Enslaved sind eine verlässliche Größe in Sachen guter Musik. Von ihren Anfangstagen im True-Black-Metal-Bereich hin zum Viking-lastigen Prog Black Metal mit modernen elektronischen Elementen haben die Norweger weder ihre eigene Weiterentwicklung noch ein grenzüberschreitendes Komponieren gescheut. Und siehe da, nun ist das Quintett seit 27 Jahren im Business, gern gebuchter Headliner und Inhaber eines Backkatalogs, der keinen einzigen Totalausfall zeigt. Umso spannender ist doch die Frage, wo die musikalischen Wurzeln von Enslaved liegen.
Antwort darauf gibt nun das DIY-Plattenlabel Nuclear War Now! Productions mit einer Compilation namens „Slaughterhouse Tapes“. Darauf befinden sich die Tracks der ersten beiden Demos von PHOBIA, der Pre-Enslaved-Band, sowie einige Rehearsals und bis dato unveröffentlichtes Material – und somit so ziemlich alles, was PHOBIA in ihrem nur einjährigen Bestehen an Songmaterial kreierten. Sänger Grutle Kjellson, damals gerade so volljährig, und der erst 14 Jahre junge Gitarrist Ivar Bjørnson formten die Band gemeinsam mit Drummer Hein Frode Hansen (ehemals Theatre Of Tragedy), Gitarrist Kai André Abrahamsen und Bassist Snorre Eriksen. Ihre Songs geschrieben, geprobt und aufgenommen haben PHOBIA in einem Jugendclub in ihrer Geburtsstadt Haugesund, einem Club namens „Slaktehuset“, ins Englische mit „Slaughterhouse“ übersetzt. Nice to know: 1991 nahmen dort auch Enslaved und Immortal ihre Demos auf. Immortal waren es dann auch, die das Ende von PHOBIA einleiteten: Nach einem Gespräch mit Demonaz und dem aufkommenden Black-Metal-Hype wurde die Band zu Grabe getragen und Enslaved gegründet. „Slaughterhouse Tapes“ hält genau diese kurze Geschichte von Bandgründung bis -ende fest und hinterlässt der Nachwelt die zehn Songs, die PHOBIA geschrieben haben.
Sieht man von der erwartungsgemäß äußerst dürftigen Klangqualität dieser Tracks ab – immerhin handelt es sich um Demoaufnahmen aus den frühen 90er Jahren – erlebt man eine kolossale Überraschung: Dieser Death-/Black-Metal-Hybrid zeigt, dass Grutle und Ivar nicht erst über die Jahre zu guten Songwritern geworden sind, sondern diese Qualitäten bereits in jungen Jahren hatten. Auch wenn die Tracks auf „Slaughterhouse Tapes“ mehr Gerumpel als Schlagzeug und mehr Distortion-Brei als klare Riffs erkennen lassen, brechen dazwischen genügend melodische Leads, homogene Übergänge oder gute Motive durch, die erkennen lassen, dass „Vikingligr Veldi“ (1994) kein Zufall war. Die wenigsten Anhänger der Metalgemeinschaft werden bei PHOBIA aufhorchen, dennoch sollten zumindest Fans von Enslaved und der ersten Welle des norwegischen Black Metals ein Ohr riskieren – wenngleich „Slaughterhouse Tapes“ natürlich eher ein historisches Erbe als eine musikalische Errungenschaft ist.

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