CD-Review: Sol Invictus - Necropolis

Besetzung

Tony Wakeford - Gesang, Gitarre, Bass
Renee Rosen - Violine, Mandoline
Don Anderson - Gitarre
Igor Olejar- Schlagzeug
Eilish McCracken - Piano, Flöte

Tracklist

01. Necropolis:portal
02. Nine Elms
03. Old Father Thames
04. See Them
05. Serpentine
06. Still Born Summer
07. Brick Lane
08. Turn Turn Turn
09. The Last Man
10. The Garden Of Love
11. Kill Burn
12. Set The Table
13. Murder On Thames
14. Shoreditch
15. Necropolis:egress


(Neofolk/ Rock/ Neoklassik)Das war möglicherweise der größte Fehler meines Lebens. Ich bedaure das sehr.“ Das sind Tony Wakefords Worte aus dem Jahre 2007, genau zwei Dekaden nach der Abwendung vom britischen National Front und Wakefords grundsätzlicher Abkehr aus der rechten Szene. Noch drei Jahre zuvor, 1984, musste er aufgrund dieser Ideologie Death In June verlassen, nachdem ihn Douglas Pearce, Gründungsmitglieder sowie Aushängeschild dieser Band und des Genres Neofolks also solches, dazu gedrängt hatten. Wakeford schoss mit der Gründung einer im rechten Milieu angesiedelten Band zurück, allerdings löste er diese nach zwei Veröffentlichungen auf und fand wohl wieder zurück zu seinem Menschenverstand; Wakeford begann sich von der rechten Szene und dessen Weggefährten zu distanzieren und gründete 1987 SOL INVICTUS.

Seitdem steht die englische Neofolk/ Rock/ Neoklassik-Formation, die Wakeford selbst als Folk Noir bezeichnet, für eine Vielzahl von spannenden Veröffentlichungen, zuletzt in aller Munde mit ihrer 2014er Platte „Once Upon A Time“, die in Zusammenarbeit mit Agalloch entstand. Vier Jahre sollten vergehen, bis sich SOL INVICTUS mit „Necropolis“ zurückmelden würden. Darauf befinden sich 15 Tracks, die trotz ihrer jeweiligen Andersartigkeit stets auf einen Namen zurückgeführt werden können: Tony Wakeford. Zu dominant tritt das Trademark von SOL INVICTUS, der tiefe Sprechgesang des Engländers, in jedem der Lieder auf, zu sehr transportiert ein „Necropolis“ diese ureigene SOL-INVICTUS-Atmosphäre, mit der Wakeford bereits 1990 auf dem phänomenalen „Lex Talionis“ die Hörer für sich gewinnen konnte.

So gut es Wakeford mit jeder neuen Veröffentlichung auch gelingt, ein SOL INVICTUS-Album auch genau danach klingen zu lassen, so enttäuschend ist der Sound einer jeden Platte aus dem Backkatalog der Formation: weder kristallklar noch mit ausreichend Druck auf den Instrumenten versehen, klingen SOL INVICTUS immer eher wie das besser abgemischte Demo-Tape eines Newcomers anstatt nach einer etablierten Größe dieser Szene. Warum sich jede Minute der 50-minütigen Spielzeit von „Necropolis“ dennoch über alle Maßen lohnt, hat zwei Gründe: 1. Der Inhalt und 2. es wird aller Wahrscheinlichkeit nach das letzte Album von SOL INVICTUS sein.

Auf „Necropolis“ zeichnet Wakeford ein düster-apokalyptisches Bild von London, in dem er die städtische Eisenbahnlinie Necropolis Railway in den Fokus rückt. Eine Linie, mit der im 19. Jahrhundert die Verstorbenen sowie ihre Trauergesellschaft direkt bis zu einem Bahnsteig auf dem  Friedhof Brookwood transportiert wurden. SOL INVICTUS nutzen dies als Steilvorlage für den ganz persönlichen Abgesang auf die britische Metropole, der instrumental kaum stimmiger verpackt sein könnte: Sanftes Violinen- und Flötenspiel treffen auf ein schneidig inszeniertes Piano, durchbrochen von verschiedenen Sprachsamples. Dazu gesellt sich begleitend die Gitarre von Don Anderson (ex-Agalloch) sowie das minimalistisch eingesetzte, aber dennoch hochgradig wirkungsvolle Drumming, was „Necropolis“ zu einem kontrastreichen und dennoch homogen klingenden Werk wachsen lässt.

Darauf heben SOL INVICTUS besonders den Zauber von einem mehrstimmigen Gesang auf eine neue Stufe; nicht nur, dass mehrere klare Gesänge, zusammengeführt zu einer Stimme, dem Song einen starken Ausdruck und eine einnehmende Atmosphäre verleihen, auch die Abwechslung durch die Kombination zwischen Tony Wakefords eher montonen Sprechgesang und den hellen weiblichen Klargesang webt die Musik zu einem dichten Klangteppich.

Umso trauriger, dass „Necropolis“ das letzte Album von SOL INVICTUS sein könnte, wenn man einem entsprechenden Post von Wakeford persönlich Glauben schenken mag. Sollte dem so sein, ist es der würdige Abschluss eine Formation, die viel für die Ausprägung des Neofolks geleistet hat und ihren Stellenwert mit diesem Album nur noch weiter zementiert.

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Bewertung: 8 / 10

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