Wenn man sich den Roster von Pelagic Records anschaut, sind PREYRS eine Band, die definitiv aus dem Rahmen fällt. Denn bei dem nordirischen Quartett handelt es sich nicht um eine Post-Rock- oder -Metal-Kombo, die das auf diese Genre spezialisierte Berliner Label verpflichtet hat, sondern tatsächlich um eine Alternative-Rock-Band. Wer jetzt aber weichgespülten College-Rock mit Neunziger-Jahre-Patina erwartet, dürfte schnell eines Besseren belehrt werden.
PREYRS sind die neue musikalische Inkarnation von Frontfrau Amy Montgomery, Schlagzeuger und Produzenten Michael Mormecha sowie den Saitenhexern Nolan Donnelly (Gitarre) und Ciarán McGreevy (Bass), die aber auch schon zuvor gemeinsam die Bühnen dieser Welt unsicher gemacht haben – allerdings bisher unter Montgomerys bürgerlichen Namen. Die Musik war auch schon damals im Alternative-Indie-Sektor zu verorten, hatte aber deutlich weniger Rock- oder sogar Metal-Schlagseite als PREYRS.
„The Wounded Healer“ ist das Full-Length-Debüt der Truppe um die talentierte und charismatische Sängerin – und weiß tatsächlich uneingeschränkt zu begeistern. Das liegt zum einen an Montgomery selbst: Die druckvolle Rockröhre der Irin ist extrem charakteristisch, gut ausgebildet und facettenreich. Die sympathische, emotional in jedem Moment glaubwürdige und energetische Art, auf die Montgomery ihre Texte sowohl live als auch im Studio darbietet, tut ihr übriges. Es ist schwer, sich davon nicht beeindrucken zu lassen.
Aber auch auf der instrumentalen Seite lassen PREYRS nichts anbrennen: Gitarre, Bass, Synthesizer und Schlagzeug sorgen für einen musikalischen Unterbau, der in jeder Hinsicht überzeugt. Der erste Track (nach dem kurzen Intro „Humble Eyes“, welches Montgomerys gesangliche Qualitäten schon mal eindrucksvoll andeutet) „Wave Of Wisdom“ ist eine groovige Uptempo-Nummer mit Ohrwurmcharakter, welche ab der ersten Sekunde Spaß macht. Das fette Finale von „Change Change“ sorgt für Gänsehaut, der balladeske Albumcloser „Live Is Kind“ hat sogar spürbare Gospel-Anleihen. Egal ob schnörkellose und kompakte Drei-Minuten-Nummern wie „Crucify“ und „Bring Ur Bruises“ oder verspielte, latent progressive Tracks wie „Into The Blue“ und „Zeros, Ones & Lies“: PREYRS beherrschen das Spiel auf allen Tasten, egal ob weiß oder schwarz.
Die Arrangements sind unkonventionell und spannend, das Gehörte in jedem Moment kurzweilig, nahezu jeder Chorus (allen voran „Into The Blue“ und „Nova“) sitzt und bleibt lange im Ohr hängen. Dass die Band in Sachen Gitarrensound dabei immer wieder spürbar an NINE INCH NAILS (hauptsächlich „With Teeth“ und weitere nach der Jahrtausendwende erschienen Alben wären hier als Einflüsse zu nennen) erinnert, das Ganze aber auch ein bisschen was von QUEENS OF THE STONE AGE hat, ist dabei kein Zeichen von mangelnder Inspiration, sondern eher eine Verbeugung vor besagten Szenegrößen. Zumal Songwriting und eben Montgomerys unfassbar tolle und einzigartige Stimme als Alleinstellungsmerkmale mehr als ausreichend sind.
Vielleicht ist es in Anbetracht des Umstandes, dass die beteiligten Musiker:innen schon ein ganzes Weilchen zusammenspielen, nicht ganz korrekt, bei „The Wounded Healer“ von einem klassischen Debüt zu sprechen. Aber PREYRS ist fraglos das kleine Kunststück gelungen, frischen Wind in die spätestens seit der Jahrtausendwende tendenziell generische Industrial- und Alternativ-Rock-Szene zu bringen und dabei auf alberne Klischees zu verzichten. Wer die genannten Bands, oder auch die legendären KIDNEYTHIEVES mag, möge bitte unbedingt ein Ohr riskieren und sich von der überraschend positiven Attitüde der Truppe aus Belfast mitreißen lassen.
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Wertung: 9 / 10


