Review Skuggor – The Expanse

Ein-Mann-Projekte gibt es im Metal (hier besonders beim bitterbösen, schwarzen Ableger) wie Sand am Meer – oder eben Ställe voll Ziegen. Oft spricht die alleinige Verantwortung für sämtliche kreativen Entscheidungen für hohe Ambitionen und den Drang nach absoluter Freiheit. M., mit bürgerlichem Namen Matthew Bell, lebt mit seinem Projekt SKUGGOR genau das aus. Unter diesem Namen hat der gebürtige Australier, der inzwischen in Schweden lebt, bereits drei Alben veröffentlicht.

„The Expanse“ setzt sein kreatives Schaffen fort. In der Hauptsache bedeutet das Black Metal mittlerer Geschwindigkeitsstufe, angereichert mit jeder Menge retrospektiver Keyboard-Arrangements. Und ja, das ist die ganze Formel. Der gleichnamige Startschuss ist nämlich weniger ein Startschuss als vielmehr ein langsames Kriechen von der Startlinie. Zwar erzeugen die Keyboardflächen eine feine Düsternis, doch das langsame, repetitive Spiel von Gitarren und Schlagzeug wirkt schon nach kurzer Zeit anstrengend statt atmosphärisch. „The Fire“ als Anschluss legt durch eine schöne Melodieführung bei den Gitarren zwar etwas an Intensität zu und die Keyboards unterstützen die Atmosphäre ebenso deutlich besser als zu Beginn, doch Dynamik sucht man auch hier vergeblich.

Allgemein hat SKUGGOR das Problem, auf fast zwei Dritteln seiner neuen Platte kaum aus der Deckung zu kommen. So kann ein Stück wie „The Trance“ mit seiner düster-majestätischen Stimmung durchaus für sich einnehmen, und auch „Hem“ bringt mit einem flächigen Teppich aus klirrenden Gitarren, retrospektiver Tastenepik und getragenem Schlagzeugspiel angenehme EMPYRIUM-Vibes mit. Alles in allem verbleibt „The Expanse“ aber absolut generisch. Erst das rasant startende „The Storm“ bringt durch mehr Tempo kurzzeitig etwas Schwung in das Gesamtbild der Platte. Auch die kleinen akustischen Einschübe fügen sich sehr gut ein. Erstmals gibt es angenehme Tempowechsel. Daraus erschließt sich aber auch die Frage: Warum erst jetzt? Das ist definitiv schade, denn auch auf dem Schlusspfiff „The Nothing“ zeigt M. durch einen dezent folkigen Einstieg, kombiniert mit rhythmischen Arrangements der Marke SHINING, dass auch die konventionellste und simpelste Form des Black Metal durchaus funktionieren kann. Gerade durch die reduzierte Herangehensweise dieses Titels bildet er einen gelungenen Kontrast zu seinem Vorgänger.

Manchmal muss und soll der Anspruch an eine bestimmte musikalische Sparte gar nicht turmhoch liegen. Dann sind es häufig Charme und eine gewisse Authentizität, die Alben über ihre volle Länge tragen können. „The Expanse“ von SKUGGOR möchte man genau das zugestehen. Denn die enthaltenen Stücke leben ebenjenen klassischen, aufwühlenden Geist, der den Black Metal Mitte der neunziger Jahre so besonders machte. Schade ist nur, dass die Platte in Bezug auf Wendigkeit und Abwechslung innerhalb ihrer sechs Stücke erst viel zu spät aus der Deckung kommt. Deshalb verbleibt „The Expanse“ am Ende zwar ein absolutes Fan-Album, hat aber selbst als solches im Vergleich zu den herausragenden Veröffentlichungen von beispielsweise STORMKEEP und VALDRIN nur wenig Spannung anzubieten.

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Wertung: 6 / 10

Philipp Sorger

Publiziert am von

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