Review Steven Wilson – To The Bone

Kein Album wird STEVEN WILSON zweimal aufnehmen und so sind seine Solo-Veröffentlichungen zumindest im Ansatz immer eine kleine Wundertüte, die aber doch unverkennbar seine Handschrift tragen. Mit poppigen Melodien kokettierte der Brite zwar schon länger, noch nie aber bediente er diese Schiene so massiv wie im Rahmen seines fünften Albums „To The Bone“. Als Einflüsse für das aktuelle Schaffen nennt er Peter Gabriel, Kate Bush, Talk Talk und Tears For Fears.

Gastmusiker spielen in diesem Kosmos auch wieder eine relevante Rolle: Nicht nur Andy Partridge (XTC) konnte WILSON für das Projekt gewinnen, sondern auch Sophie Hunger und abermals Ninet Tayeb. Als Opener fungiert der Titelsong „To The Bone“, der mit leichtem Funk-Einschlag locker-flockig aus den Boxen plätschert und ein intensives Gitarrensolo mitbringt. Die israelische Sängerin Ninet Tayeb zeigt bei „Pariah“ wieder einmal ihre Stärken und macht den Titel zu einem extravaganten, aber auch emotionalen Song der Extraklasse. Das schafft sie in ihren Solo-Passagen sehr stimmig, aber auch im Duett mit Mastermind STEVEN WILSON entstehen besondere Momente. Gerade durch die poppigen Elemente gehen die neuen Kompositionen verstärkt in Richtung Blackfield, beispielsweise „Nowhere Now“ oder ansatzweise „The Same Asylum As Before“. Wiederholt ist es der Gitarreneinsatz, der das Herz eines jeden Musikhörers höher schlagen lassen sollte. Im letztgenannten Song wandelt diese zwischen knackig-erdigen Riffs und psychedelisch-wabernden Klängen, die an eine Jam Session erinnern.

Weiter erwähnenswert ist das druckvolle „Refuge“ mit seinem entspannten Outro, bestehend aus Piano- und Mundharmonika-Klängen. Dagegen ist „Permanating“ ein reines Stück Pop-Kultur mit glückseliger Atmosphäre, das dezente ABBA-Referenzen aufweist. Vor allem punkten die neuen Songs, wenn die kantigen Rock-Momente sich mit den melancholischen Balladen-Anteilen abwechseln. „People Who Eat Darkness“ zeigt dies in eindrucksvoller Weise. Wenn man dann schlussendlich den Gedanken hegt, jetzt wäre das Album bereits gelaufen, kommt eine neue Eingebung um die Ecke: „Song Of I“ verzichtet auf rockige Einwürfe und ist ein im Trip-Hop-Stil gehaltenes Experimental-Stück mit untermalenden Streichern. Auf die abschließenden „Detonation“, mit neun Minuten das Langstück der Platte, und „Song Of Unborn“ wären die eingangs erwähnten Vorbilder mit Recht mehr als stolz gewesen, wären es ihre Kompositionen gewesen.

„STEVEN WILSON, du alter Fuchs!“, möchte man fast ausrufen. Der britische Musiker hat es wiederholt geschafft sein ureigenes Klangbild mit neuen Elementen anzureichern und dabei doch unverkennbar zu bleiben. Die poppige Anreicherung seiner Arbeit erschafft auf „To The Bone“ gehaltvolle Momente, die zum Einen an seine Band Blackfield erinnern, zum Anderen aber auch so noch nicht von dem Multiiinstrumentalisten gehört wurden. Es gibt zwar einige, für WILSON-Verhältnisse, schwächelnde Momente. Das ist aber Meckern auf einem Niveau, das in Sachen Produktion und Songwriting ein sehr hohes darstellt. Vielleicht nicht sein Referenzwerk, aber definitiv eine der stärksten und abwechslungsreichsten Veröffentlichungen aus den STEVEN-WILSON-Headquarters.

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Wertung: 8.5 / 10

Publiziert am von Christian Denner

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