CD-Review: Svart Crown - Abreaction

Besetzung

JB Le Bail - Gesang, Gitarre
Kevin Verlay - Gitarre
Ludovic Veyssière - Bass
Kévin Paradis - Schlagzeug

Tracklist

01. Golden Sacrament
02. Carcosa
03. The Pact: To The Devil His Due
04. Upon This Intimate Madness
05. Khimba Rites
06. Tentacion
07. Orgasmic Spiritual Ecstasy
08. Transsubstantiation
09. Emphatic Illusion
10. Lwas
11. Nganda


Im Blackened-Death-Metal-Sektor rührt sich wieder was: SVART CROWN aus Frankreich stehen mit ihrem vierten Album „Abreaction“ vor der Tür und wollen die Hölle in den Zimmern ihrer Hörer entfesseln. Unterstützt wird das Vorhaben dieses Mal sogar von Century Media, wodurch der Scheibe bereits im Vorfeld Aufmerksamkeit zuteilwurde. Doch was kann die neue Platte der Extreme-Metaller tatsächlich?

Blackened-Death-Metal-Bands leiden ja zugegebenermaßen seit Jahren unter dem Umstand, dass sie sich – mal mehr mal weniger gerechtfertigt – stets mit den Genre-Urgesteinen Behemoth messen müssen, deren Alben fast schon als eine Art weltweit akzeptierter Maßstab für diese Musikrichtung herangezogen werden. Das mag einerseits zwar unfair erscheinen, genau bei Bands wie SVART CROWN zeigt sich aber, dass dieser Vergleich immer wieder direkt provoziert wird. Denn auch auf „Abreaction“ taucht das Quartett in ähnlich fiese Klangwelten zwischen brachialem Hochgeschwindigkeitsgebolze und düsterem Doom Metal ab, die auch von Behemoth gepflegt werden. Wo das bei den polnischen Vorbildern allerdings stets als eine stimmige, zielgenau komponierte Melange aus diversen unbarmherzigen Riffattacken funktioniert, da kämpfen SVART CROWN unentwegt damit, ihre sich geradezu gegenseitig in Dissonanz zu überbieten versuchende Ideen in einen dem fast schon entgegenstehenden „Einklang“ zu bringen. Was man „Abreaction“ zugutehalten muss, sind die sich weitestgehend von bestehenden Harmoniekonzepten fernhaltenden Riffkonstrukte, die in 54 Minuten Spielzeit auf den Hörer hinabstürzen. Diese sind nämlich meist tatsächlich in ihrer Ausführung recht effektiv und direkt, was der beabsichtigten Wirkung der Platte durchaus zu helfen vermag. Die immer wieder eingestreuten Tribal-Elemente sind zwar inzwischen wirklich nicht mehr innovativ, verleihen der Scheibe aber einen wiedererkennbaren Stil.

Was SVART CROWN hingegen leider komplett versäumen, ist die Herstellung eines der Sache dienlichen Kontextes: Genau wie ein Breakdown im Metal- oder Deathcore ein vorangehendes Gegenstück benötigt, das dann „heruntergebrochen“ wird, brauchen dissonante, chaotische Riffs auch den Gegenpol der Aufgeräumtheit und Ordnung, vielleicht sogar des Wohlklangs, damit sie ihre Wirkung entfalten können. Und genau wie eben viele dieser Metal- und Deathcore-Bands es versäumen, diesen Zusammenhang herzustellen, so versäumen es auch SVART CROWN ihrer im Grunde sehr vielversprechenden Dauerattacke an garstigen Einfällen die passende Einbettung in geordnete, scharf geformte Schablonen zu verpassen. Stattdessen versagen Songs wie „Khimba Rites“ mit planlosen Build-Ups, die nirgendwo hinführen oder zwischendrin einfach wieder fallengelassen werden. Stücke wie „Orgasmic Spiritual Ecstasy“ strengen mit ihrer hektischen Art eher an, während Ideen wie der Wechsel zwischen Blastbeat-Geballer und stampfenden Doom-Parts in quasi jedem Song bedient werden und sich dadurch schnell erschöpfen.
Dazwischen finden sich jedoch auch einige gelungene Songs. Das auf den Punkt gebrachte „Carcosa“ beispielsweise demonstriert, wo SVART CROWN mit ihrem vierten Album wohl hinwollten. „Upon This Intimate Madness“ funktioniert hingegen als Essenzstück des Albums mit am besten, wenn es die bitterböse Atmosphäre des Albums in kraftvollen Ausbrüchen kanalisiert. Und zumindest das erste Drittel von „Transsubstantiation“ gehört mit zum Stärksten, was die auch erfreulich organisch produzierte Platte zu bieten hat.

„Abreaction“ wird sicher seine Anhänger finden, denn als gewollt chaotisches, unangenehmes und schwieriges Werk hat es für Liebhaber verschwurbelteren Death und Black Metals zweifelsohne großen Reiz. Für die Ausführung gibt es aber dann doch leider Abzüge in der B-Note. Hier können sich die Franzosen noch etwas von polnischen Kollegen wie Behemoth und Hate abgucken. Für das, was es sein will, geht das Album aber definitiv in Ordnung.

Bewertung: 6 / 10

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