Das Cover von "Wild Dogs Unchained" von The Rods

Review The Rods – Wild Dogs Unchained

  • Label: Massacre
  • Veröffentlicht: 2025
  • Spielart: Heavy Metal

Besonders jüngeren Generationen von Rock- und Metalfans dürfte David „Rock“ Feinstein vor allem als Cousin des leider viel zu früh verstorbenen Ausnahmesängers Ronnie James Dio bekannt sein, weil das spätestens seit dessen Tod in so ziemlicher jeder Plattenkritik erwähnt wird. Tatsächlich hat sich Mr. Feinstein aber auch abseits seines legendären Cousins alle nötige Berechtigung erarbeitet, ist er doch seit 1979 mit seiner eigenen Band THE RODS aktiv. Die konnte ihren Namen mit Alben wie „Wild Dogs“ und „Heavier Than Thou“ bereits für immer in die Annalen der Rockgeschichte schreiben und ist seit ihrem Neustart im Jahr 2010 wieder überaus aktiv. So aktiv, dass ihr neues Album „Wild Dogs Unchained“ nur ein Jahr nach ihrem letzten Output erscheint.

Aus seiner Verwandtschaft zu Ronnie James Dio hat Mr. Feinstein ja vor allem in jüngeren Jahren selbst keinerlei Geheimnis gemacht – deutlicher als auf „Wild Dogs Unchained“ wurde sie aber nur selten. Schon der Opener „Eyes Of A Dreamer“ versprüht mit düster-erhabener Atmosphäre eindeutig den Charme von Dios Zeit bei BLACK SABBATH. Ganz ähnlich verhält es sich auch mit Nummern wie „Mirror Mirror“ und der bombastischern Semi-Ballade „Tears For The Innocent“, die sich zu gleichen Teilen bei BLACK SABBATH und dem bekanntesten Solo-Material des legendären Sängers bedienen. Mehr Nachlassverwaltung als auf diesem Album haben THE RODS sicherlich noch nie betrieben.

Prinzipiell ist dagegen auch gar nichts einzuwenden, denn es handelt sich bei all diesen Nummern um wirklich gute Songs und die Hommage ist jederzeit glaubwürdig. Allerdings werden in diesen Momenten auch die stimmlichen Defizite des THE-RODS-Frontmanns deutlich: Feinstein, der auf „Wild Dogs Unchained“ ohnehin etwas angestrengter klingt als noch auf „Rattle The Cage“, ist beileibe kein schlechter Sänger, aber doch weit davon entfernt, ein zweiter Ronnie James zu sein. Abgesehen von ihm selbst erwartet das aber auch niemand, weshalb der von ihm in besagten Songs angestrebte Vergleich eigentlich ohne Not geschieht. Seine Stimme passt weit besser zu kernigen Nummern wie z. B. „Rock And Roll Forever“, die in der Schnittmenge aus Hard Rock und Heavy Metal rangieren.

Solcherlei Songs gibt es auf „Wild Dogs Unchained“ auch, allerdings sind sie gegenüber den ausgedehnten, epischen Songs der Platte in der Minderheit. Das mag aus musikalischer Sicht durchaus einen Qualitätssprung bedeuten, denn rockigere Songs wie „Make Me A Believer“ und der gelungene Abschluss „Renegade“ lassen wahrlich kein Klischee aus und sind insgesamt reichlich plakativ. Allerdings passen sie auch weitaus besser zum generellen Image von THE RODS, denn die Band wirkt in den größer angelegten Nummern ein bisschen, als hätte sie sich etwas zu viel vorgenommen. Angesichts des generell hohen Qualitätslevels beim Songwriting auf „Wild Dogs Unchained“ ist das aber auf vergleichsweise hohem Niveau gejammert.

Mit „Wild Dogs Unchained“ sind die alten Genre-Hasen THE RODS nochmal für eine echte Überraschung gut: Legte das Trio erst vor einem Jahr mit „Rattle The Cage“ ein partytaugliches Album mit hohem Spaßfaktor vor, so zeigt es sich mit seinem neuen Album von einer gänzlich anderen Seite. Die kurzweiligen Hard-Rock-Songs wurden mindestens zur Hälfte durch überraschend „ernste“, groß angelegte Heavy-Metal-Epen ersetzt, die vor allem Fans von Dio und dessen Zeit bei BLACK SABBATH ansprechen dürften. Damit geben THE RODS natürlich einen Teil ihrer eigenen musikalischen Identität auf, als Verneigung vor einem der größten Sänger der Rockgeschichte funktioniert „Wild Dogs Unchained“ aber hervorragend.

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Wertung: 7 / 10

Thomas Meyns

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