CD-Review: Scream Silence - Heartburnt

Besetzung

Hardy Fieting – Gesang, Keyboard
Robert Klausch – Gitarre
Rene Gödde – Gitarre
Hagen Schneevoigt – Bass
Nestor deValley – Schlagzeug

Tracklist

01. Born With Blood On My Hands
02. Art Remains
03. The Seventh Sorrow
04. We Can Do No Wrong
05. Heartburnt
06. The Weeping
07. Conversation 16
08. Etwas Starb In Mir
09. Echoes
10. The End Of The Lie


Irgendwie sind die Erinnerungen an SCREAM SILENCE etwas ambivalent. Von der Presse wurden die deutschen Gothic-Rocker regelmäßig abgefeiert, der große Durchbruch gelang hingegen nie so recht. Entsprechend gemischt sind die Gefühle, als das mittlerweile neunte Album, „Heartburnt“, den Weg in den Player findet.

Eingangs kann man gleich festhalten, dass derartige Befürchtungen unbegründet sind. SCREAM SILENCE liefern ein starkes Stück Dark Rock ab, welches sich hinter Werken von Genrekollegen kein bisschen verstecken muss. Eher ist das Gegenteil der Fall, „Heartburnt“ könnte sich als Inspirationsquelle für diverse Kapellen ähnlichen Einschlags erweisen.
Im Prinzip überzeugt die Scheibe von vorne bis hinten. Gleich der Opener zeigt, wo es lang geht: viel düstere Atmosphäre, eingängige bis sehr eingängige Refrains, eine warme Produktion und überraschend progressive Strukturen. So gehen die zehn Songs insgesamt über 50 Minuten, nicht selten nimmt man die Sechsminutenmarke spielend leicht. Das ist auch gut so, denn Lieder wie „The Seventh Sorrow“ oder das zum Weinen schöne „Etwas starb in mir“ benötigen einfach den Raum, den ihnen das Quintett zubilligt.
Besonders gelungen sind dabei die melodiösen Soloeinlagen der Gitarren, die gekonnt und mit etwas Pathos das solide Fundament unterstützen, welches aus einfachen, aber wirkungsvollen Arrangements besteht und Sänger Hardy Fieting die entsprechende Bühne bietet. Diese nutzt er freilich aus und zeigt sich auf „Heartburnt“ einmal mehr als Aushängeschild von SCREAM SILENCE. Mal tief und klar, mal traurig, mal nahe am Falsettbereich intoniert er schlafwandlerisch sicher in den diversen Tonlagen. Die große Kunst dabei ist, nicht einen Moment aufgesetzt zu wirken, nicht einmal beim nahe am Klischee schiffenden Text von „Etwas starb in mir“, welches nur deswegen richtig gut ist, weil die Band den Spagat zwischen Herzblut und ehrlicher Tonkunst schafft. Apropos Texte: Man hat diese auf „Heartburnt“ erstmals komplett in fremde Hände gegeben, der britische Comedian und Poet Anthony J. Brown war dafür zur Stelle, Sänger Hardy übersetzte lediglich den Text zu „Etwas starb in mir“, weil „er nur im Deutschen seine wahre Bedeutung entfalten kann.“
Was könnte man SCREAM SILENCE zum Vorwurf machen? Wenig, vielleicht den Umstand, dass man sich zumindest im Geschwindigkeitsbereich zu sehr auf das untere Midtempo verlässt. Selten löst man mal die Bremse und geht mal ein bisschen nach vorne. Wie gut das klingen kann, zeigt der Titeltrack, bei dem der Zwischenteil ordentlich Fahrt aufnimmt, aber trotzdem wieder spielend leicht in die Spur findet. Möglicherweise hätten „Heartburnt“ ein paar mehr dieser Elemente gut getan.

Aber auch so haben SCREAM SILENCE eine wirklich starke Platte tieftrauriger Musik kreiert, an der sich ähnliche Veröffentlichungen des Jahres erst einmal messen müssen. Wer nur im Entferntesten etwas mit Dark oder Gothic Rock zu tun hat, kommt um „Heartburnt“ eigentlich nicht herum und auch alle anderen dürfen gerne ein Ohr riskieren. Spätestens im Herbst wird die Platte ihr ganzen Potential offenbaren.

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Bewertung: 8.5 / 10

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