CD-Review: The 3rd Attempt - Egocidal Path

Besetzung

Ødemark - Gesang
Tchort - Gitarre, Bass
Blood Pervertor - Gitarre
Tybalt - Schlagzeug

Tracklist

01. Blood, Dope And Black'N'Roll
02. Into The Light
03. Reflections About Knives
04. Egocide
05. I'll Do It Now
06. The Disciples
07. Black Metal Alchemist
08. The Oath


Wer sich schon immer mal eine Black-Metal-Kreation gewünscht hat, bei der Einflüsse gefühlt aller möglichen Bandlegenden, inklusive Motörhead, einfließen, dürfte bei THE 3RD ATTEMPT vielleicht an der richtigen Adresse sein. Nein, keine Angst, es handelt sich nicht um eine jener Bands, die aus bereits Dagewesenem versuchen, für sich selbst noch einen Erfolg rauszuholen. Im Gegenteil.

Doch von vorne. Hinter dem Quartett aus dem schönen Kristiansand in Norwegen verbergen sich Musiker, die der geneigte Black-Metaller schon seit Jahrzehnten kennt, unter anderem Tchort und Blood Pervertor (Ex-Carpathian Forest, uvm.). Mit THE 3RD ATTEMPT möchte man nun der satanischen Kreativität erneut freien Lauf lassen. Bereits das 2015 erschienene Debut-Album fand großen Anklang in der Black-Metal-Gemeinde. Mit „Egocidal Path“ (allein die Wortkreation verdient Lob!) legen sie nun feurig nach.

Beim ersten Track namens „Blood, Dope And Black’n’Roll“ wird passend zum Titel ein typischer Motörhead-Sound als Eröffnungssequenz benutzt, um sich die Aufmerksamkeit des Hörers zu sichern. Die Hoffnung, dass das ganze nur als subtile Hommage an Lemmy zu betrachten ist, aber nicht der weitere Stil des Albums sein wird, wird glücklicherweise bestätigt. Obwohl immer wieder schweres Motörhead-Rock’n’Roll-Riffing seinen Weg in den Song findet, schaffen die Herren einen smoothen Übergang in den Black Metal, was wohl ihrer jahrzehntelangen Erfahrung geschuldet ist. Als wäre es das natürlichste der Welt vermischt sich der oben genannte Stil mit Growl-Gesang und mitreißendem Drumming, welches den Hörer unerbittlich durch den Song schleift. Beim Riffing ist der Übergang zwischen Black Metal und Rock’n’Roll fließend. Es ist ein teuflischer Spaß, sich diesem Bastard aus beiden Welten hinzugeben, in Erwartung dessen, was „Egocidal Path“ wohl sonst noch so zu bieten haben wird.

Es folgen weitere Tracks, die mehr in Richtung reinen Black Metals gehen, aber nie, ohne die eine oder andere Überraschung zu bieten. So fließen hier und da plötzlich klar gerufene Shouts in den Refrain ein oder man wechselt wie im Zwiegespräch zwischen hoher und tiefer Stimmlage. Des Weiteren überraschen THE 3RD ATTEMPT mit einer Vielfalt an Melodielinien und Riffgewittern. Da scheint sich lange Zeit einiges an Songwriting-Erfahrung und Motivation angestaut zu haben, was nun zum Leben erweckt werden  möchte. Denn wenn eines mit Sicherheit nicht aufkommt auf dem Album, dann ist es Langeweile.

Textlich kann man anhand der Songtitel die Parallelen zum „Weg des egozentrischen Suizid“ gut nachvollziehen, auch wenn die Lyrics aufgrund des Keifens und Growlens natürlich oftmals nicht verständlich sind. Aber die Reihenfolge „Reflections About Knives“ (in welchem zumindest „Knife into my skin“ gut verständlich ist), „Egocide“ und „I’ll Do It Now“ dürfte selbserklärend sein.

„Egocide“ kann man ruhigen Gewissens als ordentliche Abrissbirne bezeichnen. Sicher der heavyste Song des Albums! Auch hier verbirgt sich übrigens ein Gimmick, den vielleicht nicht jeder raushört. Aber wer Lust darauf hat, möge doch mal die 94’er Live-Version von Sepulturas „Territory“ anhören und gleich danach noch mal den Beginn von „Egocide“. Natürlich kann man nie ausschließen, dass Ähnlichkeiten rein zufällig sind, aber ein großer Spaß beim Anhören und Vergleichen ist es für Kenner auf jeden Fall.

Während des 39-minütigen Hörspektakels ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese Musik Spaß macht, obwohl es Black Metal ist (ob man die beiden Wörter wohl in einem Zusammenhang erwähnen darf!?). Der Hörer spürt einfach, wie sehr die Musiker von THE 3RD ATTEMPT in ihren eigenen Kreationen aufgehen. Das schiebt ordentlich und erhöht die Neugier auf kommende Live-Auftritte. Zwar gibt es auch auf „Egocidal Path“ noch Ecken und Kanten sowie Handlungsspielraum für Verbesserungen, und natürlich kann die Band nicht mit den Genregrößen aus dem Heimatland mithalten, aber runder und unterhaltender als gefühlt 90 Prozent aller anderen Black-Metal-Ergüsse weltweit ist „Egocidal Path“ allemal.

Bewertung: 7 / 10

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