CD-Review: Summoning - Oath Bound

Besetzung

Protector - Gesang (Lieder 2,4,8), Gitarre, Schlagzeugprogrammierung, Keyboards
Silenus - Gesang (Lieder 3,5,6,7), Keyboards

Stefan Huber - Gesang (Schwarze Sprache in Lied 3)

Tracklist

01. Bauglir
02. Across The Streaming Tide
03. Mirdautas Vras
04. Might And Glory
05. Beleriand
06. Northward
07. Menegroth
08. Land Of The Dead


Fünf Jahre ist das bis dato letzte Album „Let Mortal Heroes Sing Your Fame“ bereits her, doch so etwas wie Veröffentlichungsdruck scheinen die beiden Österreicher nicht zu kennen. Und das muss auch nicht sein, denn wo andere Bands nach einer halben Dekade ohne Neuigkeiten längst uninteressant sind, entflammt die Begeisterung für SUMMONING nun erneut und der Bekanntheitsgrad dürfte aktuell einen neuen Höhepunkt erreicht haben. „Oath Bound“ knüpft dabei an die vorhergehenden Werke an, ohne – wie gewohnt – Stilbrüche zu begehen. Warum auch? Inzwischen scheint die Zwei-Mann-Gruppe ihren einzigartigen Stil über fünf Alben und zwei Mini-Alben (wobei die „Nightshade Forests“ mit fast 35 Minuten länger dauert als mancher Gruppen Volllängenalben…) in 13 Jahren bis zur Perfektion gebracht zu haben.

SUMMONING jedenfalls sind eine absolut eigenständige und unvergleichliche Band geworden, die zwischen epischem Black Metal und Film-Scores emotionale und tiefgehende Klangkunst zelebrieren. Die Texte und das Konzeot sind nach wie vor J.R.R. Tolkiens Fantasiewelt entlehnt, auch daran hat sich im Laufe der Zeit nichts geändert. „Mirdautas Vras“ ist nicht nur einer der Höhepunkte der Scheibe, sondern ist auch komplett in der schwarzen Sprache von Mordor gesungen, was zusammen mit der Instrumentierung ein unvergleichliches Gefühl übermittelt. Das Schlagzeug gibt den Takt vor und bald schön hört man vom sinfonischen Gebläse übertont gleichmäßig heranmarschierende Orkhorden. Die Gesänge sind hier bedrohlich, dunkel und böse, wie man es sich von der dunklen Seite des Herr der Ringe-Universums nicht besser wünschen kann. Spätestens wenn die Hornbläser einsetzen, dürfte sich vor dem geistigen Auge eine Horde finsterer, langsam vor sich hinmarschierender Gestalten aufbauen. Das Grundgerüst des Liedes hetzt nicht, wodurch hier alle Zeit der Welt gegeben ist, um sich langsam aufzubauen und immer bedrohlicher, bedrückender und dramatischer zu werden.

„Langsam“ ist wohl auch das Stichwort für den Rest des 70-minütigen Langspielers. Jedes Lied wird mit aller Ruhe aufgebaut, die einfachen und simplen Melodien und seltener auftretenden Riffs entfalten so eine unglaubliche Wirkung und bauen eine grandiose Atmosphäre auf. Zwischen den breitflächigen Synthie-Melodien und epischen Bläserarrangements bleibt manchmal gar kein Platz für die Gitarren, wie etwa beim vorhin schon erwähnten „Mirdautas Vras“. Wenn sie denn mal eingesetzt wird, wie etwa bei „Across The Streaming Tide“, agiert sie auch oft nur hintergründig, eher selten spielt sie wie bei „Might And Glory“ eine tragendere Rolle. Bei diesem Stück kommt auch zum ersten mal ein Chor zum Einsatz, was mich aus meiner Sicht zum zweiten großen Höhepunkt des Albums bringt, nämlich dem fast 13minütigem Abschlussstück „Land Of The Dead“. Schon die ersten Keyboardtöne des Liedes drängen dazu, unter Kopfhörer und mit geschlossenen Augen genossen zu werden, die Stimmung hier nimmt einen unweigerlich gefangen und wirkt durch Keyboard- und Flötentöne vergleichsweise gar fröhlich und beschwingt. Der heisere, raue Gesang kommt hier über die Hälfte der Spielzeit zum Einsatz, doch spätestens als nach siebeneinhalb Minuten zum ersten mal der Chorgesang einsetzt, liegt eine nicht abzuschüttelnde Gänsehaut über dem gesamten Körper.

Zumindest, wenn man sich auf die Musik einlässt. SUMMONING dürften für einige uninteressant sein, Kommentare wie „Was soll ich damit, da passiert ja nichts.“ könnten bestimmt öfter auftauchen. Kann man sich jedoch mit der beschriebenen Musik anfreunden und nimmt sich auch wirklich die Zeit und Aufmerksamkeit, die „Oath Bound“ benötigt, kann man ein Album entdecken, dass einen in eine andere Welt entführt und alles um sich herum für über eine Stunde vergessen lässt. „Oath Bound“ ist von vorne bis hinten ein absolutes Meisterwerk geworden, dass auch ohne „richtige“ Instrumente auskommt, begeistert und fesselt. Meiner Meinung nach können Protector und Silenus mit dem hier vorliegendem Werk sogar „Dol Guldur“ übertrumpfen.
Da die vorliegende Musik kaum in Worte zu fassen ist und keinerlei Vergleiche duldet, kann ich nur jedem empfehlen, sich selbst ein Bild von dieser grandiosen Scheibe zu machen.

Bewertung: 10 / 10

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