Auch wenn PRO-PAIN sich niemals offiziell aufgelöst haben, liegt die Veröffentlichung des letzten Albums „Voice Of Rebellion“ rund elf Jahre zurück. Mit „Stone Cold Anger“ haben die Jungs um Frontmann und Bassist Gary Meskill (dem einzig verbliebenen Mitglied der Originalbesetzung) einen neuen Longplayer am Start – und jegliche Skepsis ist nachvollziehbar, denn PRO-PAIN wäre nicht die erste Band, die nach einer längeren Pause nicht mehr zu alter Form zurückfindet.
Nach dem ersten Durchlauf kann man allerdings attestieren: „Stone Cold Anger“ ist mehr als nur ein durchschnittliches Comeback-Album. Klar, an die ungezügelte Wut und Spielfreude des 1992er Debüts „The Foul Taste Of Freedom“ oder den Nachfolger „The Truth Hurts“ kommt man nicht mehr heran und der eine oder andere Song wäre vor 20 Jahren vielleicht noch ein paar beats per minute schneller gewesen. Aber egal, PRO-PAIN spielen ihren durchaus metallastigen New-York-Hardcore mehr als nur souverän runter – bieten aber auch neue Akzente.
Die authentische Wut, die „Stone Cold Anger“ durchzieht, ist sicherlich durch die aktuelle Situation in den Vereinigten Staaten erklärbar. Die Spielfreude, mit der Meskill und seine Mannen zu Werke gehen, möglicherweise auf die Rückkehr von Gitarrist Eric Klinger zurückzuführen, der bereits zwischen 1999 und 2007 für die New Yorker klampfte. Wie auch immer, außer Frage steht auf jeden Fall, dass Meskill und Klinger als Songwriter richtig gut zusammen funktionieren – und richtig interessant wird das in den Momenten, in denen PRO-PAIN von ihrem erprobten Aufs-Maul-Songriting abweichen.
Letztgenannter Aspekt zeigt sich deutlich in Songs wie dem für PRO-PAIN-Verhältnissen ungewöhnlichen „Uncle Sam Wants You“ (welches durchaus an die punkigen BIOHAZARD-Nummern mit Evan am Mic erinnert), dem Midtempo-Brecher „March Of The Giantes“ oder dem Closer „Sky’s The Limit“, in dem sich Meskill ungewohnt melodisch gibt. Diese Highlights sorgen für Abwechslung und machen „Stone Cold Anger“ nicht nur zu einem würdigen Comback, sondern sogar zu einem richtig guten Album innerhalb der Gesamtdiskografie der Band.
Aber auch die bewährten Elemente und Stilmittel funktionieren nach wie vor uneingeschränkt, seien es die coolen MACHINE-HEAD-Daumenflagolets im Riff von „Demonic Intervention“ oder das Oldschool-Gitarrenduell im Titeltrack – alles sehr unterhaltsam, weil eben wohldosiert. Lediglich die (zum Beispiel im Vergleich mit dem neuen TERROR-Album) etwas flache und wenig druckvolle Produktion könnte zeitgemäßer sein.
Klar, bei aller (subtiler) Evolution machen PRO-PAIN nach wie vor das, was sie immer gemacht haben: Schnörkellosen Hardcore mit deutlicher Metal-Schlagseite. Da das Genre nicht gerade für seine Innovationsfreude bekannt ist, wäre jede andere Erwartungshaltung auch irgendwie naiv. Unterm Strich bekommen geneigte Zuhörer genau das auf die Ohren, was sie erwarten – plus ein paar Sahnehäubchen in Form einer Handvoll Songs, mit denen man so nicht unbedingt gerechnet hat. Insofern: Gerne mehr davon.
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Wertung: 7 / 10


