Review Prison Of Mirrors – De Sepulchris Occultis Et Igne Profanationis

  • Label: ATMF
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Black Metal

Nicht immer haben Redakteure einen leichten Job. Es gibt absolute Erweckungs-, aber eben auch harte Erschreckungsmomente. Die Demut des Schreibers gegenüber der dargebotenen Kunst steht dabei oft plusterigen Porträts von Kapellen gegenüber, bei denen der Promotext die Einfalt kaschiert. Ein Musterbeispiel hierfür sind PRISON OF MIRRORS aus Italien. Denn beim besten Willen: Was Lord Svart (Gesang, Gitarre), Nocturnal Silence (Bass) und Bestial (Drums) hier vorlegen, ist nur unter großer Anstrengung genießbar.

Das eröffnende „Chants Beneath The Shunned Shrines“ möchte Chaos vermitteln, was auch gelingt. Aber nicht auf die gute, sondern eher auf die „Das-ist-dumm-aber-ich-mach’s-trotzdem-Art“. Das Riffing beispielsweise erschließt sich kaum. Melodielinien lassen sich in diesem Klangmatsch zwar erahnen, schaffen es aber kaum, wirkliche Atmosphäre zu erzeugen. Zwar bringen kurze entschleunigte Momente zumindest etwas Struktur in den Song, das Nervenzucken an der Augenbraue wird dadurch aber auch nicht besser. Der Gesang von Lord Svart ist dabei noch das „songdienlichste“ Element. Dünn, verhallt, hintergründig. Das macht zumindest nichts schlimmer.

Was man PRISON OF MIRRORS und „De Sepulchris Occultis Et Igne Profanationis“ allerdings zugutehalten muss, ist die Konsequenz, mit der sie ihren kaputtgelatschten Stiefel durchziehen. Denn „The Devouring Fire Of Demonic Doctrine“ steht seinem Vorgänger in absolut nichts nach. Zumindest in Sachen Songlänge aber zeigt man sich einsichtig: Aus siebzehn Minuten beim ersten werden jetzt zwölf beim zweiten und (letzten Track) fällig. Hätten ja auch zwanzig sein können. Kompositorisch bleibt man bei dem, was schon vorher nur asthmatisch über die Ziellinie kam: sinnfrei lärmend, wirr und manisch dissonant. Auch hier bringt es nichts, dass sich PRISON OF MIRRORS gelegentlich um dynamische Spitzen bemühen. Fast kann man den Eindruck gewinnen, eine Jam-Session wäre hier nicht der Anfang aller Dinge, sondern die Studio-Grundlage gewesen. Vielleicht sind die Italiener für manchen das Maximum an „Trveness“. Für den Schreiber sind sie der schlimmste Fall von musikalischem ADHS seit langem.

PRISON OF MIRRORS haben sich mit ihren zwei neuen Songs keinen Gefallen getan. Zwar ist es Standard, dass atmosphärischer Black Metal zuweilen chaotisch und unsauber anmuten darf, dann jedoch immer mit Songs und Alben, deren Kern sich durch große Klanggebilde und Emotionen auszeichnet. „De Sepulchris Occultis Et Igne Profanationis“ hat kaum etwas von diesen Trademarks anzubieten. Die-hard-Genre-Fans werden diesem Album vielleicht etwas abgewinnen können. Wenn es aber um kompositorischen Anspruch geht, sind PRISON OF MIRRORS verschwendete Zeit.

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Wertung: 3 / 10

Philipp Sorger

Publiziert am von

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