Review The Moon And The Nightspirit – Seed Of The Formless

Das ungarische Duo Ágnes Tóth und Mihály Szabó ist seit vielen Jahren als THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT im ätherischen Folk unterwegs. Zuletzt stellte die Band ihr hohes Können in diesem Bereich vor sechs Jahren auf „Aether“ unter Beweis. Schon damals klangen feine Nuancen von Post-Rock im Sound der Gruppe an. Diese Einflüsse werden auf dem neuen Album „Seed Of The Formless“ nicht nur weiter ausgebaut – sie werden fundamental.

„Cosmic Seed“ macht mit seinen hallenden Post-Rock-Gitarren sehr schnell klar, dass der Kurswechsel ernst zu nehmen ist. Der klare Gesang von Ágnes Tóth – den man mögen kann oder nicht – bringt sofort die notwendige Verträumtheit mit, um sich als Fan weltvergessener Klanglandschaften heimisch zu fühlen. Über weite Strecken fällt es dem Song jedoch schwer, in Bewegung zu kommen. Das ist zwar nicht untypisch für das Genre, dennoch gelingt es THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT hier zunächst nicht, ausreichend Spannung aufzubauen. Erst kurz vor Ende sorgt ein stimmungsvoller Gitarrenausbruch irgendwo zwischen DRACONIAN und SWALLOW THE SUN für einen eruptiven Moment.

Das anschließende „Luminous Thread“ wirkt zunächst souveräner als sein Vorgänger. Zwar beginnt auch dieses Stück zurückhaltend, doch Drums, Gitarren und Gesang kommen schneller auf den Punkt. Im Grunde wiederholt sich jedoch das Problem des Openers: Bei aller Mühe um Atmosphäre scheinen THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT notwendige Höhepunkte zu vermeiden. Gerade als sich diese Befürchtung verfestigt, zeigt „Odyssey Limen“, dass es auch anders geht. Rein instrumental bietet der Song viel Drive und zahlreiche schöne Melodielinien, sogar einige schwarzmetallische Harmonien werden eingestreut. An diesem Punkt denkt man unweigerlich: „Es geht doch!“ – einzig die Stimme von Ágnes Tóth wirkt dabei nicht immer ganz passend.

Das musikalische Momentum nutzt auch „The First Tremor“, auf dem Gitarren und Gesang schließlich ein stimmiges Ganzes ergeben und stellenweise an TREES OF ETERNITY erinnern. Zwar ist auch dieser Track eher arm an wirklich einprägsamen Momenten, doch er zeigt am deutlichsten, wohin sich THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT 2026 entwickeln wollen. „Astromorphosis“ etwa gelingt es mühelos, eine tiefe, zugleich hoffnungsvoll wirkende Melancholie zu etablieren. Dennoch wird bei nahezu jedem Stück auf „Seed Of The Formless“ deutlich, dass nur wenig nachhaltig im Gedächtnis bleibt. Das ist umso bedauerlicher, als der Rausschmeißer „Lament Of The Thistle-Queen“ mit wunderbar tragischen Melodien und tragenden Drums zeigt, welches Potenzial in diesem neuen Ansatz steckt.

Eines muss man THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT zugutehalten: Sich nach so vielen Jahren und zahlreichen treffsicheren Folk-Alben einem neuen Einfluss zuzuwenden, ist mutig. Solche Schritte bergen immer auch das Risiko des Scheiterns. „Seed Of The Formless“ bietet als Zeugnis dieses Aufbruchs durchaus intensive Momente. Wenn das Duo den eingeschlagenen Weg jedoch weitergehen möchte, braucht es mehr Homogenität und Feinschliff, um im Post-Rock-Umfeld wirklich Fuß zu fassen.

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Wertung: 6.5 / 10

Philipp Sorger

Publiziert am von

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