Review Sinsaenum – In Devastation

  • Label: earMUSIC, Edel
  • Veröffentlicht: 2025
  • Spielart: Death Metal

Am 26. Juli 2021 starb, mehr oder weniger überraschend, Joey Jordison. Einen Namen hatte sich Jordison bekanntermaßen bei SLIPKNOT gemacht. Doch auch nach seinem unrühmlichen Rauswurf bei der von ihm mitbegründeten Band lieferte der Weltklasse-Schlagzeuger – obschon schwer erkrankt – noch bemerkenswert ab: ein Album mit SCAR THE MARTHYR („Scar The Martyr“, 2013) sowie zwei Alben und zwei EPs mit SINSAENUM.

Während SCAR THE MARTHYR bereits nach dem ersten Album wieder Geschichte waren und auch VIMIC mit Jordisons Tod begraben wurden (das Debüt erscheint nun auf Initiative der Jordison-Familie posthum via Crowdfunding), war SINSAENUM ursprünglich eine Idee von Frédéric Leclercq (KREATOR, ehemals DRAGONFORCE). Dass SINSAENUM weitermachen, kommt deswegen nicht ganz unerwartet – wennschon nach nunmehr sieben Jahren ohne ein Lebenszeichen der Band auch nicht mehr zwingend mit einem weiteren Album zu rechnen war.

Nun aber legt Leclercq nach – unterstützt von der ansonsten gleichen All-Star-Truppe wie auf dem letzten Album, bestehend aus Sean Zatorsky (DÅÅTH), Attila Csihar (MAYHEM), Stéphane Buriez (LOUDBLAST), Heimoth (SETH) sowie Andre Joyzi als neuem Schlagzeuger – ehemals Jordisons Drum-Tech und langjähriges Mitglied der Live-Crew. Dass dieser aus emotionaler Sicht heraus natürlich kein „Ersatz“ für Joey Jordison sein kann, ist klar. Rein technisch betrachtet fehlt sich am Drumming des Albums aber nichts – und mit einem Vertrauten von Joey ist der Platz auch mit dem gebührenden Respekt vor dem verstorbenen Ausnahme-Drummer neu besetzt.

Auch musikalisch hat sich, so scheint es zumindest zunächst, wenig getan. Im Opener und Titeltrack „In Devastation“ feuern SINSAENUM direkt aus allen Rohren, und auch im darauffolgenden „Cede To Thunder“ liefert die Band exakt, was auf Basis des letzten Albums „Repulsion For Humanity“ (2018) zu erwarten war: Uptempo-Death-Metal mit rabiaten Riffs und furiosen Soli.

Nach diesem brachialen Einstieg tut es gut, dass „Shades Of Black“ mit Cleangitarren, reduziertem Tempo und passagenweise vergleichsweise entspanntem Sprechgesang etwas Zeit zum Verschnaufen bietet – ganz nebenbei geht der Track über seinen Groove aber auch extrem gut ins Ohr. Und hier startet die Reise erst. Denn wo „Obsolete And Broken“ zunächst wieder sehr bandtypisch startet, überraschen SINSAENUM hier nicht nur mit einem fast Melo-Death-igen Refrain, sondern auch mit unerwartet avantgardistischem Klargesang in der zweiten Songhälfte. Dieses Stilmittel kommt genau richtig, um die Spannung hochzuhalten, anstatt bloß wieder in alte Muster zurückzufallen. Mit „Last Goodbye“ – Leclercqs Vater und Joey Jordison gewidmet – wagen SINSAENUM sogar einen Abstecher in die emotionalen Gefilde des Alternative Rock. Auch wenn damit nun wirklich nicht zu rechnen war: Gerade als emotionaler Höhepunkt ist dieses Stück in der Albummitte ein echtes Highlight.

Dass SINSAENUM danach wieder ins angestammte Fahrwasser zurückkehren, ist fast ein wenig enttäuschend. Aus zwei Gründen macht es aber nicht gar so viel aus: Zum einen ist die Band in diesem Bereich sehr stark, zum anderen ist das Album mit 45:41 Minuten Spielzeit rund ein Viertel kürzer als der Vorgänger – viel Zeit, um Langeweile aufkommen zu lassen, lässt einem „In Devastation“ also in der zweiten Albumhälfte gar nicht mehr.

„In Devastation“ ist für SINSAENUM ein so fortschrittliches Album, dass es fast schon schade ist, dass sich Frédéric Leclercq nicht noch mehr getraut hat. Insbesondere in der zweiten Hälfte fallen die Death-Metaller leider wieder in alte, mit dem zweiten Album überwunden geglaubte Muster zurück; hängen bleibt hiervon nur wenig. In Summe ist das Album zwar so gut wie sein Vorgänger – allerdings mit einer deutlich größeren Schwankungsbreite zwischen Hits und Fillern.

Wertung: 8 / 10

Moritz Grütz

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