PHENDRANA ist das Projekt des Sängers und Multiinstrumentalisten Anuar Salum. Der klassisch ausgebildete Musiker stellt nach dem Debüt „Sanctum: Sic Transit Gloria Mundi“ von 2018 mit „Cathexis“ nun sein zweites Album vor. Seinen neuen Output hat der Mexikaner mit einem beachtlichen Line-up an Gästen umgesetzt: Unter anderem geben sich Richard Schill (DEAD BY APRIL, THE UNGUIDED), Daniel Droste (AHAB) und Adrián Terrazas-González (T.R.A.M.) auf „Cathexis“ die Ehre.
Ein wunderschönes klassisches Intro leitet das Album ein: „Lamento“ lebt von fragil-tragischen und dennoch erhabenen Streichern und Holzbläsern. Das Stück stellt einen tollen atmosphärischen Einklang dar, der nahtlos in den Titeltrack übergeht: „Cathexis“ nimmt sofort durch stimmige Leadgitarren für sich ein, ehe sanfte Bass- und Akustiklinien an OPETH erinnern. Der zarte Gesang von Ana Bitrán ergänzt den Raum, den die Instrumente hier einnehmen, ohne deren Wirkung auszuhebeln. Gelegentlich durchbrechen eruptive, aber absolut stimmige Progressive-Death-Metal-Einschübe den ruhigen Charakter von „Cathexis“. Gegen Ende des Stückes ist ein Vergleich mit AMORPHIS dann nicht etwa kreativ kraftlos, sondern passend.
„Sentience“ dürfte mit seinen erhellenden, dezent verwaschenen Riffs jedem ALCEST-Fan ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Die tighten Drums und die Kontergesänge von Salum und Ana Bitrán mögen gar ein wenig an HARAKIRI FOR THE SKY zu Zeiten von „Arson“ erinnern, um dann einen rasanten Part anzuschließen, der anmutet, als hätte ihn Åkerfeldt höchstpersönlich geschrieben. Es ist eine angenehme Reminiszenz, da man den sauber gespielten Progressive Death Metal bei OPETH nun schon beinahe anderthalb Dekaden schmerzlich missen muss.
Auf dem anschließenden, überlangen „The Effigy & The Titan“ gibt sich niemand Geringeres als Daniel Droste von AHAB mit einem gesanglichen Feature die Ehre. Der Song selbst widerspricht dem aufwühlenden Wesen seiner Vorgänger jedoch über weite Strecken. Das ist an sich schlüssig, jedoch gerade durch die viel zu ausgedehnten Klavier- und Ambient-Parts sehr schwer zugänglich. Dennoch hat das Stück starke Momente: Gerade die diffus-düsteren Komponenten bis zur Mitte des Tracks erzeugen viel Atmosphäre, was zum erzählerischen Ganzen beiträgt, und auch die aufbrechenden Metal-Parts machen Spaß. Als Closer ist „The Effigy & The Titan“ jedoch schlicht zu lang geraten, als dass der Song über seine gesamte Dauer die Spannung halten könnte.
PHENDRANA ist mit „Cathexis“ ein durchaus beeindruckendes Werk gelungen. Denn obwohl dessen Paten – mitunter fast etwas zu klar – auszumachen sind, werden die Progressive-Death-Metal-Arrangements mit sehr eigenständigen klassischen Einflüssen bereichert. Einzig der Abschlusstrack verliert sich ein wenig in seinem hohen künstlerischen Anspruch. Das ist insofern schade, als dass „The Effigy & The Titan“ gut die Hälfte der Spielzeit ausmacht, was am Ende etwas zulasten der ansonsten schönen Dynamik von „Cathexis“ geht. Dennoch ist das zweite Album von PHENDRANA eine definitive Empfehlung für jeden Fan anspruchsvollen Extreme Metals.
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Wertung: 7.5 / 10


