CD-Review: The Lion's Daughter - Existence Is Horror

Besetzung

Rick Giordano - Gesang, Gitarre
Scott Fogelbach - Bass
Erik Ramsier - Schlagzeug

Tracklist

01. Phobetor
02. Mass Green Extinctus
03. Nothing Lies Ahead
04. Dog Shaped Man
05. Four Flies
06. Midnight Glass
07. The Fiction In The Dark
08. A Cursed Black End
09. They're Already Inside
10. The Horror Of Existence


(Sludge / Black Metal / Doom Metal) Aus dem offenbar nie trockenlaufenden Sumpf der bösen Hass-Dunkelheit-Alles-Ist-Schlecht-Musik steigt eine weitere Band namens THE LION’S DAUGHTER empor und legt ihr zweites Album „Existence Is Horror“ vor. In dem vierzigminütigen Werk präsentieren die aus Missouri stammenden Musiker ihre Vorstellung des Wunsches, bei der Zerstörung der Welt ganz vorne mit dabei zu sein.

Dabei ist die Musik auf „Existence Is Horror“ glücklicherweise deutlich anspruchsvoller und ausgeklügelter, als es die 08/15-Misanthropie-Dunkelheit-Welthass-Attitüde, mit der sich die Band nach außen hin präsentiert, zunächst vermuten lässt. THE LION’S DAUGHTER spielen eine tatsächlich sehr eigenständige Mischung aus Sludge und Black Metal, die durchaus Wiedererkennungswert hat. Über neun Songs hinweg prügelt und rotzt sich die Truppe durch eine umfangreiche Sammlung an überwiegend dissonanten, unharmonischen und dreckigen musikalischen Ideen, mit denen sie ihre hasserfüllte Message ausleben. Die Gitarrenarbeit reicht dabei von düsteren Tremolo-Riffs über Sludge- und Doom-Akkordstampferei bis hin zu atmosphärisch verschwimmenden Black-Metal-Parts, stets unterstützt vom nicht hervorstechenden, aber immer passend begleitenden Schlagzeug. Der dreckig verzerrte Brüll- und Schreigesang fügt sich ebenfalls stimmig in das Gesamtbild ein und verstärkt die dunkle, aggressive und leicht psychotische Wirkung der Musik, die sowohl in niedrigen als auch in höheren Tempi wütet.
„Existence Is Horror“ sprudelt vor kreativen und atmosphärischen Ideen. Wie leider so oft schaffen es aber auch THE LION’S DAUGHTER nicht immer, diese in eine nachvollziehbar logische Songstruktur einzugliedern. Viele der Riffs funktionieren für sich alleinstehend perfekt, aneinandergereiht in einem Song ergibt sich aber nur ein überwiegend willkürlich erscheinendes Brainstorming, das letztlich etwas ratlos zurücklässt, wo genau die einzelnen Songs denn nun hinführen sollten. Tatsächlich stört das, da hat die Band Glück, bei dieser chaotisch-kaputten Art von Musik jedoch deutlich weniger als bei vielen anderen Stilen. Zudem halten THE LION’S DAUGHTER ihre Stücke mit drei bis fünf Minuten Länge angenehm kurz und begehen so nicht den gerade im Sludge häufig gemachten Fehler, ihre Riffs bedeutungsschwanger, aber letztlich doch meist eher langweilig auf Zehn-Minuten-Monster auszudehnen. Und dennoch hinterlässt das konfuse Songwriting einen etwas zwiespältigen Eindruck und begräbt so ein wenig das Potential, das in der wirklich ambitionierten Musik steckt. Mit beispielsweise „Four Flies“, „Dog Shaped Man“ oder „They’re Already Inside“ sind dennoch auch genug Songs vorhanden, die trotz des etwas willkürlichen Songwritings wunderbar funktionieren.

THE LION’S DAUGHTER haben mit „Existence Is Horror“ eine Aufmerksamkeit erregende Arbeit abgeliefert, die vom zweifellos massig vorhandenen Talent und Können der beteiligten Musiker einen guten Eindruck vermittelt. Wenn für zukünftige Releases noch daran gearbeitet wird, das Songwriting fokussierter zu gestalten, dann könnte die Band potentiell ganz Großes abliefern. Bis dahin bietet ihr neues Album aber genug hörenswerte Musik, um auf Weiteres gespannt zu machen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Bewertung: 7.5 / 10

Geschrieben am

2 Kommentare zu “The Lion’s Daughter – Existence Is Horror”

  1. Christoph Emmrich

    Das Album ist einfach nur stark. Die angebrachte Kritik ist berechtig, keine Frage, aber unterm Strich finde ich die Scheibe einfach nur mächtig.

    1. Simon Bodesheim Post Author

      Stimme ich grundsätzlich schon zu. Wie sehr man sich an den genannten Kritikpunkten stört – so wie eben den etwas planlosen Songstrukturen oder der Tatsache, dass wirklich herausragende Songs fehlen, die Platte aber stattdessen eher insgesamt auf einem konstant hohen Niveau läuft – ist letztlich nur Feinabstimmung. Ich persönlich tu mich mit sowas immer etwas schwerer als manch anderer, deswegen ist die Wertung vielleicht etwas härter ausgefallen. Dennoch – klare Kaufempfehlung!

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: