEBER („Ketzerjagd“), aber auch ein Hauch AMON AMARTH („Läuterung“) ist erkennbar. Dabei kommt die Frage auf, ob OBSCURITY auf den derzeit beliebten Zug des Blackened Death Metal aufspringen wollen.
Das Titelstück „Ascheregen“ ist ein rauer, dreckiger und klassischer Death-Metal-Song, der durch seine drückende Grundstimmung überzeugt. Spätestens ab hier haben OBSCURITY sich auf dem Album gefunden. Im weiteren Verlauf werden die einzelnen Stücke immer harmonischer und das Album nimmt richtig Fahrt auf, was seinem Fluss merklich zugutekommt. Die schnelle Drum- und Gitarrenarbeit peitscht die einzelnen Songs regelrecht nach vorne. Abwechslungsreiche Ruhepole wie Instrumentalpassagen, Chöre und Sprechgesänge halten dabei die Spannung aufrecht. Die gelungene Vereinigung dieser Elemente birgt der wohl eingängigste Track der Platte „Bekehrung“. In der Live-Situation wird der Song vermutlich einwandfrei funktionieren.
Zum Ende des Albums hin geben sanftere Rhythmen und Melodien den Ton an. Dies könnte dem Einfluss des MÅNEGARM-Sängers Erik Grawsiö geschuldet sein, der mit deutschen Texten in „Rúnar Víg“ unterstützt. Den klagenden Schlussakt zwischen Leid und Wut erreicht die Band mit „Dystopie und Schwanengesang“ ein würdiger Abschluss der unheilvollen Reise.
OBSCURITY verbinden auf „Ascheregen“ gekonnt Melodic Death Metal und Black Metal. Textlich zuweilen noch etwas roh und ungeschliffen, ist das Album durchaus stimmig, an der einen oder anderen Stelle aber noch ausbaufähig. Die gesamte Platte ist in sich aber schlüssig und die Songs in ihrer Reihenfolge nachvollziehbar, was bei Konzeptalben besonders wichtig ist. In der Summe ist „Ascheregen“ ein rundes Werk mit vielen lobenswerten Momenten, in das es sich lohnt, hineinzuhören.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Wertung: 7.5 / 10


