CD-Review: Primordial - Redemption At The Puritan's Hand

Besetzung

Alan "Nemtheanga" Averill - Gesang
Ciáran MacUiliam - Gitarre
Michael O'Floinn - Gitarre
Pól MacAmlaigh - Bass
Simon O'Laoghaire - Schlagzeug

Tracklist

01. No Grave Deep Enough
02. Lain With The Wolf
03. Bloodied Yet Unbowed
04. God's Old Snake
05. The Mouth Of Judas
06. The Black Hundred
07. The Puritan´s Hand
08. Death Of The Gods


Im Herbst des vergangenen Jahre musste man sich als PRIMORDIAL-Fan kurzzeitig ernsthafte Sorgen machen, dass sich bei den Iren merklich was ändern könnte. Simon O’Laoghaire wurde für die Band wegen seiner Alkoholsucht untragbar – nicht lange später entschied man sich dann aber doch für die Stammkraft hinter den Kesseln. Gerade noch rechtzeitig, denn so kam O’Laoghaire in den Genuss, die neue Langrille „Redemption At The Puritan’s Hand“ einzuspielen.

Die Iren haben sich durch ihre Authentizität und ihren unvergleichbaren Sound – den es so schlicht und ergreifend kein zweites Mal gibt – in den letzten 10 Jahren zu einer der beständigsten und qualitativ hochwertigsten Größen der internationalen Metal-Szene gemausert. Vier Jahre nach dem letzten Release, „To The Nameless Dead“, war die Zeit für den mittlerweile siebten Langspieler dann auch gekommen.

Der beginnt mit den unverwechselbar treibenden Breitband-Drums von „No Grave Deep Enough“ – Akustikgitarre und eine pathetische bis epische Atmosphäre inklusive. Das alles schaukelt sich immer weiter hoch, bis endlich die Blasts einsetzen und die Lead-Gitarre die Richtung angibt. Frontmann Alan „Nemtheanga“ Averill wuchtet den Hörer mit seinem gigantischen Organ fast vom Hocker. Was rein gesangstechnisch zwar nach wie vor nicht ganz perfekt ist, wird zehnfach durch Hingabe und Intensität wettgemacht.

Das Growling, bei dem die Grenze zum fiesen Gekeife zunehmend verschwimmt, hat sich Alan die letzten Alben über mehr und mehr angeeignet – das er im vergangenen Jahr mit der Extreme Metal-Formation Blood Revolt aktiv war, tut nun bei „Redemption At The Puritan’s Hand“ sicherlich sein Restliches dazu. Wie gewohnt bietet jeder Song leicht variierte Intros, mal mit fast cleanen, dann akustischen Gitarren. Immer dabei: Die treibenden Drums, die wieder perfekt produziert wurden. Was sich bei „Lain With The Wolf“ und „Bloodied Yet Unbowed“ erstmals so offenkundig zeigt, ist die Fokussierung auf die im Hintergrund platzierten Hooklines. Mehr unterbewusst als plakativ setzen die sich in den Hörgängen fest, nie langweilig oder sich selbst wiederholend, dafür mit einem Maximum an Variation.

„Gods Old Snake“ bietet wider Erwarten verzerrte Gitarren zum Einstieg und gehört auch ansonsten zur Familie der härteren Tracks auf der neuen Scheibe. Geschuldet wird das zum einen dem bitterbösen Gesang von Mikrofonbefeuchter Alan, zum anderen aber auch der dunklen Instrumentalisierung und dem intelligent – weil nicht so prominent – in Szene gesetzten Delay-Effekt. Nach diesen verdammt dicht gestrickten Nummern kommen mit dem dezent melancholischen „The Mouth Of Judas“ und dem Titeltrack „The Puritan’s Hand“ zwei vergleichsweise ruhigere Nummern. Akustische Gitarren werden hier mit verzerrten gemischt, spielen sich mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit die Bälle zu, verpackt aber in ein schweres und äußerst pathetisches Soundgewand. Wie „Death Of The Gods“ – mit seinen über neun Minuten übrigens längster Track der mehr als einstündigen Scheibe – abschließend noch einmal unterstreicht, werden alte, meist politische und gesellschaftliche, Themen aus der griechischen oder römischen Geschichte oft in einen aktuelleren Kontext gerückt. Hier spricht Alan beispielsweise von der letzten Finanzkrise und deren Auswirkungen auf Irland, bzw. der Tatsache, dass die Regierungen der letzten 90 Jahre alles an die Wand fuhren, was nur möglich war. Die Lyrics sind reflektiert, stammen aus der Feder eines hoch intelligenten Mannes, der stets vermeidet, plakative Reden zu schwingen und stattdessen auf die Kraft der Musik baut, um den Texten Nachdruck zu verleihen. Aus diesem Grund kommt man auch nur allzu leicht ins Grübeln, was es mit den verschwindenden und verschwimmenden europäischen Kulturen, der Eiszeit der Gefühle und dergleichen auf sich hat. Der Rausschmeißer „Death Of The Gods“ verweist dabei nicht zuletzt auch auf die Ausrichtung von „The Coffin Ships“, das sich auf dem 2005er „The Gathering Wilderness“ findet.

PRIMORDIAL ist mit „Redemption At The Puritan’s Hand“ der nächste Geniestreich gelungen. Zwar muss ganz klar gesagt werden, dass sich keine alleinstehenden Kracher wie „Empire Falls“ auf dem siebten Streich der Iren befinden. Dafür ist es dem Haufen um Alan Averill erneut gelungen, ein Gesamtwerk zu schaffen, das bis in die letzte Note in sich schlüssig ist. Von epischen Ausmaßen war im Zusammenhang mit PRIMORDIAL schon oft die Rede – jetzt zeigen sie mit „Redemption At The Puritan’s Hand“ endgültig, was darunter zu verstehen ist.

Bewertung: 8.5 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: