CD-Review: Seagulls Insane And Swans Deceased Mining Out The Void - Selbstbetitelt (-)

Besetzung

Nihil – Gesang, Gitarre, Bass, Schlagzeug, Keyboard, Effekte
Havoc – Gitarre, Bass, Schlagzeug, Effekte

Tracklist

01. I
02. II
03. III
04. IV
05. V


Ich war früher nie wirklich empfindlich, was Genre-Beschreibungen angeht, im Besonderen den Hinweis, dass es sich um unkonventionellen Black Metal handeln soll, fand ich immer eher positiv als negativ behaftet. Aber, wie so oft, wenn einem nur oft genug vor Augen geführt wird, dass Genrebezeichnungen wie „Avantgarde Post Black Metal“ eben gerade NICHT für eine unverbrauchte Herangehensweise stehen, verinnerlicht man es eben doch irgendwann und betrachtet das nächste Release, das sich diesem Sektor zuordnet, somit auch erst mal mit gemischten Gefühlen.

SEAGULLS INSANE AND SWANS DECEASED MINING OUT THE VOID sind keine Ausnahme. Was das Duo als „Avantgarde“ beschreibt, sind stehende Gitarrentöne oder Effekte, die wie Störgeräusche anmuten, was als „Post“ angepriesen wird, äußert sich darin, dass der gebotene Black Metal ausschließlich schleppend bis langsam vorgetragen wird. Die Songs, die sich selbstredend als zusammenhängendes, großes Meisterwerk verstanden haben wollen, variieren dabei erstaunlich stark in ihrer Qualität. Steht „I“ noch als solider, sogar dezent groovender Black Metal-Brecher im Raum, verkünstelt sich „II“ viel zu sehr in den genannten Elementen, die man als experimentell verstanden wissen will, die aber atmosphärisch leider überhaupt keine Auswirkung, außer aufkeimender Langeweile haben. „III“ geht hier insofern andere Wege, als das die schrillen Effekte im Hintergrund des diesmal sehr zähen Black Metal-Gewandes durchaus eine spacige, hypnotische Stimmung erzeugen kann, die immerhin für fünf der insgesamt zwölf Minuten aufrechterhalten werden kann (bis es in endlose Wiederholungsschleifen ohne jegliche Abwechslung geht). Gerade hier missachtet das Projekt meiner Meinung nach leider eine Prämisse, die man sich als Band des Genres selbst auferlegen sollte, nämlich, abwechslungsreich und ambitioniert zu Werke zu gehen. Stundenlange Monotonie, das kennen wir aus klassischem Black Metal (und natürlich aus dem Doom Metal) zur Genüge, das muss man, wenn man Avantgarde sein will, dann auch mal abschaffen. Was man stattdessen tut, ist, schon wieder in völlig planlose, nervige Rückkopplungen überzuleiten, die die zuvor ohnehin schon wieder abgebaute Atmosphäre vollkommen zerschießen und ebenfalls zügig zu nerven beginnen. Experimentell ist man nicht nur, weil man irgendwelche Regler auf gut Glück rauf und runter schiebt.
Umso widersinniger, dass „IV“ wieder gut auf die Kacke haut und mit einigen richtig fetten Riffs punkten kann, die fast so cool sind, dass man geneigt ist, die Sinnlosigkeit des vorherigen Songausklangs wieder zu vergessen. Mit Leadgitarren, die zwischendurch gefällig im Hintergrund sirren, knüpft man akkurat an die Stimmung von den ersten Minuten von „III“ an und hält das Niveau diesmal sogar einigermaßen (ein paar Wiederholungen weniger hätten es auch hier getan, aber immerhin, das nervige Soundgewabere beschränkt sich diesmal auf die letzte Minute).
Zum krönenden Abschluss wollen SEAGULLS INSANE AND SWANS DECEASED MINING OUT THE VOID nun noch einen 17Minüter kredenzen, doch, man kann es sich denken, nachdem es zuvor bei Siebenminütern nicht klappte, die Stimmung durchweg aufrechtzuerhalten, versinkt auch „V“ relativ bald in totaler Planlosigkeit und hat der Stimmung des Albums bis auf diesmal einigermaßen gelungene Ambient-artige Passagen wenig hinzuzufügen.

SEAGULLS INSANE AND SWANS DECEASED MINING OUT THE VOID sind ein typisches Beispiel der dem Stil eigenen Selbstüberschätzung. Aber klar, der Sektor eignet sich natürlich auch perfekt, jegliches kreatives Loch, das sich auftut (und das sind hier nicht wenige), durch den Post Black Metal-Anspruch und damit die angebliche höhere Bedeutung solcher Passagen zu kaschieren. Blickt man hinter die Facette, bleiben, neben einer Menge völlig irrelevanter Geräuschcollagen, nur eine Hand voll cooler, grooviger Riffs, deren Anzahl aber wirklich sehr überschaubar ist. Kein Wunder, werden sie doch jedes Mal wiederholt, bis auch sie wieder anöden. Kurz und gut: Bitte, bitte, lasst diese Scheibe im Schrank stehen.

Bewertung: 4 / 10

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