Das Cover von "In The Pocket" von Powerlöad

Review Powerlöad – In The Pocket

  • Label: Eigenproduktion
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Heavy Metal

Heavy Metal ist laut, provokant, anstößig und erst dann richtig gut, wenn die künftige Schwiegermutter mit Hausverbot droht. Einst reichten dafür die Artworks von Platten wie WARRANTs „Cherry Pie“ oder WHITESNAKEs „Lovehunter“ mit ihren vermeintlich verruchten grafischen Anspielungen, allerdings wird man heutzutage etwas schwerere Geschütze auffahren müssen, um irgendwen zu schockieren. Das Cover des ersten vollen Albums der Kanadier POWERLÖAD mit seinem verchromten Sexbot in eindeutiger Pose nebst Billardqueue mit ebenso eindeutiger Stoßrichtung (hah …) dürfte dazu allerdings nicht ausreichen. Spoiler-Alarm: Es ist dennoch das Einzige, woran man sich nach dem „Genuss“ von „In The Pocket“ erinnern wird. Wenn überhaupt.

Die Behauptung, die Musik auf „In The Pocket“ würde zum Cover passen, ist zwar korrekt, aber auch ein wenig hart, denn ganz so plump wie das pubertäre Artwork ist der Inhalt dann doch nicht – obwohl, eigentlich schon. Formal spielen POWERLÖAD rotzigen, teils punkigen Hard Rock mit dezenter Metal-Schlagseite, der pro Song mit drei Akkorden und maximal zweieinhalb unterschiedlichen Parts auskommt. Das ist für sich genommen noch kein Ausschlusskriterium, immerhin überzeugen etwa GEHENNAH auf jeder Platte mit der gleichen Rezeptur. Es sei an dieser Stelle jedoch schon vorweggenommen, dass POWERLÖAD dieses Niveau nicht mal im Ansatz erreichen.

Von Niveau kann tatsächlich bei keinem der oftmals nicht einmal dreiminütigen Titel mit simpelster Struktur und noch simpleren Texten über Alkoholmissbrauch und Vielweiberei auch nur im Ansatz die Rede sein. Musikalisch erinnern rockige Nummern wie „Tons Of Tail“, „The Ballad Of Shit Faced Tony“ oder „Drunk In A Taxi Cab“ mit viel Wohlwollen an MOTÖRHEAD, während es in etwas gröberen Titeln wie „Bad Girls“ oder „Defenders Of The Eighth“ ein kleines Stück metallischer wird. Wie gesagt ist das rein in der Theorie durchaus ansprechend und andere Bands können aus dieser simplen Formel auch etwas machen, aber bei POWERLÖAD fühlt sich das derart lustlos hingeschludert an, dass die Nummern bestenfalls als oberflächliche Platzhalter dienen können.

„Platzhalter“ lässt sich auch hervorragend auf die Leadgitarren auf „In The Pocket“ anwenden, denn auch hier entsteht der Eindruck, als sei das Gebotene ohne jegliche Leidenschaft dahingedudelt – Solo? Abgehakt. Auch die Produktion von „In The Pocket“ will nicht so recht überzeugen, zumal diesen unausgeglichenen Sound mit matschigem Bass und dünnen Gitarren vermutlich jeder Hobby-Produzent in seinem Heimstudio besser hinbekommen hätte, ohne schlaflose Nächte verbringen zu müssen. Dass POWERLÖAD dafür sogar mit einem externen Mischer gearbeitet haben, der laut seiner Vita schon an diversen Platten gewerkelt hat, ist geradezu bizarr.

Es gibt Bands, die auf ihrem Erstlingswerk noch nicht so recht überzeugen können, aber doch derart viel Potenzial offenbaren, dass man sich darauf freut, ihren Werdegang anhand weiterer Alben miterleben zu können. Und es gibt POWERLÖAD. Deren Musik mag nach vier bis fünf Bier in einer ranzigen Live-Kneipe durchaus irgendeinen Charme versprühen, allerdings lässt sich diese wie auch immer geartete Anziehungskraft offenbar nicht auf Platte festhalten. Insofern sollten sich die Kanadier nach einem Album wie „In The Pocket“, dessen einziger Pluspunkt die überschaubare Spielzeit von 23 Minuten ist, vielleicht nicht gleich auflösen, der Metal-Gemeinde aber doch einen Nachfolger ersparen. Bitte auf keinen Fall anhören.

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Wertung: 2.5 / 10

Thomas Meyns

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