Review Suidakra – Caledonia

Vor eineinhalb Jahren machten SUIDAKRA mit „Command To Charge“ einen stilistischen Ausflug, der heftigst geteilte Meinungen nach sich zog und der mir auch absolut nicht zusagen konnte. Die Ankündigungen im Vorfeld der Veröffentlichung des neuen, achten Albums allerdings schürten wieder Hoffnung: Der – Verzeihung – schreckliche Teilzeitsänger Matthias ist weg und wieder ersetzt durch den vorherigen Clean-Sänger Marcel. Das gab schon mal großen Anlass zur Freude, war damit doch klar, dass man qualitativ wieder eine Steigerung bekommen wird. Noch besser waren der erste Blick auf das Coverartwork und den Titel „Caledonia“, was wieder nach den SUIDAKRA klingt und aussieht, wie man sie vor 2005 kannte. Das lyrische Konzept (es dreht sich um die Ureinwohner Schottlands und ihren Krieg gegen das angreifende Römische Reich) schien dann auch wieder passend zu sein. Was durfte man nun also erwarten? Eine Rückbesinnung auf alte Stärken? Sollte „Command To Charge“ tatsächlich nur ein einmaliger Ausflug und Ausrutscher bleiben?

Das vorab in Verbindung mit dem ersten Videoclip der Band veröffentliche „The IXth Legion“ gab die Antwort: SUIDAKRA gehen wieder einen Schritt zurück und machen das, was sie wirklich können: Eine Mischung aus Heavy Metal und melodischem Death Metal mit Folk- und Pagan-Einschlag. Gleich zu Anfang erfreut das neue alte Mitglied Marcel mit seinem tollen Klargesang, der der Musik das gewisse Etwas gibt und Arkadius‘ Kreischgesang ergänzt und gegenüber den extremen Vocals sogar ein wenig Übergewicht hat, was ich hier begrüßen kann, da es einfach noch besser die Stimmung unterstreicht. Das klinische, das kalte, das allzu moderne von „Command To Charge“ ist weg und lebendigen Strukturen, der zurückgelehrten Atmosphäre sowie aggressiven und melodischen Riffs gewichen. Der Dudelsack ist hier nicht nur da, damit er da ist, sondern kommt häufig zum Einsatz, und das absolut songdienlich und unterstützend, er ist hier zu einem „richtigen“ Instrument geworden, der für die Lieder wichtig ist, sich aber nie aufdrängt.

Es gibt auf „Caledonia“ aber noch besseres. So etwa den stolze acht Minuten langen Opener „Highland Hills“, der tolle Melodien und gar wehmütige Gesänge aufweist und neben träumerischen Passagen auch Stoff für den Headbanger und den Luftgitarristen liefert. Überhaupt ist es nicht alltäglich, ein Album mit einem überlangen Midtemposong zu eröffnen, und ebenso wenig alltäglich ist es, wenn die langen Lieder dann auch noch dermaßen Klasse haben und so kurzweilig sind wie dieses. Ausserdem wird hier Abwechslung ganz groß geschrieben. Zwischendrin gibt es hier Stücke wie „The Ember Deid (Part II)“ mit bester Lagerfeueratmosphäre und in der Tradition eines Klassikers wie „Rise Of Talesin“ vom Bandhöhepunkt „The Arcanum“ (2000). Mit „Ramble“ gibt es noch ein weiteres Akustikstück, diesmal ganz ohne Gesang und wirklich klasse als ruhiger Moment zwischen dem flott-energischen „Forth-Clyde“ und „Dawning Tempest“, das wiederum mit starken Dudelsackmelodien, folkiger Stimmung, einem tollen Refrain und Hymnenqualität aufwarten kann. Noch mehr Abwechslung bietet das halbballadeske „The Distant Call“ mit wehmütiger und sehnsüchtiger Atmosphäre, einfach klasse und fesselnd! Auch der Abschluss stimmt, „Farewell“ ist ein schönes, ruhiges und kurzes Abschiesstück.

Es ist schon beeindruckend, wie SUIDAKRA auf „Caledonia“ derart viele verschiedene Stimmungen und Stilrichtungen verschmelzen und daraus ein spannendes und hochklassiges Album geschmiedet haben. Durchgehend gibt es nur überzeugende Lieder, es ist kein Ausfall vorhanden. Durch die Rückkehr von Marcel und die endlich gelungene Einflechtung des Dudelsacks ist den Westdeutschen ein beinahe schon überraschend gutes Werk gelungen, das in meiner SUIDAKRA-Hitliste direkt hinter „The Arcanum“ als zweitbestes Album der Bandgeschichte kommt, sofern man das zum jetzigen Zeitpunkt beurteilen kann. Dass das Tempo hier im Vergleich zu den Vorgängerwerken etwas gedrosselt wurde und mehr auf Midtempo sowie Melodien und Gitarrenleads setzt, kommt dem Sound der Band eindeutig zu Gute. „Command To Charge“ jedenfalls ist bereits vergessen – ein Schritt zurück, beileibe aber kein Rückschritt. Ein klasse „Comeback“, wenn man das so nennen kann!

Wertung: 8.5 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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