CD-Review: The Tidal Sleep - Be Water

Besetzung

Nicolas Bonifer – Gesang
Matthias Lackus – Gitarre
Marc Aufderstrasse – Gitarre
Thomas Brechter – Bass
Armin Wäspi – Schlagzeug

Tracklist

01. Bandages
02. Spills
03. Words
04. Sogas
05. Hearses
06. Undertows
07. Poisons
08. Collapses
09. Changes
10. Wreckages
11. Footsteps


Im deutschen Post-Hardcore sind THE TIDAL SLEEP eine Ausnahmeerscheinung. Durch ihre bisherigen Alben haben sie in Deutschland, ähnlich wie Touché Amoré in den USA, eine wahre Welle an Bands losgetreten, die beeinflusst von amerikanischen Screamo-Bands, aber eben auch THE TIDAL SLEEP selbst, Härte, Melodie und Emotionalität verknüpfen. Mit „Be Water“ legen die sympathischen Musiker nun ihr drittes Album in sechs Jahren vor, auf dem sie erneut begeistern.

Auf „Be Water“ bleiben sich die fünf Musiker von THE TIDAL SLEEP treu. Treibendes Schlagzeug, perlende Gitarrenmelodien und ein nach vorne eilender Bass eröffnen das dritte Album der Band. Das Songwriting ist über die gesamte Spielzeit durchdacht und setzt auf Dynamik- sowie Rhythmuswechsel. Dass bereits der Opener etwas abrupt zum Ende kommt, stellt die vermutlich deutlichste Schwäche von „Be Water“ dar: Stellenweise wirkt das Album trotz seines stimmigen Aufbaus etwas fragmentarisch. Zum Ende hin geraten die Songs ebenfalls weniger mitreißend als zu Beginn.

Das ist allerdings nur ein kleiner Wermutstropfen. THE TIDAL SLEEP reißen mit ihrer umwerfenden Leidenschaft von der ersten Sekunde an mit, mal mehr („Spills“) und mal weniger („Changes“). Die Spielfreude und das Authentische ihrer Musik werden durch verschiedene Gesangsstile zwischen emotionalem Geschrei, gehetzten Spoken-Word-Parts und vereinzeltem Klargesang intensiviert. Der spanische Gastgesang von Cándido Gálvez der andalusischen Genrekollegen von Viva Belgrado auf „Sogas“ passt wie die Faust aufs Auge und stellt als Parade-Screamo-Song das Highlight des Albums dar.

Die Ausflüge in Post Rock („Footsteps“) sowie in den offensiven (Post-)Hardcore im Stile der frühen Thrice („Poisons“) zeigen die Vielseitigkeit auf, die THE TIDAL SLEEP auszeichnet. Nach mehreren Hördurchgängen offenbaren sich immer mehr Feinheiten, die das Fragmentarische als essenziellen Bestandteil von „Be Water“ aufdecken. Obwohl einige Nummern ein wenig gleichförmig und unspektakulär klingen („Hearses“), zeigt das dritte Album von THE TIDAL SLEEP dennoch, dass sie in der obersten internationalen Liga mitspielen.

Bewertung: 7.5 / 10

Geschrieben am

2 Kommentare zu “The Tidal Sleep – Be Water”

    1. Bernhard Landkammer Post Author

      Ja, ich weiß, und ich schäme mich auch sehr … Meine Doktorarbeit hat mir einen Strich durch viele Rezensionen gemacht, ich tue jetzt mein möglichstes diese tollen Releases noch abzuarbeiten und sie euch vorzustellen!

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