CD-Review: Summoning - Minas Morgul

Besetzung

Protector - Gesang, Gitarre, Keyboard
Silenius - Gesang, Bass, Keyboard

Tracklist

01. Soul Wandering
02. Lugburz
03. The Passing of the Grey Company
04. Morthond
05. Marching Homewards
06. Orthanc
07. Ungolianth
08. Dagor Bragollach
09. Through the Forest of Dol Guldur
10. The Legend of the Master-Ring
11. Dor Daedeloth


„Minas Morgul“, das ist Sindarin und heißt „Stadt der schwarzen Magie“. SUMMONING, das ist österreichisch und heißt „epischer, innovativer Schwarzmetall“. Ne, nicht wirklich. Aber das asoziieren unzählige Black Metal Hörer wohl damit. Denn mit ihrer atmosphärischen Musik haben die beiden Österreicher Protector und Silenius sich eine nicht gerade unbeträchtliche Fanbase erspielt. Und das auch mit ihrem zweiten Longplayer „Minas Morgul“, womit wir wieder die Kurve zum Anfang des Absatzes gekriegt haben.

Ja, „Minas Morgul“, so heißt der 1995er-Output von SUMMONING rund um den Meisterring vom guten alten Tolkien. Und genau die Scheibe, die elf überlangen Tracks, war mein erster Berührpunkt mit den Österreichern. Und nach all den Vorschusslorbeeren… Naja, sagen wir mal: Begeistert ist anders.

Los geht’s mit dem Intro „Soul Wandering“. Ein Keyboard, dann noch eins. Ein Blick ins Booklet bestätigt’s: Sowohl Protector als auch Silenius hauen in die Tasten. Dazu gesellt sich der wohl einfallsloseste Drumcomputer seit Erfindung desselbigen. Und das Intro schon bringt das Unglaubliche fertig: Es langweilt. So nett die Melodie auch sein mag, die die Herren sich da ausgedacht haben, über zweieinhalb Minuten hinweg kann sie mich als Zuhörer einfach nicht bei der Stange halten…

Aber dann folgt endlich die eigentliche Musik. Und die sollte ja nu Black Metal sein, oder? Hm… jain. So wirklich schwarzmetallisch ist der Kram, der da aus den Boxen kommt, nicht. Lediglich die Gitarren und der Gesang fallen in etwa in dieses Genre. Aber das ist ja prinzipiell erst mal kein Schwachpunkt, also weiter im Text. „Lugburz“ beginnt mit einem Tremolo-Riff und dem wohl zweiteinfallslosesten Drumcomputer, direkt nach dem aus dem Intro. Dann setz ein Keyboard ein… noch eins… dann der Gesang… Und die Gitarre spielt nach drei Minuten immer noch dasselbe Riff. Wie bitte? Ja, so schaut’s aus. Der folgende Track „The Passing Of The Grey Company“ schließt da nahtlos an. Und auch „Morthond“ funktioniert nach demselben Schema. Genau wie jeder einzelne Track auf dem Album. Nach dem Baukastenprinzip zimmern die Österreicher ein Lied nach dem anderen zusammen. Abwechslung gibt’s so gut wie keine, mit Ausnahme des Interludiums „Orthanc“.

Und dabei ist die Musik leider auch nicht allzu gut. Der Kreischgesang kommt kraftlos rüber und wurde zu weit in den Hintergrund gemischt, die Gitarre hat einen dünnen, eindimensionalen Sound, der Drumcomputer klingt steril und ist (wie vielleicht schon vorher erwähnt) durchgängig so spannend Programmiert wie eine durchschnittliche Folge des Worts zum Sonntag. Das ganze Soundbild wird dann noch amtlich von den Keyboards plattgemacht und fertig ist ein beliebiger „Minas Morgul“-Song.

All das ist ja schon ein schönes Sammelsurium von Schwachpunkten. Vollends gegen die Wand gefahren werden die einzelnen Lieder aber erst durch ihre Länge. Denn, das muss man neidlos zugeben, an sich weiß der doch recht schwache Sound des Albums hin und wieder zu gefallen, ja da blitzt doch tatsächlich manchmal Kompetenz auf. Aber nicht über eine Länge von acht oder zehn Minuten. Für so eine Lauflänge reichen anderthalb Riffs schlicht und ergreifend nicht aus, so sehr man sie auch mit epischen Keyboards zukleistert. Das Problem des Intros zieht sich von Anfang bis Ende durch das ganze Album: Zu wenige Ideen und zu viel Zeit. Und das resultiert in Langeweile.

Man muss SUMMONING wohl zu Gute halten, dass sie nicht böswillig ein schlechtes Album produziert haben. Aber trotzdem wurde hier viel zu oft „gut gemacht“ mit „gut gemeint“ verwechselt und, abgesehen von dem melancholischen, leicht doomig angehauchten „Marching Homewards“, verbleibt kein Song, den ich mir im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte freiwillig anhören würde. Versteht mich nicht falsch, „Minas Morgul“ ist keine grausame Ohrenfolter, sondern eigentlich nur stinklangweilig. Darum:

Bewertung: 3 / 10

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