CD-Review: The Negative Bias - Lamentation Of The Chaos Omega

Besetzung

I.F.S - Gesang
S.T - Gitarre, Bass, Effekte
Florian Musil - Schlagzeug (Studio)

Tracklist

01. The Golden Key To A Pandemonium Kingdom
02. Journey Into The Defleshed Paradise
03. Tormented By Endless Delusions
04. The Undisclosed Universe Of Atrocities
05. Cryptic Echoes From Beyond Dimensions
06. And Darkness Should Be The End Of Cosmic Faith


Zugegeben – Alben aus dem Hause ATMF kommen auf dieser Seite oft nicht sonderlich gut weg. Mit ihrer Liebe für Black Metal im Stile von Underground-Bands von anno dazumal, die sich konsequent weigern, sich auch nur einen Schritt an die Jahrhundertwende anzunähern oder sich zumindest eine Produktion zu leisten, die dem Jahr in dem wir uns befinden, auch halbwegs angemessen ist, führt nicht selten dazu, dass diese Promos unbesprochen liegenbleiben. Doch ab und zu ist dann doch mal ein Album dabei, dass einen aufhorchen lässt. „Lamentation Of The Chaos Omega“, das Debüt der Melodic-Black-Metaller THE NEGATIVE BIAS, ist ein solches Album.

Die österreichische Band wurde 2016 von Ex-Alastor-Sänger I.F.S. gegründet. Hilfe an den Saiteninstrumenten holte er sich von S.T., den man vor allem durch seine Arbeit bei Rauhnåcht, Golden Dawn und Wallachia kennt; das Schlagzeug auf der Platte übernahm Florian Musil. Dass hier keine Anfänger, sondern erfahrene Musiker am Werk sind, zeigt sich vor allem am gelungenen Songwriting. Schöne, teilweise zweistimmige Gitarrenmelodien betten sich hier geschmeidig in das sauber eingespielte Schlagzeug ein und schaffen es, die Gratwanderung zwischen melancholisch und kitschig-platt zu meistern. Mit „The Golden Key To A Pandemonium Kingdom“ legt die Band gleich zu Beginn das Albumhighlight vor. Der rasante, Blastbeat-lastige Track erinnert im positiven Sinne an die Werke Emperors. Ähnlich stark zeigen sich das geschickt mit chromatischen Akkordfolgen und Dissonanzen spielende „Tormented By Endless Delusions“ und das eingängige „Journey Into the Defleshed Paradise“.

Es hätte eine richtig starke Black-Metal-Scheibe werden können, wäre da nicht die zweite Albumhälfte. Mit gerade einmal sechs Songs, die allerdings durchschnittlich im Sieben-Minuten-Bereich angesiedelt sind, bietet das Album ohnehin nicht gerade viele Stücke. Warum eines davon dann unbedingt ein superöder Ambient-Track sein muss, der mit über sechseinhalb Minuten viel zu langgestreckt und mit seinen gesampleten „True-Detective“- und „Prometheus“-Zitaten (in deutscher Synchronisation wohl gemerkt, obwohl die Texte des Albums auf Englisch verfasst wurden) auch reichlich prätentiös wirkt, muss man nicht verstehen.

Doch auch „The Undisclosed Universe Of Atrocities“ und „And Darkness Should Be The End Of Cosmic Faith”, obwohl sie beide absolut solide Black-Metal-Tracks sind, können nicht mehr die gleiche Begeisterung hervorrufen wie noch die ersten drei Stücke der Platte. Das ist schade – und dennoch bekommt man damit drei hervorragende und zwei gute Lieder auf einem sauber produzierten 90-Jahre-Black-Metal-Album. Das ist ja dann doch einiges wert.

THE NEGATIVE BIAS können auf ihrem Debüt einen ersten starken Eindruck hinterlassen. Zwar zünden noch nicht alle Tracks gleichermaßen gut, zieht man den misslungenen Ambient-Track ab, bleibt aber unterm Strich ein sehr gelungenes, erstes Lebenszeichen. Wenn man schon Black Metal aus vergangenen Zeiten huldigen will, dann bitte so, wie die Österreicher das hier machen.

Bewertung: 7 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: