CD-Review: Porcupine Tree - Stupid Dream (Re-Release)

  • Veröffentlichung: 2006
  • Label: Snapper
Besetzung

Steven Wilson – Gesang, Gitarre, Piano, Samples
Richard Barbieri – Synthesizer, Hammondorgel, Mellotron
Colin Edwin – Bass
Chris Maitland – Schlagzeug, Percussion

Gastmusiker:
Theo Travis – Flöte, Saxophon

Tracklist

01. Even Less
02. Piano Lessons
03. Stupid Dream
04. Pure Narcotic
05. Slave Called Shiver
06. Don’t Hate Me
07. This Is No Rehearsal
08. Baby Dream In Cellophane
09. Stranger By The Minute
10. A Smart Kid
11. Tinto Brass
12. Stop Swimming

+ DVD-A:
- Album “Stupid Dream” (5.1)
- Ambulance Chasing (5.1)
- Even Less (Full Length Version 5.1)
- “Piano Lessons” Video
- Photo Gallery


Lange Zeit war es vergriffen: “Stupid Dream”, erschienen im Jahre 1999 – besser bekannt als das Album, welches aus den experimentellen, psychedelischen Soundtüftlern um Steven Wilson erstmalig brilliante Songschreiber machte. Nun ist es in wiederveröffentlichter Form wieder da, mit einer Bonus-Audio-DVD, auf der zunächst einmal das Album in einem fantastischen 5.1-Mix zu hören ist. Darüber hinaus weiß die DVD auch noch mit einer 14-minütigen Version des Album-Openers „Even Less“, sowie dem Bonustrack „Ambulence Chasing“, dem Video zu „Piano Lessons“ und einer Fotogalerie aufzutrumpfen. Hier schon mal der Hinweis an Leute ohne DVD-Audio-Player: Die DVD funktioniert auch auf gewöhnlichen Video-DVD-Playern, allerdings konnte ich „Ambulance Chasing“ und „Even Less“ in der längeren Version nicht anhören.

Aber nun zur Musik: Von den ausufernden Soundeskapaden der Vorgänger ist nicht mehr viel zu vernehmen. Stimmungsvolle, ruhige, meist von Akustikgitarren getragene Popsongs verwöhnen hier das Ohr des Hörers. Die zwar recht unaufregende, aber dafür einzigartige und beruhigende Stimme von Steven Wilson ist stets das verbindende Element, dass die Songs zusammen hält und den Hörer auf eine emotionale Reise mitnimmt. Bereits der Opener „Even Less“ weiß mitzureißen, das zweite Stück „Piano Lessons“ wird nach kurzer Zeit zu einem absoluten Ohrwurm. Die Band präsentiert sich mal fröhlich und farbenfroh, mit beinahe an die Beatles und die Beach Boys erinnernden Vocalarrangements, aber auch gern melancholisch und nachdenklich. PORCUPINE TREE sind sie stets bemüht, sich durch interessante Sphärensounds und gelegentliche, verzehrte E-Gitarren-Klänge und schroffe Riff-Einsprengsel vom britischen Pop-Einerlei abzuheben. Das einfach, aber akzentuiert eingesetzte Schlagzeug von Chris Maitland sowie die markanten Bassläufe von Colin Edwin tragen maßgeblich zur aufkommenden Atmosphäre bei. Die Band hat also gewissermaßen versucht, ihre früheren Soundexperimente mit kurzen und knackigen Songstrukturen zu vereinbaren, was ihnen sowohl auf „Stupid Dream“ als auch auf dem Nachfolger „Lightbulb Sun“ in herausragender Form gelungen ist. Praktisch jeder der zwölf hier versammelten Nummern ist ein Anspieltipp und für sich gelungen, die größte Stärke der Platte ist dennoch ihr runder, zusammenhängender und in sich geschlossener Sound, der sie für mich sogar zur besten der letzten vier Porcupine Tree-Platten (also „Stupid Dream“, „Lightbulb Sun“, „In Absentia“ und „Deadwing“) macht. Zwar sind die Einzelsongs teilweise geringfügig schwächer, sodass sich hier z.B. kein geniales „Blackest Eyes“ oder „Trains“ (von „In Absentia“) findet, dafür verzichtet die Band auf störende, noisige Experimente wie etwa „The Creator Has A Mastertape“ (ebenfalls von „In Absentia“). „Stupid Dream“ ist in sich einfach eine runde Sache, perfekt produziert, perfekt arrangiert und auch mit lauter runden Sachen abgerundet: Das Artwork der Scheibe besteht aus stilvollen, farblich äußerst interessant gestalteten Bildern mit CD-Rohlingen, was auch das Cover schon andeutet. Die Message dahinter bleibt mir zwar verborgen, nett anzuschauen ist es dennoch.

Neben „Piano Lessons“ sind insbesondere das dann doch recht ausladende, in sich selbst ruhende „Don’t Hate Me“ (mit einem fantastischen Theo Travis am Saxophon) und das aufmunterde „Stranger By The Minute“, das irgendwie nach „Sternenhimmel gucken“ klingt, zu nennen. Mit „A Smart Kid“ gibt’s zudem eine herzzerreißend schöne Atmo-Nummer, die neben der stilvollen musikalischen Untermalung mit dem fantastischen Refrain und einem genialen Gitarrensolo vor allem durch den interessanten und tiefsinnigen Text zu überzeugen weiß. Das danach folgende „Tinto Brass“ ist ein recht abgedrehtes, leicht an Pink Floyd erinnerndes, aber eben nicht nervendes Instrumentalstück, in dem vor allem wieder Theo Travis hervorzustechen weiß, bevor das Album mit „Stop Swimming“ Porcupine Tree-typisch zu Ende geht.

Man merkt, es sind doch recht viele Highlights genannt: Beweis für ein herausragendes Album, das alles ist, nur eins nicht: Langweilig. Klar, die oft recht melancholischen Songs sind nicht unbedingt sommertauglich, aber der nächste Herbst kommt bald. Und in den passt die Neuauflage von „Stupid Dream“ ganz hervorragend.

Bewertung: 9 / 10

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