CD-Review: The Moon and the Nightspirit - Mohalepte

Besetzung

Ágnes Toth – Gesang, Violine, Holzblasinstrumente, Morin Khuur, Percussions
Mihály Szabo – Gesang, Akustik-Gitarren, Akustik-Bass

Tracklist

01. Öregerdö
02. Felleg ùtján
03. Holdvarázsolt
04. Kéregbölcsö
05. Idebenn
06. Zöldparázs
07. Mohalepte
08. Tucskök az avarban


THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT – das klingt nicht nur sehr ätherisch, das ist es auch. Mihály und Ágnes heißen die zwei Multitalente aus Ungarn, die uns mit ihrer Musik in die Welt des Pagan und Folk entführen wollen. Die Band ist beider Lebenswerk, und sie gehen darin mit Leib und Seele auf. Dabei sorgen moderne, altertümliche und auch fast vergessene Instrumente, eigene Texte und sogar selbstgemachtes Artwork für die entsprechende Authentizität. Nach „Of Dreams Forgotten and Fables Untold“, „Regö Rejtem“ und „Ösforrás” haben sie Mitte März 2011 nun mit „Mohalepte“ ihr viertes Album veröffentlicht.

Wer sich auf THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT einlässt, wird sanft entführt. Ihre Musik ist eine Reise, weniger in ferne Länder oder fantastische Welten als in die Natur selbst und die Tiefen der eigenen Seele. Sie ist Meditation und Ekstase zugleich, ein musikalisches Mandala aus ätherischen Klängen und Lauten. Wo man sie nun genau einordnen soll, ist schwer: Es ist Pagan, es ist Folk, aber da ist auch noch etwas anderes. Selber bezeichnet sich die Band mittlerweile als Sylvan Folk Band. Hinter THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT steht ein Konzept, dem man sich kaum entziehen kann. Melodie, Artwork und Text bilden eine absolute Einheit. Hört oder sieht man das eine, versteht man das andere intuitiv. Und dass dieses Konzept gewachsen ist und immer mehr aufgeht, beweist die ungarische Band dieses Jahr mit ihrem neuen Album „Mohalepte“, was so viel bedeutet wie „Mit Moos überzogen“.
„Mohalepte“ erzählt in seinen rein ungarischen Texten von unberührten magischen Wäldern, der spirituellen Welt der Natur, alten Mythen und Sagen. In einem Interview sagte die Band dazu: „“Mohalepte“ lädt den Zuhörer in einen endlosen, unberührten Wald ein, einer verzauberten Ebene, alt wie die Erde selbst. Dieser unsichtbare Wald ist ein Symbol der Reise der menschlichen Seele.“ Und genau das schafft „Mohalepte“ auch zu vermitteln, man muss nur die Augen schließen und man ist dort. Das ist nicht nur aus musikalischer Sicht beeindruckend, und setzt neue Maßstäbe in punkto Inhaltsvermittlung.
Die weiter oben bereits angeführte homogene Einheit aus Melodie, Artwork und Text der Band kommt nicht zuletzt dadurch zustande, dass all diese Komponenten aus einer Hand, oder in diesem Fall zwei Händen stammen. Sogar die gesamte Studioaufnahme und Postproduktion wird von den beiden Musikern selbst übernommen. THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT ist in allen Punkten Ágnes‘ und Mihálys Projekt, und so haben sie sich nun dazu entschlossen, ihr Label „Equilibrium Music“ zu verlassen und mit „Mohalepte“ das erste Album ohne Label zu veröffentlichen. Weder musikalisch noch technisch brachte diese Entscheidung irgendwelche erkennbaren Nachteile mit sich, im Gegenteil, beides hat sich mit der wachsenden Erfahrung aus den drei Vorgängeralben sehr positiv weiterentwickelt.

Die Stücke einzeln zu bewerten und zu kritisieren ist kaum möglich, bilden alle acht schließlich ein einheitliches Werk. Kaum ein Stück sticht heraus, „Mohalepte“ webt einen 44-minütigen Klangteppich. Das ist vielleicht nicht besonders abwechslungsreich oder spannend, dafür aber durchaus ENTspannend und faszinierend meditativ. Das Album ist ein einzigartiges Hörerlebnis bis zur letzten Note, mitreißend, träumerisch, und wo in den Vorgängeralben vielleicht noch Stilunsicherheiten bestanden hatten, ist an „Mohalepte“ nichts mehr auszusetzen. Die musikalische Dichte überzeugt. Sicherlich ist diese spezielle Musik nicht für jedermanns Ohren geeignet, und auf Dauer wird einem das Ganze dann doch etwas zu monoton, doch sollten auch Genrefremde sich einmal an THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT heranwagen. Vielleicht machen die ungewohnten Töne wenigstens Lust auf einen spontanen Waldbesuch. Das wäre Ágnes und Mihály wahrscheinlich sogar am liebsten.

Bewertung: 9 / 10

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