Das Cover von "Digital Noise Alliance" von Queensryche

Review Queensrÿche – Digital Noise Alliance

Die Progressive-Metal-Veteranen QUEENSRŸCHE haben sich als erstaunlich robust erwiesen: Nach einer extrem schwachen Phase in den Nullerjahren verkraftete die Band zunächst die unschöne Trennung von Frontmann und Gründungsmitglied Geoff Tate und später auch von Ur-Mitglied Scott Rockenfield (Schlagzeug). Ersterer wurde zügig durch Todd La Torre ersetzt und der half zeitweise – zumindest im Studio – sogar am Schlagzeug aus, bis mit Casey Grillo (u. a. Ex-Kamelot) endlich ein neuer Trommler gefunden werden konnte. Mit „Digital Noise Alliance“ erscheint nun das vierte QUEENSRŸCHE-Album mit Mr. La Torre und obendrein das erste mit dem neuen Mann am Drumkit.

Seit sie sich von Geoff Tate getrennt haben, scheinen QUEENSRŸCHE wieder etwas mehr zum Sound ihrer Anfangstage zurückgefunden haben, denn die Musik der Truppe fiel seither weitaus gradliniger und weniger verkopft aus. Auf „Digital Noise Alliance“ ist das deutlicher spürbar denn je: Schon der überraschend straighte Einstieg „In Extremis“ wartet neben Riffs der alten Schule mit fast schon poppiger Eingängigkeit auf und auch das nachfolgende „Chapters“ erschließt sich sofort. Ansatzweise progressiv wird es auf dieser Platte höchstens in längeren Nummern wie „Behnid The Walls“ oder „Tormentum“.

Diese verminderte Komplexität ist aber keinesfalls negativ zu bewerten. Schrieben QUEENSRŸCHE gegen Ende der Tate-Ära nicht selten nur vermeintlich tiefgründige Stücke, scheint bei der Truppe seit dem Wechsel am Mikrofon wieder die Rockmusik im Vordergrund zu stehen. Und die Band wuchert auf „Digital Noise Alliance“ kräftig mit ihren Pfunden: Das Album ist voll von den filigranen, singenden Melodien, für die die Formation von der Ostküste einst bekannt wurde und enthält ein paar der besten Riffs, die QUEENSRŸCHE seit gut einem Jahrzehnt geschrieben haben – bestens nachzuhören etwa in „Sicdeth“ oder „Realms“.

Auch zehn Jahre nach seiner Verpflichtung ist Todd La Torre noch das deutlichste Anzeichen dafür, wie gut die „neuen“ QUEENSRŸCHE funktionieren. Sicherlich hat der Mann eine eigene stimmliche Identität, es ist aber auch nicht von der Hand zu weisen, dass er angestellt wurde, weil er eben wie der junge Geoff Tate klingen kann. Auf „Digital Noise Alliance“ wird das selten deutlicher als in „Lost In Sorrow“ und „Nocturnal Light“ – zwei Nummern, die ganz und gar den Geist des klassischen Materials dieser Band atmen und auch auf „Operation: Mindcrime“ hätten stehen können.

Mit „Digital Noise Alliance“ setzen QUEENSRŸCHE den steten Aufwärtstrend, der seit ihrem selbst betitelten Quasi-Comeback deutlich spürbar ist, ungebremst fort. Die gesteigerte Eingängigkeit sorgt dafür, dass sich die Platte zügiger erschließt, dank starkem Songwriting und einer energetischen Performance nutzen sich die Songs deshalb aber nicht schneller ab. Der Sängerwechsel liegt nun schon ein Jahrzehnt zurück und doch ist die Leistung von Mr. La Torre das deutlichste Anzeichen dafür, dass QUEENSRŸCHE zu alter Stärke zurückgefunden haben. „Digital Noise Alliance“ ist die beste Platte, die die Formation seit dem Neustart zustande gebracht hat.

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Wertung: 9 / 10

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