Es gibt sie in sanfter Regelmäßigkeit: Releases, die kein großes Mysterium darum machen, was sie sein wollen. Im Falle der finnischen Band SE, JOSTA EI PUHUTA, was übersetzt etwa so viel bedeutet wie „Jenes, von dem niemand spricht“, muss auch gar nicht weiter besprochen werden, dass die Band mit Blackened Death Metal der konventionellsten Sorte aufwartet. Was die Formation auf ihren drei bisherigen Alben definiert hat, führen sie nun mit „Syvyyden Portit On Saatava Auki“ (etwa „Die Tore des Abgrunds müssen geöffnet werden“) fort.
Ohne langen Anlauf beginnt der Ritt mit dem unheilvollen Intro „Tulkoon Valkeus“, bevor die Band auf „Myrsky“ klassische Töne anschlägt. Das Schlagzeug treibt im Midtempo-Bereich voran, und die Gitarren liefern die für den Blackened Death Metal typischen Harmonien. Was hier schon auffällt: JOSTA EI PUHUTA halten ihre Kompositionen abwechslungsreich und melodisch, auch wenn dieses Track-Doppel insgesamt einen eher generischen Anfang darstellt.
Sehr schön hingegen ist, wie „eingedampft“ und dabei kompositorisch zielsicher JOSTA EI PUHUTA agieren. „Varis“ stellt beispielsweise die Melodik in den Vordergrund, ohne die raue Härte vermissen zu lassen. Die düsteren Harmonien von Heikki Matero und Harri Granqvist sind dabei häufig das, was die schwarzmetallische Note einbringt. Feine Soli wie auf „Kuolemaa Ei Ole“ fügen sich ebenso nahtlos ein wie Samu Männikkös Gesang, der zwischen fiesem Keifen und normgerechten Growls wechselt. Auffällig ist auch, dass SE, JOSTA EI PUHUTA ab der Hälfte von „Syvyyden Portit On Saatava Auki“ voll bei sich angekommen sind. Vorbei ist die Defensive der vorangegangenen Stücke, wenn nach der hohen Melodiösität von „Kuolemaa Ei Ole“ souverän vorangepeitscht wird, ohne dabei zu lange bei einzelnen Arrangements zu verweilen.
Gerade die sehr präsente Leadgitarre ist maßgebend dafür, dass bei den Finnen keine Monotonie aufkommt. So ist es eben nicht nur der Fokus auf Düsternis und Brutalität, sondern auch der über weite Strecken schmissige Charakter der Stücke. Der leichtfüßig groovige Einstieg des Titelstücks entfaltet schnell seine ganze Wucht zwischen Hochgeschwindigkeit und immer wieder gedrosselten Momenten. Spätestens hier merkt man, mit wie viel Leidenschaft und Verständnis für die Sache SE, JOSTA EI PUHUTA agieren.
Ein wenig schade ist es aber schon, dass die Band erst im letzten Drittel ihres neuen Albums so richtig auftaut. Denn wo der Blackened Death Metal der Finnen zu Beginn noch etwas generisch wirkte, ist ein Song wie „Muinaiset Jumalat Kuuntelevat“ der beste Beweis, dass die Konvention eines Genres allein durch dichte Atmosphäre und Wendigkeit aufgebrochen werden kann. Das ist etwas, das auch der Rausschmeißer „Pimeys Ja Ikuinen Yö“ noch einmal deutlich macht. Der Song öffnet sich ruhig und fließt in düstere Schwere, die den Weg öffnet für Chöre innerhalb einer so treibenden wie finsteren Schlussnummer, die sich zwischen Erbarmungslosigkeit und fast schwelgender Ruhe nicht besser hätte eignen können, um „Syvyyden Portit On Saatava Auki“ zu beenden.
SE, JOSTA EI PUHUTA geben sich auf ihrem vierten Album beeindruckend stoisch ihren bewährten Stilmitteln hin. Für Die-Hard-Genrefans bedeutet das treffsicheres Material mit wenig Raum zur Beanstandung. Denn selbst wenn es die finnische Truppe mit ihren neuen Songs nicht schafft, der Übersättigung ihrer Sparte mit etwas Mut zur Weiterentwicklung entgegenzutreten, so haben die neuen Titel doch alles zu bieten, was man sich als melodieorientierter Extreme-Metal-Fan wünschen kann.
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Wertung: 7 / 10


