Die jüngsten Personalrochaden im Hause PRIMAL FEAR haben einmal mehr zwei Dinge offenbart. Erstens ist auch die noch so lange aktive Metal-Institution nicht vor personellem Zerfall gefeit und zweitens muss auch der nicht das Ende bedeuten. Ähnlich wie ACCEPT haben auch die Stuttgarter die vakanten Posten mit der Ausnahme des irgendwie schon immer im Orbit befindlichen Gitarristen Magnus Karlsson kurzerhand mit neuen Leuten besetzt und machen jetzt weiter, als sei nichts gewesen. Das bedeutet in diesem Fall, dass die Truppe um Basser Mat Sinner und Frontmann Ralf Scheepers den gewohnten Fahrplan ohne Unterbrechung beibehält, weshalb ihr neues Album „Domination“ turnusmäßig zwei Jahre nach der letzten Platte „Code Red“ erscheint.
Inhaltlich fühlt sich „Domination“ ebenfalls so an, als habe es bei PRIMAL FEAR seit dem Vorgänger gar keine Änderung gegeben. Auch „The Hunter“ eröffnet mit brachialem Riffing, das sodann in einen unerwartet anschmiegsamen Schlager-Refrain mündet. Dieses gar nicht mal so spannende Spannungsverhältnis aus zart und hart ist für die Platte generell bezeichnend, denn auch Songs wie „Far Away“, „I Am The Primal Fear“ oder „Tears Of Fire“ entschärfen ihre durchaus druckvollen Riffs mit arg gefälligen Michael-Wendler-Refrains. Prinzipiell ist die Kombination aus Riffwucht und hymnischen Mitsingparts gerade im melodischen Heavy Metal nicht fehl am Platz, PRIMAL FEAR konnten das aber in der Vergangenheit deutlich besser als auf „Domination“.
Anders als sein ähnlich gearteter Vorgänger nimmt dieses Album leider im weiteren Verlauf keine Fahrt auf. Sicher, die Riffs sind gewohnt kantig und dank der herausragenden Produktion von Jacob Hansen verfehlen sie ihre Wirkung zu keiner Zeit. Umso deutlicher ist der Bruch, wenn die banalen Refrains die so geschürten Erwartungen nicht erfüllen können – da ist es auch nicht hilfreich, dass die Truppe mit „Eden“ die gleiche Breitwand-Ballade auf der Platte untergebracht haben, die man seit mindestens zehn Jahren auf jedem Album der Schwaben zu hören bekommt. Dass es auch anders geht, zeigt sich immerhin in starken Nummern wie „Scream“ und „Heroes And Gods“, die Härte und Pathos ideal austarieren.
In der angesprochenen Ballade offenbart sich obendrein das ganze Können von Sänger Ralf Scheepers, der auch nach guten 40 Jahren noch zu den Besten seiner Disziplin gehört. Doch auch er ist auf „Domination“ nicht über jeden Zweifel erhaben: In vielen Songs klingt der Mann so gar nicht nach sich selbst, was einerseits daran liegt, dass seine Stimme in der Produktion mit ungewohnt vielen Effekten versehen wurde. Andererseits wirkt er aber gerade in den Höhen oftmals auch ein bisschen angestrengt und singt nicht selten unerwartet rau, wie sich vor allem in „Scream“ und „The Dead Don’t Die“ zeigt. Nicht zuletzt das Instrumentalstück „Hallucinations“ verdeutlicht hingegen, dass der Wechsel an den Gitarren der Qualität der Musik von PRIMAL FEAR nichts anhaben konnte.
Die Band, die unschlagbare Alben wie „Nuclear Fire“ und „Devil’s Ground“ aufgenommen hat, waren PRIMAL FEAR auch lange vor der letzten personellen Umbildung nicht mehr. Trotzdem ist 2025 etwas anders, wenngleich es schwerfällt, mit dem Finger darauf zu zeigen. Die Truppe setzt sich nach wie vor aus herausragenden Musikern zusammen und ihre Songs leben von gewohnt starken Riffs. Dennoch: „Domination“ wirkt über weite Strecken austauschbar, es fehlen die wirklichen Highlights und kaum etwas bleibt länger im Gehörgang hängen. Damit haben Mat Sinner und seine Truppe noch lange kein schlechtes Album aufgenommen – von einer Band des Kalibers PRIMAL FEAR darf man aber gut und gerne Gehaltvolleres als diese Platte erwarten.
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Wertung: 6 / 10


