CD-Review: Swallow The Sun - Ghosts Of Loss

Besetzung

Mikko Kotamäki - Gesang
Juha Raivio - Gitarre
Markus Jämsen - Gitarre
Matti Honkonen - Bass
Pasi Pasanen - Schlagzeug
Aleksi Munter - Keyboard

Tracklist

01. The Giant
02. Descending Winters
03. Psychopath's Lair
04. Forgive Her...
05. Fragile
06. Ghost of Laura Palmer
07. Gloom, Beauty and Despair
08. The Ship


Zeit vergeht, man wird älter, man wird reifer, man wächst an seinen sich selbst gestellten Aufgaben und irgendwie entwickelt man sich immer weiter. Vor allem in der Musik kann das eine Crux sein, denn Weiterentwicklung ist so eine Sache, die Die-Hard-Fans in den meisten Fällen gar nicht so sehr gefällt. Deswegen freut es den Fan der Band wohl zu hören, dass die finnischen Vorzeige-Doomdeather SWALLOW THE SUN zwischen 2003 und 2005 keine so besonders große Evolution durchgemacht haben. Melancholische Musik, meistens im Down- bis Midtempo, sphärische Keyboards, ein bißchen Hass und Horror… Das machte schon ihr Debut „The Morning Never Came“ groß. Also sollte beim Nachfolgewerk „Ghosts Of Loss“ doch auch nicht so viel schief gehen, oder?

Warum eröffnet „The Giant“ dann mit so ungewohnten Klängen? Okay, von der ersten Sekunde an haben wir es hier wieder unverkennbar mit SWALLOW THE SUN zu tun, aber der Einstand wir mit Klargesang markiert. Mikko Kotamäki erprobt sich nach dem Debut, wo größtenteils gegrowlt, gescreamt und geflüstert wurde also in neuen Disziplinen. Nicht schlecht, nicht schlecht. Weniger schwankend und weniger schwach auf der Brust als noch auf dem Debut klingen die Stimmlagen, die er hier anstimmt, etwas Gewöhnungsbedürftig zwar nach dem eher guttural geratenen Vorgänger, aber man kann sich ja anpassen und der Klargesang aus des Mannes Kehle gefällt doch gar nicht so übel.
Aber irgend etwas stimmt nicht an „The Giant“. Es wird fast zwölf Minuten lang mit allen Zutaten gekocht, die auch schon „The Morning Never Came“ beinhaltete. Rein handwerklich führen SWALLOW THE SUN den Weg, den sie auf ihrem Debut beschritten haben, konsequent fort, verfeinern das, was man an ihren Fähigkeiten auf dem Erstling noch bemängeln konnten und wissen auch ansonsten aus rein technischer Sicht voll und ganz zu überzeugen. Und auch ansonsten hat sich doch so viel nicht geändert. Wirklich viele Riffs werden hier pro Song immer noch nicht verbraten, das Wechselspiel zwischen Gitarre und Keyboard feiert erneut seinen Einstand, man spielt aus rein theoretischer Sicht keine andere Musik als noch zwei Jahre zuvor.
Aber „Ghosts Of Loss“ verscherzt es sich ganz heftig, wenn man die Theorie mal Theorie sein lässt und direkt in die Praxis reinsteigt. SWALLOW THE SUN spielen auf dem Papier ähnliche Musik, die Songstrukturen sind gleich geblieben, die technische Seite der Musik nimmt sich noch etwas besser aus, mehr Abwechslung wird durch den gesteigerten Anteil des Klargesangs geboten, in der Theorie ist halt einfach alles prima. In der Praxis schafft das finnische Qunitett es aber einfach nicht, auch nur ein einziges Riff zu präsentieren, das es mit den Glanztaten ihres Debuts aufnehmen kann. Die Emotionalität ist nicht völlig verschwunden, aber „Ghosts Of Loss“ ist trotz einiger gar nicht so schlechter Augenblicke zu keinem Zeitpunkt so mitreißend wie der Vorgänger. SWALLOW THE SUN spielen technisch einwandfrei Melodien, die niemand braucht, bzw. die niemanden ernsthaft interessieren dürften. Acht Tracks lang zaubern die Finnen Melodien aus dem Hut, die nicht offensiv den guten Geschmack des Hörers beleidigen, oder aber ihn nerven, die aber so langweilig sind, dass man sich ernsthaft fragen muss, was die Knaben nach dem grandiosen „The Morning Never Came“ geschluckt haben. Man muss den bitteren Fakten ins Auge sehen: „Ghosts Of Loss“ versagt fast Ausschließlich in Sachen Songwriting, da aber so richtig…

Wirklich schlecht ist das Album letzten Endes natürlich nicht. Es gibt einige Momente, in denen SWALLOW THE SUN sich von ihrer stärksten Seite zeigen. Der Mittelteil von „Psychopath’s Lair“ zum Beispiel, „Forgive Her…“, das wohl größtenteils textlich überzeugen kann, weil es musikalisch einfach nur völlig lasch ist, oder das doch irgendwo recht experimentelle „Gloom, Beauty And Despair“… „Ghosts Of Loss“ hat seine Augenblicke, kommt aber nie wirklich an die Glanztaten von „The Morning Never Came“ ran und ist gerade zwischen diesem Hammeralbum und dem sehr starken „Hope“ ein Langweiler erster Kajüte.
Naja, jeder hat mal einen schlechten Tag und der (oder die schlechten Tage) von SWALLOW THE SUN scheint der gewesen zu sein, an dem sie „Ghosts Of Loss“ aufgenommen haben, eine CD, die eindrucksvoll beweist, dass selbst so eine Band sich Ausrutscher leisten kann. Und aufgerappelt haben sie sich ja auch wieder. Aber trotz sekundärer weiblicher Geschlechtsmerkmale auf dem Cover reicht’s nicht für mehr als…

Bewertung: 4.5 / 10

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