Das Cover von "Beyond The Reach Of Enchantment" von Power Paladin

Review Power Paladin – Beyond The Reach Of Enchantment

Zwar sind POWER PALADIN schon seit knapp einem Jahrzehnt unter ebendiesem Namen aktiv, als Newcomer dürfen die Isländer aber dennoch angesehen werden. Die Band aus Reykjavík debütierte 2022 mit ihrem ersten Album „With The Magic Of Windfyre Steel“, wobei sie das große Glück hatte, bereits für ihr Erstlingswerk von den ziemlich gut aufgestellten Atomic Fire Records protegiert zu werden. Anstatt gleich die nächste Platte nachzuschieben, haben sich POWER PALADIN mit vier Jahren ungewöhnlich viel Zeit gelassen, ehe ihr zweites Album „Beyond The Reach Of Enchantment“ in diesem Frühjahr bereit für die Veröffentlichung war – gut Ding will eben Weile haben.

Hui, da haben POWER PALADIN aber eine ordentliche Schippe drauf gelegt! Die isländischen Power Metaller ließen ihre Liebe zum Heavy Metal der 80er ja schon auf ihrem Debüt durchblicken und treiben sie diesmal bereits im Opener „Sword Vigor“ auf die Spitze. Breitbeinigstes Riffing paart sich mit irrwitzigen Leadgitarreneskapaden, weshalb die Nummer nicht nur dank des fetten Sounds sofort an die Kanadier STRIKER denken lässt. Ab dem folgenden „Glade Lords Of Athel Loren“ gibt es dann eher europäisch geprägten Power Metal, aber auch hier fällt auf: POWER PALADIN haben ihre Hausaufgaben mit Fleiß gemacht. Die Isländer mussten ihre Fähigkeiten auch in der Vergangenheit nicht verstecken, zocken auf „Beyond The Reach Of Enchantment“ aber mit einer derartigen Finesse, dass sie gut 90 Prozent ihrer Genre-Kollegen in den Schatten stellen.

Nun kann gerade die Power-Metal-Spielart, die sich auch POWER PALADIN auf die Fahne geschrieben haben, mitunter eine ziemlich kitschige Angelegenheit sein. Auch die Burschen aus Reykjavík geizen auf ihrem zweiten Album nicht mit erhabenen Melodien und überschwänglichen Refrains. Dass sie dabei trotzdem nicht in die Überzuckerung abrutschen, liegt daran, dass auch die Riff-Wucht auf „Beyond The Reach Of Enchantment“ nicht zu kurz kommt. Bei POWER PALADIN steht man trotz ausgeprägter Liebe zu schönen Melodien ganz offenkundig auf bratende Gitarren, weshalb es in Nummern wie „The Royal Road“, „The Arcane Tower“ oder „Aegis Of Eternity“ schon mal ziemlich heavy werden kann.

Keyboards gibt es auf der Platte zwar auch, allerdings wird der Großteil der Melodiearbeit von den Gitarren erledigt und Synthies finden dezent im Hintergrund statt. Abgerundet wird dieses angenehm druckvolle Klangbild von einer entsprechend fetten, modernen Produktion, die allerdings mitunter ein wenig zu glatt ausfällt – so glatt, das man stellenweise gar das Autotune bei Sänger Atli Guðlaugsson arbeiten hört. Das soll dessen Leistung jedoch keinesfalls schmälern, denn der Mann verfügt vielleicht nicht über die individuellste aller Stimmen, aber doch über enormen Stimmumfang und vollbringt auf „Beyond The Reach Of Enchantment“ eine in jeder Hinsicht beeindruckende Leistung, die vermutlich ohne digitale Aufhübschung noch ein wenig charaktervoller ausgefallen wäre.

Grundsätzlich kochen POWER PALADIN auf „Beyond The Reach Of Enchantment“ nach dem gleichen Rezept wie auf dem Vorgänger, allerdings ist es der Formation gelungen, in jeder Hinsicht einen drauf zu setzen. Die bis zur Perfektion arrangierten Songs balancieren Härte und Überschwang im idealen Gleichgewicht und punkten obendrein mit Leadgitarrenarbeit auf allerhöchstem Niveau. Natürlich ist vieles von dem, was die Isländer anbieten, schon mal in ähnlicher Form dagewesen, aber es wird nur selten in derart hoher Qualität und mit solch überbordender Spielfreude präsentiert. Fans von traditionellem Power Metal erhalten dank POWER PALADIN ein mitreißendes, energiegeladenes Album, das von Anfang bis Ende ein gutes Gefühl macht.

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Wertung: 8.5 / 10

Thomas Meyns

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