CD-Review: Sankt Otten - Engtanz Depression

  • Veröffentlichung: 2015
  • Label: Denovali
  • Spielart: Ambient
Besetzung

Oliver Klemm – Gitarre, Keyboard
Stephan Otten – Schlagzeug, Keyboard, Programmierung

Tracklist

01. Urlaub unter Psalmen
02. Beten, tanzen, küssen
03. Wo immer es regnet
04. Im Lichtorgelparadies
05. Der Himmel ist voll
06. Karfreitagskarpfen und Dolce Vita
07. Sing die Apokalypse
08. Die tragische Nummer
09. Ich bau dir ein Museum


Vor gut vier Jahren wusste das Synthesizer-Duo SANKT OTTEN mit ihrem Album „Gottes Synthesizer“ derart allumfassend zu begeistern, dass sich unser Review liest, als hätte es der PR-Agent der Band selbst geschrieben. Nach dem Abschluss der Trilogie mit „Sequenzer Liebe“ (2012) und „Messias Maschine“ (2013) legt das Duo aus Offenbach mit „Engtanz Depression“ nun bereits ihr achtes Studioalbum vor. Die zu knackende Bestmarke liegt hoch …

Doch nicht unerreichbar: Das rundum gelungene Artwork stimmt den Hörer bereits perfekt auf das Werk ein, welches sich von der ersten Minute an anschickt, einen würdiger Nachfolger für das Triptykon abzugeben: Bereits der Opener mit dem gelungenen Titel „Urlaub unter Psalmen“ ist ein abwechslungsreiches, tiefgründiges Stück, das langsam, aber bestimmt fortschreitet und Lust auf mehr macht. Was folgt, ist eine Reise durch SANKT-OTTEN-typische Klanglandschaften, aber auch durch neues Terrain, instrumentiert durch Harmonium und Piano. Schon Songtitel wie „Karfreitagskarpfen und Dolce Vita“, der ebensogut von den humorvollen Doom-Jazzern Bohren & Der Club Of Gore stammen könnten, geben den Hinweis darauf, dass „Engtanz Depression“ alles andere als betrüblich klingt. Vielmehr erwarten den Hörer hübsche Tonfolgen und aufgeweckte Synthesizer-Klänge. Richtiggehend düster wird es lediglich in „Die tragische Nummer“ – hier ist der Name definitiv Programm – während „Sing die Apokalypse“ eigentlich alles andere als apokalyptisch klingt. Aber gut, wie alle SANKT-OTTEN-Songs ist ja auch dieses Stück instrumental gehalten. Kein Sänger, keine Apokalypse, quasi. Und dennoch: So ganz vermag „Engtanz Depression“ es nicht mit dem Über-Album „Gottes Synthesizer“ aufzunehmen, das insgesamt durch eine dichtere, vor allem aber kohärentere Atmosphäre zu überzeugen wusste. Hier mag der Fakt hineinspielen, dass „Engtanz Depression“ zu Teilen als Improvisation entstanden ist: Spontaneität statt Perfektionismus ist hier die Devise.

Insgesamt bleiben SANKT OTTEN sich dennoch treu: Wie gewohnt kauft man mit „Engtanz Depression“ eine gelungene Mischung aus Krautrock, Ambient und 80’s-Elektro, der ebenso modern wie zeitlos klingt. Wer die Band bislang nicht kennt, sollte dennoch zunächst lieber zum leichter zugänglichen „Gottes Synthesizer“ greifen.

Bewertung: 8 / 10

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