Albumcover Rising Insane "Afterglow"

Review Rising Insane – Afterglow

Seit bald zehn Jahren bewegen sich die Bremer RISING INSANE in den Gefilden der deutschen Metalcore-Szene. Dabei gelang ihnen seit ihrem Debüt „Nation“ im Jahr 2017 ein langsamer, aber stetiger Aufstieg. Obwohl die für 2020 geplante Deutschland-Tour zu ihrer zweiten Platte „Porcelain“ (2019) aufgrund der Corona-Pandemie nicht zustande kam, gelang es der Band sogar ohne Live-Auftritte ihre Fanbase zu vergrößern und sich zu den begehrtesten Newcomern der nationalen Szene zu mausern.

Eifrig blieben die Jungs um Frontmann Aaron Steineker auch in den letzten beiden Jahren und legen nun mit „Afterglow“ ihren bereits dritten Longplayer vor. Musikalisch bewegen sich RISING INSANE nach wie vor im modernen Metalcore. Geschriene Vocals treffen stets auf Klargesang, die Saitenfront bewegt sich zwischen Djent-Riffs, flinken Melodien und Breakdowns. Das Grundrezept ist altbekannt und kann, wenn gut gemacht, auch nach vielen Jahren des Hörens noch großen Spaß machen.

Glücklicherweise haben RISING INSANE genau dieses Handwerk drauf: Sie schreiben schnörkellose Songs mit einprägenden Singalongs und finden dabei stets eine ausgewogene Balance aus Härte und Melodie. Besonders gut gelingt es der Truppe, ihre klargesungenen Refrains in Szene zu setzen: Steinekers kraftvoller Stimme hört man nicht nur sehr gerne zu, es gelingt ihm auch, sein Organ vielseitig einzusetzen und famose Melodien abzuliefern. Diese gehen nicht nur gut ins Ohr, sondern bleiben auch dort. Besonders herausragend gelingt dieses Kunststück auf dem Opener und Titeltrack „Afterglow“ oder dem großen Highlight „War“.

Durch die grundsolide instrumentale Arbeit formt die Band einen homogenen Sound, der selten aus den Grenzen des Genres ausbricht, aber auch keine Durchhänger zulässt. So fehlen zwar große Melodien, wie sie den australischen Kollegen von Polaris oder Thornhill gelingen, doch fällt dies aufgrund des kurzweiligen Songwritings nicht zwingend ins Gewicht.

Ein weiterer Spaßfaktor von „Afterglow“ sind zudem die clever gesetzten Breakdowns. Diese dienen nicht nur dem Selbstzweck, sondern sind nachvollziehbar in den Fluss der Tracks eingearbeitet und greifen meist die Dynamik der vorstehenden Riffs auf. Besonders gut ist dies auf dem groovigen „Oxygen“ oder auf der Single „Bend And Break“ zu erkennen. Gerade auf letzterem vereinen RISING INSANE nochmals alle ihre Stärken, glänzen mit einem emotionsgeladenen Refrain sowie markigen Riffs und den angesprochenen Breakdowns.

Auch lyrisch muss man den Nordlichtern Respekt zollen. Während viele deutsche Metalcore-Bands an gehaltvollen englischen Texten scheitern, widmen sich RISING INSANE sehr persönlichen Themen. Dabei verarbeitet Steineker den Verlust seiner Schwester und die damit einhergehenden psychischen Belastungen – in seinem Fall explizit eine Posttraumatische Belastungsstörung. Ohne Scheu schreit und singt er über seine Erfahrungen mit mentalen Erkrankungen, ohne sich dabei in Plattitüden oder Floskeln zu verrennen.

So ist „Afterglow“ insgesamt ein kurzweiliges, musikalisch spaßiges und lyrisch ernstes Metalcore-Album, mit dem sich RISING INSANE in der deutschen (und vielleicht sogar in der europäischen) Szene endgültig etablieren dürften. Klar, die Parallelen zu Szenevorreitern wie den angesprochenen Polaris (man vergleiche nur mal RISING INSANEs „Breakout“ mit Polaris‘ „Hypermania“) oder dem einstigen deutschen Aushängeschild Alazka sind omnipräsent. Doch genauso klar ist auch, dass gute Musik nicht zwingend abhängig von Innovation ist. Und letztlich präsentieren uns die Bremer genau das: wirklich gute Musik.

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Wertung: 7 / 10

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