CD-Review: The One Hundred - Chaos & Bliss

Besetzung

Jacob Field - Gesang
Tim Hider - Gitarre
Phil Kneller - Bass
Joe Balchin - Schlagzeug

Tracklist

01. Dreamcatchers
02. Monster
03. Disengage
04. Dark Matters
05. Fake Eyes
06. Hand Of Science
07. Boomtown
08. Blackjack
09. Retreat
10. Who We Are Now
11. Chaos & Bliss
12. Feast


Die britische Band THE ONE HUNDRED besteht zwar nicht aus 100 Musikern, setzt dafür aber auf eine Vielzahl von Genres. So findet man Einflüsse aus Hardcore, Dance, Trance, Rap, Grime und auch R’n’B wieder. Das Debüt „Chaos & Bliss“ könnte unter diesen Vorzeichen einem seiner beiden Namensbestandteile alle Ehre machen. Sicherlich werden sich am Endprodukt der jungen Musiker einige Geister scheiden, unter dem Strich steht dennoch eine kraftvolle Mischung, die sich sehen lassen kann.

Während der Opener „Dreamcatchers“ noch sehr im Hardcore Punk verwurzelt scheint, so folgen die weiteren Songs größtenteils anderen Idealen, ohne das Einstiegsgenre vollständig abzustoßen. Der Wirkungsgrad des Rap und Grime steigert sich merklich und Sänger Jacob Field macht in den Sprechgesangseinlagen eigentlich eine bessere Figur als beim melodiösen oder brachialen Gegenpart. „Dark Matters“ bindet beispielsweise feinste Nuancen des Trance ein, dann ein wenig Rap in den Strophen, Pop in der Bridge und Screams inklusive Gangshouts ertönen im Refrain. Was jetzt aber vollständig chaotisch klingt, ist in sich erstaunlich stimmig und reißt mit seiner Glaubwürdigkeit und Energie mit. Natürlich könnte man nach dem bereits Gehörten Referenzen zu Crossover-Größen wie Beastie Boys, Limp Bizkit, Linkin Park oder Rage Against The Machine ziehen. Darin wäre auch stellenweise Wahrheit enthalten, wenn THE ONE HUNDRED nicht diese gewisse „Scheiß drauf“-Attitüde hätten. Diese erlaubt den vier Musikern neben fetten Grooves und rau-brutalen Punk-Parts nämlich auch den Einsatz von Vocoder-Samples, weiblichem R’n’B-Gesang („Boomtown“) oder radiotauglichen Refrains („Blackjack“). Zusätzlich haben die Songs eine nicht immer lupenreine, aber dennoch hörbare Produktion vorzuweisen. Der Brückenschlag, allen zum Einsatz kommenden Genres genug Raum zu bieten gelingt ihn diesem Zug auch relativ problemlos. Dadurch wird auch die Atmosphäre der Songs maßgeblich beeinflusst, die von fröhlich über düster-bedrohlich bis hin zu poppig-leichtfüßig reicht.

Was war das Gehörte jetzt genau? Das lässt sich nicht so einfach kategorisieren, denn THE ONE HUNDRED haben auf ihrem Debüt „Chaos & Bliss“ einfach alles zusammengeschustert, das ihnen in die Finger kam und zeitgleich Gefallen fand. Das lässt einerseits eine leicht chaotische Seite entstehen, die aber dennoch durchdachten und präzisen Charakter vorzuweisen hat. Metal-Puristen werden diesem Stilmix wohl nur wenig abgewinnen können. Wer aber einen gelungenen und zugleich energiegeladenen Ausflug in ein etwas anderes Musikverständnis erleben möchte, der wird einige spannende Momente entdecken.

Bewertung: 7 / 10

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