CD-Review: October File - Holy Armour From The Jaws Of God

Besetzung

Ben Hollyer – Gesang
Matt Lerwill - Gitarre
Steve Beatty – Bass
John Watt - Schlagzeug

Tracklist

01. A Munitions Crusade
02. In My Magnificent Circus
03. High Octane Climate Changer
04. Another Day
05. Hallowed Be Thy Army
06. Friendly Fire
07. Blood And Sweat
08. A Sun That Never Sets
09. Religion?
10. So Poor


Ein wenig misstrauisch war ich ja, als mir plötzlich diese CD mit dem seltsamen Cover ins Haus flatterte.Ein Schlachtfeld, Patronen, die davonfliegen, zwei riesenhafte Soldaten mit Waffen und, am sonderlichsten,ein blauer, ja, was denn überhaupt, der melancholisch die kleinen Vögel auf seinem Arm betrachtet.Was erwartet mich da? Death Metal? Das Bandfoto auf der Rückseite ließ mich dann eher schlechten Metalcore fürchten.Das kommt dem eigentlichen Sound zwar näher als Death Metal, ist aber glücklicherweise immer noch Lichtjahre von dem entfernt,was die Briten hier abliefern.

Der erste Song, „A Munitions Crusade“, beginnt mit Bassgedröhne und den Worten „The quickiest way of ending a war is to lose it“bevor Matt Lerwills eigenwillige Gitarre und John Watts treibende Drums einsetzen, zu denen sich kurz darauf Ben Hollyers schreiende Stimmegesellt. Besonders die monotonen Riffs und der Gesang erinnern mich dabei zaghaft an die jüngsten Werke von Ministry.Auch der zweite Song „In My Magnificent Circus“ funktioniert wunderbar nach diesem Rezept.Die erste Überraschung wartet dann im dritten Song, „High Octane Climate Danger“, der mit einem Gitarrengequietscheaufwartet, welches mich schon auf dem neuen Dark Tranquillity Meisterwerk begeisterte. Dazu kommt ein Rhythmus, derden Fuß unwillkürlich Luftschlagzeug spielen lässt. Und nach ganzen vier Minuten Laufzeit legen die Jungs nocheinen drauf und schieben einen ruhigen Part mit cleanem Gesang ein, der verdammt gut zu gefallen weiß und die Monotonierichtig schön auflockert. Übrigens fiel mir tatsächlich erst beim Schreiben dieses Textes auf, wie ungewöhnlich lang dieser Songeigentlich mit seinen sechseinhalb Minuten ist und dennoch kurz erscheint. Spricht ganz klar für das Können der Vier.“Another Day“ kommt wiederum sehr ministryesk im schnellen Midtempo daher, Ben singt mehr als zu schreien und das Riff geht sofortin die Knochen und die Bewegungsmuskulatur.

Statt mit einem Brecher zu beginnen und dann abzuflachen, steigert sich dasAlbum mit jedem weiteren Song. Besonders die Gitarrenarbeit, die so gar nicht zu der punkigen Rhythmusfraktion und dem Gekreischezu passen scheint und es doch perfekt tut, trägt dazu bei. In „Hallowed By The Army“ sogar mit deutlich hörbarenund perfekt passendem, sich mit rockigen Powerchords abwechselndem, Wah-Wah-ähnlichem Effekt. Punk ist das so nicht.Und Metalcore schon gar nicht. Aber was dann? Hardcore-Drums, punkiger Gesang und psychedelisch monotone Gitarrenriffs.Die folgenden zwei Songs, „Friendly Fire“ und „Blood And Sweat“, fügen sich wunderbar in das gebotenen Bild ein. Das folgende“A Sun That Never Sets“ punktet wieder mit klarem Gesang und endlich, einem kurzen Gitarrensolo. Besonders dorterkennt man, dass die Band Killing Joke (deren Jaz Coleman sogar Vocals beigesteuert hat), Prong und sogar dieEinstürzenden Neubauten(!) zu ihren Einflüssen zählt. Während der vorletzte Song, „Religion?“, den positiven Eindruckauch zum Albumende hin aufrecht erhält, bildet „So Poor.“, eine Midtempo-Nummer mit hypnotischen Drums, Gitarrenriffsund einem herausragenden Gesang, den grandiosen Abschluss für ein durchgehend tolles Album. Hier lässt dann wohl wiederMinistry grüßen, die ihren neusten Output ähnlich ausklingen ließen. Doch trotz aller erkennbaren Referenzen schaffendie vier Briten es, im Gegensatz zu den meisten anderen Bands, die nur davon reden, einen eigenen Stil zu finden, derirgendwo in der Mitte zwischen Ministry, Killing Joke, Prong, den Neubauten und Punk liegt. Dabei schaffen es auch dieTexte, die von Klimawandel, Krieg, Religion bis Philosophie ein breites Spektrum abdecken, das von der Musik vorgegebeneNiveau zu halten.Einzig die manchmal doch auffallend fehlende Abwechslung stört das gute Gesamtbild. Ein paar mehr ruhige Parts oderTempowechsel hätten der Scheibe den letzten Schliff gegeben.

Da dies das erste Mal ist, dass ich von der Band höre, kann ich keine Vergleiche zu früheren Werken ziehen,sondern nur diesen Eindruck für sich sprechen lassen. Und der ist großartig. Obwohl ich zu Beginn etwas skeptisch war,haben sich die Melodien mit jedem Hördurchgang weiter in die Gehörgänge gefressen und ich denke,dass sich October File durchaus noch steigern und endgültig aus dem Schatten der Vorbilder treten können.

Bewertung: 9 / 10

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