Review Spirit Mother – Thistle

  • Label: Sound Of Liberation
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Hard Rock

Gut zwei Jahre ist es her, dass SPIRIT MOTHER mit „Trails“ ein überraschend erfrischendes Album im Grenzgebiet zwischen Stoner, Prog, Folk und Psychedelic abgeliefert haben. Nun ist die Hälfte der damaligen Besetzung weg, und statt eines festen Schlagzeugers haben sich SPIRIT MOTHER mit Mia Rose eine zweite Geigerin gegönnt. Eine interessante Wahl, wenn man bedenkt, dass die Geige von SJ Lance auf „Trails“ zwar präsent, aber nie dominierend war. Entsprechend gespannt darf man daher auf die neue Scheibe „Thistle“ sein.

Aufgenommen im eigenen Studio von Frontman Armand Lance und Geigerin SJ Lance im tiefsten Outback in Oregon, klingt „Thistle“ nicht nur ziemlich staubig und trocken, sondern auch noch kantiger und spröder als der Vorgänger. Das fängt schon bei der Produktion an, die knarzig, warm und stellenweise verhallt daherkommt. Dadurch bekommen die Songs teilweise fast schon etwas Gespenstisches, etwa wenn in „Dog Machine“ eine melancholische Geige im Hintergrund wabert oder „Odetta“ nur mit Gesang, Geige und Percussions startet. SPIRIT MOTHER verstehen es dabei, die Geigen so einzusetzen, dass sie nicht nach Irish-Folk und Co. klingen, sondern eine ganz eigene, düstere Note zum Gesamtsound des Albums beitragen.

Und auch wenn die Grundstimmung auf „Thistle“ eher melancholisch ist, können SPIRIT MOTHER nach wie vor auch ordentlich nach vorne gehen. „Crux“ drückt das Gaspedal von Beginn an ordentlich durch. Trockene Stoner-Riffs dürfen hier zur Abwechslung für sich alleine stehen, was den Song kompakter und geradliniger macht. Auch „Good Faith“ macht mit seinen schweren Riffs Spaß, wobei diese nur ein Teil des ausufernden Stücks sind. Sie wechseln sich ab mit sphärischen Parts und Folk-Elementen.

Sich an einen Klassiker wie „Locomotive Breath“ heranzuwagen, braucht Mut, und tatsächlich gelingt dem Quartett eine eigenständige Interpretation, ohne das Original aus den Augen zu verlieren. Ganz ohne Flöte klingt die SPIRIT-MOTHER-Version schwerer und nicht so locker, dafür aber deutlich nach der Band, die den Song gerade interpretiert. Dementsprechend macht es Sinn, dass „Locomotive Breath“ nicht als Bonustrack am Ende der Tracklist steht, sondern mitten im Album an sechster Stelle.

Das Niveau des Vorgängers kann „Thistle“ aber nicht halten. So fällt der Einstieg mit dem Doppel „Dog Machine“ und „Violent Son“ zu monoton und gleichförmig aus, und auch „Stranger, You Are“ dümpelt unspektakulär vor sich hin. Fraglich ist auch, wieso SPIRIT MOTHER die Scheibe mit dem dumpfen Instrumental „Transient“, in dem man nur eine hallende Gitarre irgendwo in der Ferne hört, beschließen. Mit „Ephemeral“ gäbe es noch ein anderes Instrumental, das den Namen auch wirklich verdient. Und dann ist da noch der Gesang von Armand Lance. Klang der auf „Trails“ noch angenehm rau und natürlich, wirkt der Gesang diesmal zum Teil aufgesetzt und übertrieben. Fast so, als wollte Armand möglichst melancholisch klingen.

Am Ende wirkt „Thistle“ wie das Album einer Band, die sich noch nicht ganz gefunden hat. Die Besetzungswechsel scheinen SPIRIT MOTHER doch stärker beeinflusst zu haben, als gedacht, und dementsprechend inkonsistent fällt das Songwriting aus. Das ist nicht nur deshalb schade, weil sich auf „Thistle“ trotzdem gute Songs und Ideen finden, sondern auch, weil man einfach schon Besseres gewohnt war. Mit dem nächsten Album haben sich SPIRIT MOTHER in der neuen Besetzung hoffentlich vollends eingegroovt und liefern wieder auf gewohntem Niveau ab.

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Wertung: 7 / 10

Juan Esteban

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