PREDATORY VOID gehören zu den neueren Bands des belgischen Künstlerkollektivs „Church Of Ra“ und gründeten sich 2022, da AMENRA-Gitarrist Lennart Bossu während der Corona-Pandemie einiges an Musik geschrieben hatte, die nicht so recht zu seiner Hauptband passen wollte. Weitere Mitglieder waren schnell rekrutiert: Sängerin Lina R. (CROSS BRINGER), Gitarrist Thijs De Cloedt (ex-ABORTED, COBRA THE IMPALER), Bassist Tim De Gieter (ex-AMENRA, DOODSESKADER) und Drummer Vincent Verstrepen (CARNATION) vervollständigten die Band, die kurz nach Gründung bei Century Media unterkam. Über das deutsche Label erschien rund ein Jahr später, im April 2023, ihr Debüt „Seven Keys To The Discomfort Of Being“.
De Gieter hat die Band inzwischen verlassen, um sich auf DOODSESKADER zu konzentrieren. Das Bassfundament der EP „Atoned In Metamorphosis“ liegt nun in der Verantwortung von Kris Aumann. Musikalisch kommen PREDATORY VOID deutlich weniger verkopft als die anderen Wirkungsstätten der beteiligten Musiker daher. Auf dem Debütalbum sind neben Einflüssen aus Black und Death Metal Versatzstücke aus Punk und Hardcore, aber auch Post-Metal deutlich hörbar.
Die 2026er EP dagegen klingt spürbar zugänglicher: Das liegt größtenteils an der wesentlich transparenteren und saubereren Produktion, aber auch am weniger harten Gitarrenspiel. Blastbeats und die eine oder andere Schrei- bzw. Growlpassage gibt es immer noch auf die Ohren, aber die bisweilen chaotische Raserei, die „Seven Keys To The Discomfort Of Being“ auszeichnet, scheint – zumindest auf „Atoned In Metamorphosis“ – der Vergangenheit anzugehören. Mit Längen zwischen zwei und vier Minuten sind die vier Songs der EP (Gesamtspielzeit unter 14 Minuten) wesentlich kompakter als die im Schnitt Sechsminüter des früheren Outputs komponiert – und das tut der Sache auch ganz gut.
Beim treibenden, sich stetig steigernden und durch Lina Rs Gesangslinien beinahe drängenden Opener „Make Me Whole“ (Ohrwurm!) stellt man sich nach den ersten Takten zwar unweigerlich die Frage, ob man versehentlich eine Frühneunziger-PJ-HARVEY-Playlist angeklickt hat, aber die ersten Blastbeattakte des nahtlos anknüpfenden „New Moon“ belehren eines Besseren. Gesanglich kann die Frontfrau erfolgreich ein paar Brickets drauflegen und liefert eine durch und durch tolle und vor allem jederzeit emotional glaubwürdige Performance ab – egal ob melodisch singend, wütend keifend oder punkig dahinrotzend (was auch alles in den knapp über vier Minuten und damit längsten Song der EP erfolgreich abgefrühstückt wird).
„Peeling Cycle“ und „Contemplation In Time“ (nochmal Ohrwurm-Alarm, diesmal die Oldschool-Lead-Gitarre!) funktionieren aufgrund ihrer Kompaktheit ebenfalls ohne Einschränkungen – zumindest in Sachen Songwriting und musikalischer Umsetzung. Die bereits erwähnte Produktion ist zwar transparent, bodenständig und schnörkellos, lässt aber (im Gegensatz zum Vorgänger) auch ein wenig emotionale Intensität (um nicht zu sagen: Wut!) und Druck vermissen. Das weniger harte Gitarrenspiel und der Verzicht auf extreme Verzerrungen der Sechssaiter unterstreichen diesen Eindruck.
Obwohl „Atoned In Metamorphosis“ möglicherweise nicht die erhoffte und erwartete stilistische Fortführung des Erstlings darstellt, ist die EP wirklich gelungen. Ein bisschen mehr Dreck und Druck wären sicherlich schön und trotz Veränderungen im Songwriting auch passend gewesen, trotzdem sind die vier enthaltenen Songs kurzweilig und einfach cool. Die neue EP von PREDATORY VOID ist vielleicht die zugänglichste Veröffentlichung aus dem Church-Of-Ra-Kosmos – und man darf sehr gespannt sein, wo die Reise mit dem nächsten Longplayer hingehen wird.
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