Erst war es Thrash Metal, dann war es in der NWOTHM vor allem Old School Metal britischer Prägung und nun ist Glam Metal offenbar das nächste Genre, das ein Revival erlebt. Die meisten dieser Bands, die sich an den größtenteils US-amerikanischen Genre-Vorreitern der 80er orientieren, kommen aus Nordeuropa, aber auch anderswo findet sich manch vielversprechende Gruppe. So auch in Italien, wo SPEED STROKE zwar schon seit 16 Jahren aktiv sind, allerdings wird die Band erst jetzt dank eines Vertrags mit Scarlet Records auch für ein breiteres Publikum zugänglich. Die Plattenfirma aus Mailand veröffentlicht mit „Damage Control“ nämlich das mittlerweile vierte Album aus dem Hause SPEED STROKE.
Die Burschen vom Stiefel punkten ab dem ersten Ton von „Glorious Breakdown“ mit infektiösen Mitsing-Refrains und arschcoolen Riffs in der Schnittmenge aus Hard Rock und Heavy Metal. Dabei fällt vor allem das hohe Energielevel auf, mit dem SPEED STROKE ihre Hörerschaft selbst auf der heimischen Stereoanlage aus den Sitzen reißen dürften. Im folgenden „Heart Of The City“ zeigt sich die Truppe sodann von einer etwas anderen Seite, denn die Nummer punktet als gediegener Hard-Rock-Stampfer irgendwo zwischen AC/DC und CINDERELLA – das bekommt kaum eine derart jugendliche Band in dieser Authentizität hin! Dazu gibt es noch überraschend technische, aber doch songdienliche Leadgitarren und fertig ist ein Album, das jeden Fan des Genres begeistern wird.
Wie sich bereits anhand der ersten beiden Tracks ablesen lässt, sind SPEED STROKE zwar stilistisch eindeutig einzuordnen, bieten vor diesem Hintergrund aber doch einiges an Abwechslung: Während das ebenfalls cool dahingroovende „Blessed By Misery“ eine dezente WHITESNAKE-Schlagseite offenbart, gibt es in Nummern wie dem hymnischen Titeltrack sowie dem von CRASHDIET inspirierten „State Of Shock“ vor allem skandinavisch geprägten Glam Metal. Den hat sich die Formation nach eigener Aussage sowieso auf die Fahne geschrieben, weshalb es kaum als Überraschung kommt, dass man bei „Italian Coglione“ sofort an CRAZY LIXX denkt – wobei man SPEED STROKE attestieren muss, dass sie auch deren von den frühen 90ern geprägten AOR-Sound glaubwürdig zu emulieren wissen.
In „In Flames“ lässt sich dann noch der W.A.S.P.-Klassiker „Wild Child“ als Vorbild ausmachen, womit endgültig nicht mehr zu leugnen ist, dass es bei SPEED STROKE mit der stilistischen Eigenständigkeit nicht sonderlich weit her ist. Das ist aber auch nicht weiter schlimm, denn was den Italienern an Individualität fehlt, gleichen sie durch überschäumende, ehrliche Spielfreude und absolut authentisches Songwriting wieder aus. Verpackt in einen großartigen, erdigen Klang mit fantastischem Gitarrensound trieft „Damage Control“ die Liebe zum stadiontauglichen Hair Metal aus jeder Note und das überträgt sich ab der ersten Sekunde auch auf den Hörer.
Nach vier Alben präsentieren sich SPEED STROKE immer noch wenig individuell, den Hörspaß trübt das jedoch nicht im Geringsten. Die Italiener haben sowohl den Hard Rock bzw. Heavy Metal der US-Westküste als auch den (darauf aufbauenden) skandinavischen Glam Metal durch und durch verinnerlicht und setzen dieses Wissen auf „Damage Control“ in ausnahmslos gelungene Songs um. Die Platte ist voll von stadiontauglichen Refrains, explosiven Leadgitarren und edelsten Riffs, die von der Truppe dank der Erfahrung der letzten anderthalb Jahrzehnte mit einer Coolness und Authentizität präsentiert werden, die im Genre ihresgleichen sucht. In einer gerechten Welt würden SPEED STROKE mit einem Album wie „Damage Control“ auf Stadionbühnen spielen.
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Wertung: 8 / 10


